Start Graz Chronik Vor der Wahl: Wer will was beim Verkehr in Graz?

Vor der Wahl: Wer will was beim Verkehr in Graz?

Graz Radweg Straße Peter-Tunner-Gasse
Der neue breite Radweg in der Peter-Tunner-Gasse zeigt, worum es in der Grazer Verkehrsdebatte geht: sichere Wege und die Aufteilung des Platzes auf der Straße.

Verkehr zählt zu den Themen, die in Graz besonders viele Menschen im Alltag spüren. Wer mit dem Auto fährt, ärgert sich über Stau, Baustellen oder fehlende Parkplätze. Wer mit Bus und Bim unterwegs ist, wünscht sich dichtere Takte, günstigere Tickets und bessere Verbindungen in der Nacht. Wer zu Fuß oder mit dem Rad fährt, achtet auf sichere Wege, gute Querungen und genug Platz.

Deshalb geht es bei der Graz-Wahl auch um eine einfache Frage: Soll die Stadt den eingeschlagenen Kurs fortsetzen und mehr Raum für Öffis, Rad, Fußwege und Begrünung schaffen? Oder braucht Graz eine Korrektur zugunsten des Autos, der Parkplätze und der Erreichbarkeit der Innenstadt?

Besonders im Fokus stehen die Grünen. Sie hatten mit Judith Schwentner in den vergangenen Jahren das Verkehrsressort inne. Neue Radwege, Verkehrsberuhigung und Öffi-Ausbau gehören zu ihrem politischen Profil. Gleichzeitig verbinden viele Grazerinnen und Grazer mit diesem Ressort auch lange Baustellen, Stau und gestrichene Parkplätze. Damit kann der Verkehr für die Grünen zugleich Stärke und Risiko sein.

Wie viel Platz bekommt das Auto?

Auto Straßenbahngleise

Graz wächst, aber Straßen, Plätze und Gehsteige wachsen nicht mit. Viele Grazer Straßen sind schmal und wurden nicht für den heutigen Verkehr geplant. Wenn die Stadt sie umbaut oder neu bewertet, muss sie auch rechtliche Vorgaben und Sicherheitsfragen berücksichtigen. Bleibt neben parkenden Autos nicht genug Platz für den fließenden Verkehr, können Stellplätze wegfallen. Dazu kommt: Jede neue Bim-Trasse, jeder Radweg, jede breitere Gehfläche und jede Begrünung verändert den Straßenraum. Oft verliert dabei das Auto Fläche.

Die Grünen vertreten am klarsten die Linie, dass Graz den Platz neu aufteilen muss. Judith Schwentner argumentiert, dass die Stadt sichere Wege, mehr Platz für Rad und Fußverkehr und bessere Öffis braucht. Für sie geht es nicht nur um Klimaschutz, sondern auch um Sicherheit, Schulwege und Lebensqualität.

Die KPÖ trägt diesen Kurs grundsätzlich mit, setzt aber stärker auf die Interessen der Bewohnerinnen und Bewohner. Elke Kahr betont, dass man je nach Stadtteil unterscheiden müsse. In dicht bebauten Vierteln und in der Innenstadt sieht sie Vorrang für Menschen, die dort wohnen.

Die SPÖ sucht eine mittlere Position. Doris Kampus spricht sich für weniger Autoverkehr und mehr verkehrsberuhigte Zonen in der Innenstadt aus. Gleichzeitig will sie das Auto in den Bezirken nicht pauschal zurückdrängen.

ÖVP, FPÖ und KFG kritisieren die Umverteilung des Straßenraums deutlich. Sie sehen Autofahrer, Pendler, Familien, Betriebe und die Innenstadt zu stark belastet. Die NEOS setzen weniger auf den Kulturkampf Auto gegen Rad und eher auf bessere Planung, moderne Abrechnung und gezieltere Angebote.

Kostet der Verkehr den Grünen Stimmen?

Für die Grünen ist der Verkehr die heikelste Frage dieser Wahl. Einerseits können sie auf sichtbare Projekte verweisen. Sie haben Radwege ausgebaut, Schulwege thematisiert, Öffi-Projekte vorangetrieben und den öffentlichen Raum stärker in Richtung Klimaschutz und Aufenthaltsqualität verändert.

Andererseits trifft genau diese Sichtbarkeit die Grünen im Wahlkampf. Baustellen, Staus und weggefallene Parkplätze sind keine abstrakten Themen. Viele Menschen erleben sie täglich. Wer im Auto länger braucht, keinen Parkplatz findet oder durch mehrere Baustellen ausweichen muss, verbindet diesen Ärger schnell mit dem Verkehrsressort.

Deshalb kann die Verkehrspolitik den Grünen Stimmen kosten. Das gilt besonders bei Wählerinnen und Wählern, die den Klimakurs grundsätzlich unterstützen, aber die Umsetzung als mühsam oder zu schnell empfinden. Für sie stellt sich nicht die Frage, ob Graz mehr Öffis, Radwege oder sichere Schulwege braucht. Sie fragen eher, ob die Stadt dabei genug Rücksicht auf Alltag, Pendlerverkehr und Erreichbarkeit nimmt.

Gleichzeitig bedeutet die Kritik nicht automatisch einen Absturz. Für viele grüne Kernwählerinnen und Kernwähler ist der Umbau des Verkehrsraums gerade der Grund, die Grünen zu wählen. Was Gegner als Belastung empfinden, sehen Unterstützer als notwendige Veränderung.

Damit entscheidet sich für die Grünen viel an der Wahrnehmung: Gilt ihre Verkehrspolitik als notwendiger Umbau einer wachsenden Stadt? Oder als Politik, die den Alltag vieler Menschen unnötig erschwert?

Auto und Parkplätze: Korrektur oder weiter umbauen?

Beim Auto verläuft die Konfliktlinie besonders klar. Die ÖVP macht Verkehr und Parkplätze zu einem zentralen Angriffspunkt gegen die Stadtregierung. Kurt Hohensinner fordert ein Gesamtverkehrskonzept, das alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigt. Die ÖVP will den Umstieg auf Öffis, Rad oder Fußwege nicht durch Druck erzwingen, sondern durch bessere Angebote attraktiver machen.

Pendler stauen sich in Graz
Pendler stauen sich an den Einfallsstraßen in Graz.

Die FPÖ fordert ebenfalls eine Korrektur. René Apfelknap setzt auf den Erhalt von Parkplätzen, ein Parkleitsystem für die Innenstadt und bessere Park-and-Ride-Anlagen. Aus Sicht der FPÖ darf Graz Parkplätze nicht streichen, bevor die Alternativen wirklich funktionieren.

Die KFG sieht in der bisherigen Verkehrspolitik einen Kurs gegen Autofahrer.

Die Grünen halten dagegen: Wer den Verkehr in einer wachsenden Stadt sicherer, klimafreundlicher und platzsparender organisieren will, kann den öffentlichen Raum nicht unverändert lassen. Die KPÖ unterstützt das Anrainerparken und will Besucher stärker in Tiefgaragen oder an den Stadtrand lenken. Die SPÖ will das Auto nicht grundsätzlich verdrängen, aber vor allem in der Innenstadt weniger Autoverkehr.

Innenstadt: Erreichbar bleiben oder stärker beruhigen?

Die Innenstadt steht im Zentrum der Verkehrspolitik. Für Handel, Gastronomie und Besucher geht es um Erreichbarkeit. Für Bewohnerinnen und Bewohner geht es um Lärm, Parkdruck, Sicherheit und Lebensqualität.

Die Stadtregierung setzt stärker auf Verkehrsberuhigung, Anrainerparken und bessere Bedingungen für Menschen, die in der Innenstadt wohnen. Die KPÖ argumentiert, dass Bewohnerinnen und Bewohner Vorrang brauchen. Auch die SPÖ kann sich in der Innenstadt weniger Autoverkehr und mehr verkehrsberuhigte Bereiche vorstellen.

Die Grünen sehen die Innenstadt als Raum, der mehr Aufenthaltsqualität, sichere Wege und weniger Dominanz des Autos braucht. Dazu passen breitere Gehwege, Radinfrastruktur, Bim-Ausbau und Begrünung.

ÖVP und FPÖ warnen dagegen davor, die Innenstadt für Autofahrer zu unattraktiv zu machen. Sie wollen bessere Erreichbarkeit, Parkleitsysteme und klare Lösungen für Besucher. Besonders für Handel und Gastronomie bleibt die Frage wichtig, wie Menschen aus anderen Stadtteilen und dem Umland bequem in die Innenstadt kommen.

Park-and-Ride: Viele wollen es, aber es muss funktionieren

Bei Park-and-Ride gibt es vergleichsweise viel Zustimmung. Fast alle Parteien sehen darin einen wichtigen Baustein, um Pendlerverkehr abzufangen. Die Idee ist einfach: Wer von außerhalb kommt, soll am Stadtrand bequem parken und mit Öffis weiterfahren.

Unterschiede gibt es vor allem bei der Priorität. ÖVP, FPÖ und SPÖ sehen Park-and-Ride als besonders wichtigen Hebel. Sie sehen darin eine Voraussetzung, bevor man den Autoverkehr in der Stadt stärker einschränkt. Auch für Menschen aus den Bezirken und dem Umland soll der Umstieg einfacher werden.

Grüne und KPÖ unterstützen bessere Umstiegsmöglichkeiten grundsätzlich, sehen Park-and-Ride aber nicht als alleinige Lösung. Entscheidend bleibt aus ihrer Sicht, dass Bus und Bim danach verlässlich, häufig und attraktiv fahren.

Genau hier liegt der Knackpunkt: Park-and-Ride funktioniert nur, wenn die letzte Strecke in die Stadt schnell, bequem und leistbar ist. Gleichzeitig werden Bus und Bim ab 1. Juli teurer. Die Stundenkarte steigt auf 3,30 Euro, das Klimaticket Steiermark auf 532 Euro. Für die Verkehrspolitik bedeutet das: Wer Menschen zum Umstieg bewegen will, muss nicht nur Parkplätze am Stadtrand schaffen, sondern auch für gute Verbindungen und leistbare Tickets sorgen..

Öffis und Tickets: Alle wollen bessere Angebote

Fahrgäste in der Flexity Straßenbahn in Graz

Beim öffentlichen Verkehr sagen alle Parteien, dass Graz bessere Angebote braucht. Doch die Vorschläge unterscheiden sich.

Die Grünen setzen auf Ausbau von Bus, Bim und Schieneninfrastruktur. Für Judith Schwentner gehört der Öffi-Ausbau zur Mobilität der Zukunft. Die KPÖ verweist zusätzlich auf leistbare Angebote für Menschen mit wenig Einkommen und unterstützt Investitionen in öffentliche Infrastruktur.

Wir können nur an den Verbund appellieren, die Tickets günstiger zu machen – Schwentner im ZIB Talk

Die ÖVP fordert attraktivere Öffis als Voraussetzung für einen echten Umstieg. Kurt Hohensinner sieht viele Menschen grundsätzlich bereit, andere Verkehrsmittel zu nutzen, verlangt aber bessere Angebote statt Einschränkungen für das Auto wie:

Die Schülerinnen und Schüler wünschen sich wieder ein Graz-weites Ticket.

Die NEOS bringen moderne Tarifmodelle ins Spiel. Philipp Pointner spricht sich für genauere und treffsichere Lösungen aus, etwa bei Tickets für Studierende oder bei der Abrechnung nach tatsächlich genutzten Strecken.

Die FPÖ kritisiert ausgedünnte Linien oder längere Takte und fordert, dass der öffentliche Verkehr attraktiver werden muss, bevor die Stadt Parkplätze streicht oder Autofahrer stärker belastet.

Nightline: Breite Zustimmung, offene Finanzierung

Ein eigenes Thema ist die Nightline. Gerade junge Menschen wollen nach dem Fortgehen sicher und günstig nach Hause kommen. Grundsätzlich gibt es dafür breite Zustimmung.

Die Grünen verweisen darauf, dass die Betriebszeiten bereits verlängert wurden und weitere Schritte Geld kosten. Für sie ist ein Ausbau denkbar, aber von der Finanzierbarkeit abhängig. Auch andere Parteien sprechen sich für bessere Nachtverbindungen aus.

Damit bleibt die Nightline ein typisches Wahlkampfthema: Fast alle finden sie sinnvoll. Die entscheidende Frage lautet aber, wie weit oben sie im Budget steht und ob die Stadt dafür andere Ausgaben zurückstellt.

Rad- und Fußwege: Sicherheit oder Verdrängung?

Rad- und Fußwege gehören zu den sichtbarsten Veränderungen im Grazer Verkehr. Für Befürworter bedeuten sie mehr Sicherheit, Klimaschutz und Lebensqualität. Für Kritiker stehen sie oft für Baustellen, weniger Parkplätze und weniger Platz für Autos.

Die Grünen wollen den Ausbau fortsetzen. Sie argumentieren mit sicheren Schulwegen, guten Radverbindungen, breiteren Gehflächen und einer faireren Aufteilung des Raums. Die KPÖ unterstützt diesen Kurs grundsätzlich, betont aber stärker die konkrete Situation in den Vierteln.

Die SPÖ legt Wert auf getrennte Rad- und Fußwege. Doris Kampus sieht darin einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit, besonders an neuralgischen Punkten.

ÖVP, FPÖ und KFG kritisieren nicht jeden Radweg grundsätzlich, stellen aber die Prioritäten infrage. Aus ihrer Sicht darf der Ausbau nicht dazu führen, dass Stau, Parkplatzdruck und Probleme für Betriebe weiter zunehmen.

Schulwege und Verkehrssicherheit: Ein Thema mit breiter Zustimmung

Sichere Schulwege sind ein Bereich, bei dem die Unterschiede weniger hart ausfallen. Kaum eine Partei wird offen gegen mehr Sicherheit für Kinder auftreten. Der Streit liegt eher darin, welche Maßnahmen dafür nötig sind.

Die Grünen setzen auf breitere Gehwege, sichere Querungen, Radwege und weniger gefährliche Verkehrssituationen vor Schulen. Die KPÖ unterstützt Maßnahmen, die das Leben in den Wohnvierteln sicherer machen. Die SPÖ betont ebenfalls die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern.

ÖVP und FPÖ wollen Sicherheit nicht gegen das Auto ausspielen. Sie fordern bessere Planung, weniger Chaos durch Baustellen und Verkehrslösungen, die Familien und Pendler nicht zusätzlich belasten.

Baustellen und Umsetzung: Der unterschätzte Ärger

Viele Grazerinnen und Grazer ärgern sich nicht nur über politische Ziele, sondern über die Umsetzung. Baustellen, Umleitungen, Stau und schlecht abgestimmte Maßnahmen können auch gut gemeinte Projekte unbeliebt machen.

Genau hier liegt das größte Risiko für die Grünen. Wenn Menschen den Stadtkurs beim Verkehr ablehnen, dann oft nicht nur wegen des Ziels, sondern wegen der täglichen Nebenwirkungen. Eine Baustelle wird nicht als Teil einer langfristigen Mobilitätsstrategie erlebt, sondern als Störung im Alltag.

Die Opposition nutzt diesen Punkt deutlich im Wahlkampf. Die ÖVP spricht von fehlender Gesamtplanung. Die FPÖ fordert mehr Ordnung, bessere Abstimmung und ein Parkleitsystem.

Die Stadtregierung verweist darauf, dass Ausbau und Sanierung ohne Baustellen nicht möglich sind. Wer neue Bim-Strecken, bessere Wege und modernere Infrastruktur will, muss zeitweise Einschränkungen akzeptieren. Politisch bleibt aber die Frage, ob die Stadt diese Eingriffe gut genug erklärt, koordiniert und begrenzt.

Verkehr ist die Richtungsfrage der Grazer Gemeinderatswahl

Beim Verkehr geht es in Graz nicht nur um einzelne Straßen. Es geht um die Frage, wie die Stadt in Zukunft funktionieren soll.

Die Grünen wollen den Umbau des öffentlichen Raums fortsetzen. Für sie geht es um Klimaschutz, Sicherheit, Öffis, Radwege und lebenswertere Viertel. Gleichzeitig tragen sie die Hauptverantwortung für ein Ressort, das viele Grazerinnen und Grazer mit Baustellen, Stau und gestrichenen Parkplätzen verbinden. Das kann Stimmen kosten.

Die KPÖ trägt den Kurs mit, achtet aber stärker auf Anrainerinteressen und soziale Alltagstauglichkeit. Die SPÖ sucht einen Mittelweg zwischen weniger Autos in der Innenstadt und weiterem Platz für das Auto in den Bezirken. Die ÖVP fordert ein Gesamtverkehrskonzept und eine Korrektur der bisherigen Politik. Die FPÖ setzt auf Parkplätze, Parkleitsystem, Park-and-Ride und attraktivere Öffis. Die NEOS wollen moderne, treffsichere und effizientere Lösungen. Die KFG steht für die schärfste Kritik am Verkehrskurs der Stadtregierung.

Damit stehen die Grazerinnen und Grazer morgen vor einer Entscheidung: Soll Graz den Umbau zu mehr Öffis, Rad- und Fußverkehr weiterführen? Oder braucht die Stadt eine Korrektur, damit Auto, Parkplätze und Erreichbarkeit wieder stärker im Mittelpunkt stehen?

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte schreibe hier deinen Kommentar
Dein Name