Fünf Jahre nach dem politischen Wechsel im Grazer Rathaus stellt sich eine zentrale Frage: Hat Rot–Grün–Rot Graz stabil regiert – oder gehen KPÖ, Grüne und SPÖ nach der Gemeinderatswahl mit zu vielen offenen Baustellen in die nächste Runde?
Im Presseclub zogen Bürgermeisterin Elke Kahr, Vizebürgermeisterin Judith Schwentner und Doris Kampus am 11. Mai 2026 Bilanz über die Arbeit der Rathauskoalition. Dabei ging es nicht nur um das, was die drei Parteien als Erfolge sehen. Das Gespräch zeigte auch, wo die Konflikte liegen: beim Verkehr, beim Stadion, bei der angespannten Budgetlage, bei Gesundheit und Pflege sowie bei der Frage, wie viel Verantwortung die SPÖ nach der Wahl übernehmen soll.
Der Abend zeigte: Die Koalition tritt nach außen geschlossen auf. Sie stellt ihren Politikstil als sachlich, wertschätzend und wenig konflikthaft dar. Gleichzeitig liegen die politischen Schwerpunkte klar auseinander. Elke Kahr verteidigt den bisherigen Kurs der KPÖ und warnt vor überzogenen Versprechen. Judith Schwentner stellt Verkehrspolitik als Stadtplanung und Klimaanpassung dar. Doris Kampus betont Gesundheit und Pflege – und macht deutlich, dass die SPÖ künftig mehr Verantwortung übernehmen will.
Rathauskoalition zeigt Einblick in die Regierungsarbeit
Auffällig war nicht nur, worüber Elke Kahr, Judith Schwentner und Doris Kampus sprachen, sondern auch der Ton des Abends. Das Pressegespräch wirkte über weite Strecken nicht wie ein harter Wahlkampf-Schlagabtausch. Die drei Kandidatinnen erklärten vielmehr, wie Entscheidungen zustande kamen, wo es Probleme gab und warum manche Projekte länger dauern.
Damit bekam die Runde stellenweise den Charakter eines Blicks hinter die Kulissen der Stadtpolitik. Bei Themen wie Verkehr, Stadion, Budget oder Innenstadt ging es nicht nur um fertige Positionen, sondern auch um Abläufe, Zuständigkeiten und Grenzen der Stadt.
Im Vergleich dazu stand beim späteren Pressegespräch mit den Oppositionsparteien stärker die Kritik an der Rathauskoalition im Vordergrund. Dort ging es mehr um Angriffe auf offene Baustellen und weniger um die Erklärung der Regierungsarbeit.
Eine Koalition im Rathaus, die ihren Stil verteidigt
Gleich zu Beginn stand die Bilanz der vergangenen Jahre im Mittelpunkt. Doris Kampus sprach von einer für die Sozialdemokratie nicht einfachen Ausgangslage: Die SPÖ war Teil der Koalition, aber nicht Teil der Stadtregierung. Dennoch hob sie den Umgang innerhalb des Bündnisses positiv hervor. Unterschiedliche Sichtweisen habe es gegeben, die Koalition habe diese aber im wertschätzenden Ton behandelt. Als offene Baustelle nannte Doris Kampus früh Gesundheit und Pflege. Dort will die SPÖ mehr tun.
Wir sind Teil der Koalition, aber eben nicht Teil der Regierung.
Dieser Satz beschreibt die Sonderrolle der SPÖ in den vergangenen Jahren. Sie gehörte zum politischen Bündnis, stellte aber kein eigenes Mitglied der Stadtregierung. Genau daraus leitet Doris Kampus ihren Anspruch für die Zeit nach der Wahl ab.
Judith Schwentner verwies auf das Koalitionsübereinkommen und sprach von vielen Punkten, die die Koalition umgesetzt oder zumindest auf den Weg gebracht habe. Sie nannte unter anderem Infrastruktur, Stadtraum, Fuß- und Radwege, neue Grünflächen und mehr Aufenthaltsqualität. Besonders hob sie 14 neue Parks und 3300 gepflanzte Bäume hervor. Gleichzeitig räumte sie ein, dass manche Projekte langsamer vorankamen als geplant. Als Grund nannte sie vor allem die angespannte Budgetlage.
Elke Kahr stellte den politischen Stil in den Vordergrund. Für sie liegt der Erfolg der Koalition nicht nur in einzelnen Projekten, sondern im Umgang miteinander. Sie beschrieb die Zusammenarbeit als kameradschaftlich und ohne Machtspiele. Außerdem betonte sie, dass die Koalition nach dem Machtwechsel keinen politischen Revanchismus betrieben habe. Die Stadtregierung habe auch andere Parteien eingebunden und wichtige Fragen gemeinsam besprochen.
Die Spitzenkandidatinnen im Interview
Faktenbox: Was die Koalition für sich reklamiert
Die Rathauskoalition verweist auf mehrere Punkte aus den vergangenen fünf Jahren:
- 14 neue Parks und 3300 gepflanzte Bäume
- mehr Fuß- und Radwege
- Schulstraßen und mehr Sicherheit für Kinder
- Straßenbahnprojekte und Planungen für den Öffi-Ausbau
- Investitionen in Infrastruktur, Schulen, Wohnungen, Energie und Feuerwehr
- mehr Grünflächen und Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum
- einen ruhigeren politischen Stil im Rathaus
- Zusammenarbeit ohne große öffentliche Koalitionskrisen
Diese Bilanz ist der gemeinsame Kern des Abends. Die drei Parteien wollen zeigen: Die Koalition hat funktioniert. Gleichzeitig zeigte das Gespräch, dass jede Partei diese Bilanz anders erzählt.
Verkehr bleibt das große Reizthema in Graz
Kaum ein Thema prägte die vergangenen Jahre in Graz so stark wie Verkehr. Judith Schwentner kennt die Kritik an weniger Parkplätzen, mehr Baustellen und Staus. Im Presseclub versuchte sie, die Debatte auf eine grundsätzliche Frage zu lenken: Wie verteilt Graz den öffentlichen Raum?
Verkehrsplanung ist Stadtplanung, ist Planung von Lebensraum.
Das ist der Schlüsselsatz der grünen Argumentation. Für Judith Schwentner geht es nicht nur um Autofahrer, Radfahrer oder Fußgänger. Es gehe um Platz in einer wachsenden Stadt. Graz sei in den vergangenen Jahren stark gewachsen, die Stadtgrenzen hätten sich aber nicht mitbewegt. Zusätzlich verwies sie auf täglich 480.000 Autofahrten über die Stadtgrenze. Daraus leitet sie ab, dass Graz Verkehr anders organisieren müsse als früher.
Judith Schwentner verteidigte Schulstraßen, bessere Radverbindungen, sichere Wege für Kinder und mehr Bäume im Straßenraum. Jeder Baum brauche Platz, manchmal eben dort, wo früher ein Parkplatz war. Genau an diesem Punkt entzündet sich der politische Konflikt: Die Grünen sehen darin Klimaanpassung und faire Verteilung, Kritiker sehen Eingriffe in den Alltag der Autofahrer.
Auch die Innenstadt spielte eine Rolle. Judith Schwentner verwies auf die schwierige Baustellenzeit rund um die neue Straßenbahnlinie. Sie räumte ein, dass die Kommunikation nicht immer optimal lief. Gleichzeitig betonte sie, dass Stadt, Holding und Betriebe dazugelernt hätten. Heute informiere man früher und direkter über Eingriffe in den Straßenraum.
Klimaanpassung als Querschnittsthema
Neben Verkehr und Budget rückte auch die Hitze in der Stadt in den Fokus. Judith Schwentner sprach über Tropennächte, Hitzepläne, Schatten, Wasser und die Tigermücke. Die Stadt müsse sich an neue klimatische Bedingungen anpassen. Dazu zählen Bäume, Grünflächen, Sanierungen im Wohnbau, Trink- und Kühlmöglichkeiten sowie besser gestaltete öffentliche Räume.
Die Kaisergasse steht exemplarisch für diese Debatte. Dort geht es nicht nur um Gestaltung, sondern auch um Baumschutz, Wurzelraum, Schwammstadtprinzip und einen hochwertigeren Stadtraum. Kritiker sehen hohe Kosten und Baustellen. Die Koalition sieht eine notwendige Investition in die Zukunft der Stadt.
Damit verbindet Judith Schwentner Verkehr, Stadtplanung und Klimapolitik zu einem gemeinsamen Thema. Diese Verbindung kann für die Grünen im Wahlkampf Stärke und Risiko zugleich sein. Wer die Klimaanpassung für dringlich hält, findet darin ein klares Angebot. Wer vor allem Parkplätze, Baustellen und Stau sieht, bleibt schwerer erreichbar.
Elke Kahr warnt vor Luftschlössern
Während Judith Schwentner den Stadtraum ins Zentrum stellte, konzentrierte sich Elke Kahr stark auf die Finanzierbarkeit. Sie machte klar, dass Graz große Projekte nicht allein stemmen könne. Beim öffentlichen Verkehr, beim Wohnbau und bei weiteren Infrastrukturvorhaben brauche die Stadt Unterstützung von Bund und Land.
Sie verspricht keine großen neuen Projekte ohne Finanzierung, sondern verteidigt Pflichtaufgaben und Investitionen in das Gemeinwohl.
Elke Kahr verwies auf die angespannte Lage vieler Städte und Gemeinden. Graz habe in den vergangenen Jahren viel investiert, etwa in Infrastruktur, Schulen, Wohnungen, Energie, öffentlichen Verkehr, Feuerwehr und Klärwerk. Diese Investitionen nennt sie Werte für das Gemeinwohl. Gleichzeitig dämpfte sie Erwartungen für die kommenden Jahre: Der bisherige Investitionsumfang werde sich nicht einfach fortsetzen lassen.
Diese Linie zieht sich durch den ganzen Abend. Elke Kahr verspricht keine großen neuen Projekte, sondern verteidigt Pflichtaufgaben. Sie will am Boden bleiben und keine Luftschlösser bauen. Damit grenzt sie sich indirekt von Wahlkampfforderungen ab, die aus ihrer Sicht finanziell nicht abgesichert sind.
Elke Kahr sieht KPÖ als Verteidigerin
Bei den Umfragen zeigte Elke Kahr bewusst wenig Euphorie. Sie bezeichnete Prognosen sinngemäß als unsicher und verwies darauf, dass die eigentliche Entscheidung erst am Wahltag falle. Gleichzeitig formulierte sie die Rolle der KPÖ klar: Als stärkste Partei verteidige sie die bisherige Koalition und den Grazer Politikstil.
Menschlichkeit darf in der Stadt nicht verloren gehen.
Dieser Satz trägt die politische Erzählung der KPÖ. Elke Kahr stellt Graz als eine Art positives Gegenmodell dar. Es gehe um Menschlichkeit, um den Umgang mit Menschen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, um eine Politik, die nicht nur auf Angriff setze.
Sie wünschte ihren beiden Koalitionspartnerinnen sogar bessere Ergebnisse als jene, die manche Umfragen vorhersagen. Auch das zeigt: Die KPÖ will nicht nur selbst stark bleiben, sondern auch die Mehrheitsfähigkeit des bisherigen Bündnisses absichern.
Stadion: Viel geprüft, wenig entschieden
Beim Stadion wurde das Gespräch besonders konkret. Die Frage steht seit Jahren im Raum: Wie geht Graz mit dem Stadionproblem um? Elke Kahr widersprach dem Eindruck, die Stadt bewege sich nicht. Sie verwies auf Prüfungen, Studien und Gespräche. Die Stadt habe rechtliche, umweltbezogene, verkehrliche und finanzielle Fragen untersucht. Außerdem brauche es ein tragfähiges Betreiberkonzept mit Stadt, Land und Vereinen.
Elke Kahr machte dabei zwei Punkte klar. Erstens will sie dem Fußball nicht grundsätzlich eine Absage erteilen. Die Stadt müsse Wort halten, wenn sie Sanierungen oder Verbesserungen in Aussicht gestellt habe. Zweitens dürfe Graz kein finanzielles Abenteuer eingehen. Ein verbessertes Stadion müsse sich für die Stadt langfristig rechnen. Auch die Vereine müssten realistisch kalkulieren.
Damit bleibt das Stadion eines der großen offenen Themen. Die Koalition kann auf Vorarbeiten verweisen, aber noch nicht auf eine sichtbare Lösung. Für die Wahl bedeutet das: Die Opposition kann weiter Verzögerung kritisieren, während Elke Kahr Seriosität und finanzielle Verantwortung betont.
Gesundheit und Pflege: Doris Kampus setzt den SPÖ-Schwerpunkt
Doris Kampus nutzte den Abend, um die SPÖ klarer zu positionieren. Ihr Schwerpunkt liegt auf Gesundheit und Pflege. Sie sprach über Gesundheitszentren in jedem Bezirk und über pflegende Angehörige. Für Doris Kampus zeigt sich in diesen Themen, wo Politik Prioritäten setzen muss.
Diese Linie erfüllt zwei Funktionen. Einerseits grenzt sich die SPÖ damit von KPÖ und Grünen ab, ohne die Koalition frontal anzugreifen. Andererseits erklärt Doris Kampus, warum die SPÖ aus ihrer Sicht künftig mehr Verantwortung braucht. Sie will nicht nur mitverhandeln, sondern ein eigenes Thema politisch führen.
Besonders deutlich wurde das bei der Koalitionsfrage.
Genau in dieser Form Nein.
Doris Kampus meinte damit nicht zwingend ein Nein zu Rot-Grün-Rot, sondern ein Nein zur bisherigen Rolle der SPÖ ohne eigenes Regierungsressort. Die Sozialdemokratie wolle Verantwortung übernehmen, idealerweise im Bereich Gesundheit und Pflege.
Verantwortung haben heißt auch, für ein Thema zuständig sein.
Damit bringt Doris Kampus die wichtigste Machtfrage in das Gespräch. Rot-Grün-Rot könnte weitergehen. Aber eine Neuauflage hätte aus SPÖ-Sicht andere Bedingungen.
Umfragen setzen den Wahlkampf unter Druck
Auch die Umfragen kamen im Presseclub zur Sprache. In einer von der ÖVP beauftragten Umfrage lag die KPÖ laut Frage im Gespräch bei 27 Prozent, die ÖVP bei 24 Prozent, die Grünen bei 17 Prozent und die SPÖ bei 7 bis 8 Prozent. Eine andere Umfrage der Kleinen Zeitung sah die KPÖ bei 31 Prozent, die ÖVP bei 20 Prozent und die Grünen bei 14 Prozent. In beiden Fällen lag die KPÖ vorne.
Elke Kahr reagierte darauf betont vorsichtig. Sie relativierte Prognosen und verwies darauf, dass Umfragen Momentaufnahmen seien. Die entscheidende Umfrage sei jene am Wahltag. Gleichzeitig zeigte ihre Antwort, worum es für die KPÖ geht: Sie muss nicht mehr aus der Außenseiterrolle heraus angreifen, sondern als stärkste Partei einen bestehenden Kurs verteidigen.
Für die Koalition insgesamt erhöhen die Zahlen den Druck. Die KPÖ will Platz eins halten, die Grünen müssen ihre Verkehrspolitik gegen Kritik verteidigen und die SPÖ braucht ein besseres Ergebnis, wenn sie ihren Anspruch auf mehr Verantwortung glaubwürdig durchsetzen will. Damit geht es bei der Wahl nicht nur um Prozentpunkte. Es geht auch darum, ob die bisherige Rathauskoalition rechnerisch und politisch stark genug bleibt.
Wie geschlossen ist Rot-Grün-Rot wirklich?
Nach außen zeigten Elke Kahr, Judith Schwentner und Doris Kampus viel Einigkeit. Alle drei betonten den respektvollen Umgang und die sachliche Zusammenarbeit. Gleichzeitig wurde deutlich, dass jede Partei mit einer eigenen Erzählung in die Wahl geht.
Die KPÖ erzählt die Geschichte einer Stadtregierung, die menschlich, ruhig und sozial agiert. Die Grünen erzählen die Geschichte einer Stadt, die ihren öffentlichen Raum neu ordnet und klimafit werden muss. Die SPÖ erzählt die Geschichte einer Partei, die Teil des Projekts war, aber künftig mehr direkte Verantwortung braucht.
Diese Unterschiede wirken nicht wie ein Bruch. Sie zeigen aber, worüber nach der Wahl verhandelt werden dürfte: Ressorts, Zuständigkeiten, Prioritäten und Geld. Vor allem die SPÖ-Frage könnte entscheidend werden. Schafft die Partei den Sprung in den Stadtsenat, verändert sich das Kräfteverhältnis innerhalb einer möglichen Neuauflage der Koalition. Schafft sie ihn nicht, stellt sich die Frage, ob und wie Doris Kampus ihren Anspruch trotzdem einlösen kann.
Was nach der Wahl wirklich verhandelt wird
Nach der Gemeinderatswahl geht es daher nicht nur um die Frage, ob KPÖ, Grüne und SPÖ weiter miteinander können. Es geht um die Bedingungen einer möglichen Fortsetzung.
Die KPÖ will den bisherigen Politikstil absichern. Elke Kahr stellt Stabilität, Gemeinwohl und vorsichtige Finanzpolitik in den Vordergrund. Die Grünen wollen den Stadtumbau fortsetzen. Judith Schwentner sieht Verkehrspolitik nicht als Einzelthema, sondern als Planung von Lebensraum. Die SPÖ will stärker mitgestalten. Doris Kampus macht klar, dass die Sozialdemokratie eine Rolle mit echter Verantwortung anstrebt.
Damit verschiebt sich der Blick auf die Zeit nach der Wahl. Eine Fortsetzung von Rot-Grün-Rot wäre keine automatische Wiederholung der vergangenen Jahre. Sie müsste neu ausverhandelt werden: bei Ressorts, Zuständigkeiten, Budgets und Prioritäten.
Konkret könnten vier Fragen entscheidend werden:
- Bekommt die SPÖ ein eigenes Ressort oder klare Zuständigkeiten?
- Wie viel Geld bleibt für Öffi-Ausbau, Wohnbau, Sport und Klimaanpassung?
- Können KPÖ und Grüne ihren Kurs bei Verkehr und Stadtraum fortsetzen?
- Wie stark muss die nächste Koalition auf Bund und Land setzen?
Damit geht es nach der Wahl nicht nur um Koalitionsarithmetik. Es geht um die Frage, wer in Graz welche Themen wirklich führen darf.
Offene Baustellen der Rathauskoalition
Verkehr und Stadtraum
Der Verkehr bleibt der größte Angriffspunkt gegen die Grünen. Judith Schwentner erklärt die Neuverteilung des Straßenraums als notwendige Stadtplanung. Trotzdem bleibt die politische Reibung groß. Parkplätze, Baustellen, Stau und die Erreichbarkeit der Innenstadt treffen viele Menschen im Alltag direkter als langfristige Klimaziele.
Budget und Investitionen
Die angespannte Finanzlage zieht sich durch mehrere Themen. Elke Kahr spricht offen darüber, dass Graz Investitionen in der bisherigen Größenordnung nicht einfach fortsetzen kann. Öffi-Ausbau, Wohnbau, Infrastruktur und Sportprojekte hängen damit stärker an Bund und Land.
Stadion
Beim Stadion bleibt die Koalition angreifbar. Elke Kahr verweist auf Ausschüsse, Prüfungen und Gespräche zu Standort, Ausweitung, Kosten und Betrieb. Gleichzeitig zeigt ihre Antwort: Die entscheidenden Fragen sind noch nicht gelöst. Vor allem das Betreiberkonzept, die Rolle von Stadt und Land sowie die Beteiligung der Vereine bleiben zentrale Punkte.
Gesundheit und Pflege
Gesundheit und Pflege sind im Gespräch vor allem das Thema von Doris Kampus. Die SPÖ nutzt diesen Bereich, um ein eigenes Profil innerhalb der Koalition zu entwickeln. Nach der Wahl könnte genau daraus ein Verhandlungspunkt werden.
Innenstadt und Wirtschaft
Auch der Innenstadthandel bleibt eine offene Baustelle. Die Koalition verweist auf bessere Kommunikation bei Baustellen und mehr Kontakt mit Betrieben. Gleichzeitig erkennt sie an, dass Onlinehandel und verändertes Einkaufsverhalten nicht allein durch Stadtpolitik lösbar sind.
Klimaanpassung
Die Stadt muss auf Hitze, Starkregen und neue Gesundheitsrisiken reagieren. Die Koalition sieht Bäume, Grünflächen, Schatten, Wasser und Sanierungen als zentrale Maßnahmen. Kritiker sehen vor allem Kosten, Baustellen und Eingriffe in den Straßenraum.
Der politische Check
Die Rathauskoalition kann auf sichtbare Projekte verweisen: neue Parks, mehr Bäume, Rad- und Fußwege, Straßenbahnprojekte, Investitionen in Infrastruktur und eine andere politische Kultur im Rathaus. Sie kann auch darauf verweisen, dass größere Konflikte zwischen den Partnerinnen öffentlich kaum eskalierten.
Gleichzeitig bleiben zentrale Fragen offen. Der Verkehr polarisiert weiter. Das Stadion wartet auf eine endgültige Lösung. Die angespannte Budgetlage begrenzt neue Vorhaben. Die SPÖ will eine andere Rolle. Und die Klimaanpassung verlangt Maßnahmen, die oft teuer sind und direkt in den Alltag der Menschen eingreifen.
Genau deshalb passt der Begriff „Check“ gut zu diesem Pressegespräch. Elke Kahr, Judith Schwentner und Doris Kampus präsentierten keine reine Erfolgsbilanz. Sie zeigten auch, wo die Koalition nach der Wahl neu verhandeln müsste.
Der stärkste Befund des Abends lautet daher: Rot-Grün-Rot wirkt stabil, aber nicht abgeschlossen. Die Koalition hat einen gemeinsamen Stil gefunden, doch die nächste Periode würde neue Entscheidungen erzwingen. Wer bekommt Verantwortung? Welche Projekte kann Graz noch finanzieren? Wie weit geht der Umbau des öffentlichen Raums? Und wie viel Veränderung tragen die Wählerinnen und Wähler mit?
Die Rathauskoalition geht nicht nur mit einer Bilanz in die Wahl. Sie geht mit einem Versprechen in die Wahl: Graz soll sozial, ökologisch und kooperativ weiterregiert werden. Ob dieses Versprechen reicht, entscheidet sich nicht nur am Wahltag. Es entscheidet sich auch danach, wenn aus Wahlkampfsätzen wieder Budgets, Ressorts und konkrete Projekte werden.



























































