Was bedeutet soziale Politik im Alltag der Grazerinnen und Grazer? Für Doris Kampus beginnt sie nicht erst dann, wenn Menschen um Hilfe bitten müssen. Die SPÖ-Spitzenkandidatin stellt im Interview mit Inside Graz und Inside Politics – Austria Gesundheit und Pflege in den Mittelpunkt. Ihr Anspruch: Graz soll Strukturen schaffen, auf die sich Menschen verlassen können.
Damit grenzt sich Kampus auch klar von der KPÖ ab. Die SPÖ wolle nicht nur im Einzelfall helfen, sondern Rechtsansprüche, Versorgung und funktionierende Systeme stärken. Besonders deutlich wird das beim Thema Gesundheit. Hier sieht Kampus in Graz einen echten Handlungsbedarf.
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Das Interview auf einen Blick
Person: Doris Kampus
Partei: SPÖ
Funktion: Spitzenkandidatin zur Grazer Gemeinderatswahl 2026
Themen: Gesundheit, Pflege, soziale Gerechtigkeit, Verkehr, Innenstadt, Wirtschaft
Politischer Konflikt: Abgrenzung zur KPÖ und Anspruch auf ein eigenes sozialdemokratisches Profil
Zentrales Ziel: Das Gesundheits- und Pflegeressort für die SPÖ in einer möglichen Stadtregierung
Gesundheit als Alltagsthema
Wenn Kampus über Gesundheit spricht, geht es nicht um ein abstraktes Wahlkampfthema. Es geht um Menschen, die keinen Kassenarzt finden, auf Termine warten oder zusätzlich Geld ausgeben müssen, obwohl sie jahrelang in das System eingezahlt haben.
Genau dort setzt sie ihre politische Botschaft. Aus ihrer Sicht funktioniert das Gesundheitssystem in Graz nicht mehr so, wie es für viele Menschen funktionieren müsste. Sie verweist darauf, dass viele Ärztinnen und Ärzte privat zu bezahlen seien. Für Menschen mit kleinem oder mittlerem Einkommen wird damit eine einfache Frage zur Belastung: Kann ich mir medizinische Versorgung leisten, wenn ich sie brauche?
Kampus will deshalb ein Gesundheitszentrum in jedem Bezirk. Die Stadt könne dabei nicht alles allein lösen, aber sie könne mehr tun als bisher. Sie könne Gebäude, Infrastruktur oder finanzielle Unterstützung bereitstellen und damit Land und Bund stärker in die Pflicht nehmen.
Ihr Zugang ist klar: Wenn Graz Gesundheit ernst nimmt, muss die Stadt selbst aktiv werden.
Der Unterschied zur KPÖ
Der stärkste politische Konflikt des Interviews liegt in der Abgrenzung zur KPÖ. Kampus stellt die Frage, warum Graz eine starke SPÖ braucht, obwohl die KPÖ bereits als soziale Partei gilt. Ihre Antwort: Die SPÖ habe einen anderen Zugang.
Sie kritisiert eine Sozialpolitik, bei der Menschen im Einzelfall um Unterstützung bitten müssen. Ihre Formulierung bringt die Linie der SPÖ auf den Punkt: „Sozialpolitik der Sozialdemokratie ist keine Almosenpolitik.“
Damit setzt Kampus auf einen klassischen sozialdemokratischen Unterschied. Menschen sollen nicht als Bittsteller auftreten müssen. Sie sollen sich auf Strukturen verlassen können, die funktionieren. Arbeit, Rechtsansprüche, Pflege, Gesundheit und öffentliche Versorgung bilden für sie den Kern sozialer Politik.
Das ist politisch relevant, weil die KPÖ in Graz seit Jahren stark über persönliche Hilfe, Wohnen und soziale Unterstützung wahrgenommen wird. Kampus versucht, dieses Feld neu zu besetzen: nicht gegen Hilfe im Einzelfall, aber für einen stärkeren Systemanspruch.
Pflege als persönliches und politisches Thema
Besonders persönlich wird Kampus beim Thema Pflege. Sie spricht offen darüber, dass sie selbst gemeinsam mit ihrer Familie ihre Tochter pflegt. Dadurch bekommt das Thema für sie eine persönliche Tiefe, die über klassische Wahlkampfrhetorik hinausgeht.
Im Interview verweist sie auf das Modell der angestellten pflegenden Angehörigen in Graz. Derzeit gebe es 15 Stellen. Für Kampus ist das ein erster Schritt, aber noch nicht genug. Sie betont, dass der Bedarf größer sei und viele Menschen Interesse hätten.
Gleichzeitig beansprucht sie dieses Projekt klar für die SPÖ. Dass die KPÖ es jetzt umsetze, liege daran, dass das zuständige Ressort dort angesiedelt sei. Der politische Ursprung liege aber aus ihrer Sicht bei der Sozialdemokratie.
Für die Wahl ist das ein wichtiger Punkt. Kampus will nicht nur über Pflege sprechen, sondern zeigen, dass die SPÖ in diesem Bereich bereits etwas angestoßen hat. Ihr Versprechen: Mit der SPÖ in der Stadtregierung soll das Modell deutlich ausgebaut werden.
Warum die SPÖ in die Stadtregierung will
Ein zentraler Satz des Interviews lautet sinngemäß: Die SPÖ war Teil der Koalition, aber nicht Teil der Stadtregierung. Genau daraus leitet Kampus ihren Anspruch für die nächste Periode ab.
Es gehe ihr nicht um Posten, sagt sie, sondern um Verantwortung und Gestaltung. Wer ein Ressort führe, könne Entscheidungen vorbereiten, Projekte steuern und politische Schwerpunkte setzen. Deshalb will die SPÖ in möglichen Verhandlungen das Gesundheits- und Pflegeressort.
Diese Aussage zeigt auch, wo Kampus die Schwäche der bisherigen SPÖ-Rolle sieht. Die Partei unterstützte die Koalition, konnte aber viele Themen nicht aus eigener Ressortverantwortung gestalten. Für die nächste Periode will sie das ändern.
Für wen die SPÖ da sein will
Auf die Frage, wen die Grazer SPÖ heute vertreten will, antwortet Kampus breit, aber mit einer klaren sozialen Stoßrichtung. Sie spricht über Menschen, die arbeiten, die ihren Beitrag leisten oder ihr Leben lang geleistet haben. Gemeint sind Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmer, Pensionistinnen, Pensionisten, Familien und Menschen, die sich darauf verlassen haben, dass öffentliche Systeme tragen.
Damit versucht Kampus, die SPÖ wieder als Partei jener Menschen zu positionieren, die im Alltag funktionieren müssen: Menschen, die arbeiten, Angehörige pflegen, Kinder betreuen, Arzttermine brauchen, mit Bus, Rad, Auto oder zu Fuß unterwegs sind und sich eine verlässliche Stadt erwarten.
Dieser bürgernahe Zugang zieht sich durch das Interview. Kampus spricht nicht nur über Ideologie, sondern über Situationen, die viele aus dem Alltag kennen: der Weg zum Arzt, die Pflege zu Hause, der Schulweg, der Einkauf in der Innenstadt, der Weg mit dem Bus oder der Umgang mit dem Auto.
Verkehr mit Augenmaß
Auch beim Verkehr grenzt sich Kampus von einer Politik ab, die Menschen gegeneinander ausspielt. Sie beschreibt ihren Alltag selbst als Mischung verschiedener Mobilitätsformen: Bus, zu Fuß, Auto. Damit will sie zeigen, dass viele Grazerinnen und Grazer nicht nur ein Verkehrsmittel nutzen.
Ihr Leitwort ist Augenmaß. Die Stadt brauche gut funktionierende Öffis, sichere Wege für Fußgängerinnen und Fußgänger, gute Radinfrastruktur und weiterhin Lösungen für Menschen, die auf das Auto angewiesen sind.
Beim öffentlichen Verkehr sieht Kampus grundsätzlich einen breiten Konsens, dass Graz investieren müsse. Gleichzeitig verschiebt sie die Priorität für die SPÖ: In einer Stadtregierung mit starker SPÖ sollen Gesundheit und Pflege an erster Stelle stehen. Verkehrspolitik soll es weiter geben, aber nicht als alleiniges Leitthema.
Für Pendlerinnen und Pendler schlägt sie vor, den Verkehr stärker an Knotenpunkten abzufangen und dort gute Öffi-Verbindungen in die Stadt anzubieten. Außerdem fordert sie ein Parkleitsystem für Graz.
Innenstadt: Erreichbarkeit und Wirtschaft
Beim Thema Innenstadt verbindet Kampus Verkehrspolitik mit Wirtschaft. Sie sieht die Erreichbarkeit der Innenstadt als entscheidend für Geschäfte und Betriebe. Ein funktionierendes Parkleitsystem gehört für sie deshalb zu einer modernen Stadt.
Sie spricht auch darüber, dass Graz von anderen Städten lernen könne. Statt eine einzelne Maßnahme als Allheilmittel zu verkaufen, will sie prüfen, welche Kombination für Graz passt: gute Öffi-Anbindung, Parkplätze, Parkleitsystem und eine Stärkung der Innenstadtwirtschaft.
Diese Linie ist für die SPÖ in Graz bemerkenswert. Kampus versucht, soziale Politik und Wirtschaft nicht gegeneinander auszuspielen. Ihr Argument: Eine lebendige Innenstadt braucht Geschäfte, Arbeitsplätze, Erreichbarkeit und Aufenthaltsqualität. Wer die Wirtschaft stärkt, stärkt damit auch die Stadt.
SPÖ zwischen Tradition und Neuanfang
Im Interview knüpft Kampus mehrfach an die Geschichte der Grazer Sozialdemokratie an. Besonders Alfred Stingl nennt sie als prägenden Bürgermeister. Dabei geht es ihr um Menschenrechte, Kultur, Mobilität und das Selbstverständnis einer Stadt, die größer denkt.
Gleichzeitig sagt sie klar, dass die SPÖ mit der Zeit gehen müsse. Die Partei könne nicht einfach alte Antworten wiederholen. Arbeitsmarkt, junge Generation, Mobilität und soziale Sicherheit hätten sich verändert. Darauf brauche es neue Antworten.
Auch hier liegt eine zentrale Botschaft: Kampus will die SPÖ nicht nur nostalgisch an frühere Stärke anschließen lassen. Sie will an sozialdemokratische Grundwerte anknüpfen und sie auf heutige Probleme übertragen.
Ein langer Weg zurück
Auf die Frage nach dem Anspruch, wieder Nummer eins in Graz zu werden, antwortet Kampus realistisch. Die SPÖ wolle gewinnen, aber der Weg zurück zur alten Stärke brauche Zeit. Sie beschreibt den Wiederaufbau als längeres Projekt.
Damit vermeidet sie eine einfache Kampfansage. Sie verspricht keinen schnellen Sprung von einem niedrigen Ergebnis zurück an die Spitze. Stattdessen setzt sie auf Durchhaltevermögen, Teamaufbau und schrittweises Wachstum.
Für die Wahl 2026 ist das eine wichtige Einordnung. Kampus will zwar den Führungsanspruch der SPÖ nicht aufgeben, stellt aber Gesundheit, Pflege und Regierungsverantwortung stärker in den Vordergrund als die reine Machtfrage.
Was vom Interview bleibt
Das Interview zeigt Doris Kampus als Kandidatin, die das soziale Profil der SPÖ schärfen will. Ihr stärkstes Thema ist Gesundheit. Dort verbindet sie persönliche Erfahrung, politische Kompetenz und einen klaren Anspruch an die Stadt.
Ihre zentrale Abgrenzung zur KPÖ lautet: Die SPÖ will nicht nur im Einzelfall helfen, sondern Systeme schaffen, auf die Menschen einen Anspruch haben. Das ist der politische Kern des Interviews.
Bürgernah wirkt Kampus dort, wo sie über konkrete Alltagssituationen spricht: Arzttermine, Pflege zu Hause, Schulwege, Mobilität, Innenstadt und Erreichbarkeit. Politisch wird das Interview dort spannend, wo sie sagt, dass die SPÖ in der nächsten Stadtregierung nicht nur mitreden, sondern Verantwortung übernehmen will.
Für die Graz-Wahl 2026 lautet die entscheidende Frage: Kann Doris Kampus die SPÖ wieder als soziale Kraft mit eigenem Profil sichtbar machen, obwohl die KPÖ dieses Feld in Graz stark besetzt? Ihr Angebot ist klar: Gesundheit und Pflege sollen in Graz nicht Nebenthemen bleiben, sondern zur politischen Priorität werden.
Hinweis zur Interviewreihe
Für die Grazer Gemeinderatswahl 2026 führten Inside Graz und Inside Politics – Austria eine gemeinsame Interviewreihe mit den Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten. Trotz der Namensähnlichkeit arbeiten Inside Graz und Inside Politics unabhängig voneinander. Für dieses Format kooperieren beide Redaktionen.
Im Hochformat-Video seht Ihr unseren Frageblock aus dem Interview. Das vollständige Gespräch hat unser Kooperationspartner Inside Politics – Austria hier veröffentlicht:

























































