Der Schulbus in Puntigam steht erneut auf der Kippe. Die Zeitung DerGrazer berichtete zuletzt von einem möglichen Ende des Angebots, obwohl der Bus gut angenommen wird. Wir haben deshalb bei Bürgermeisterin Elke Kahr und der Holding Graz nachgefragt.
Ein Schulbus, der ein echtes Problem löst
Seit Jänner 2025 fährt der Schulbus als Pilotprojekt für Kinder der Volksschule Puntigam. Er bedient Bereiche, die der öffentliche Verkehr nur unzureichend erschließt. Laut den vorliegenden Informationen nutzen beziehungsweise benötigen 53 Volksschulkinder dieses Angebot.
Der Bedarf steigt weiter. Die Volksschule Puntigam erreicht laut den Informationen aus dem Umfeld der Schule heuer oder im nächsten Schuljahr die volle Klassenbelegung. Damit kommen noch mehr Kinder hinzu, die möglichst nicht mit dem Elterntaxi zur Schule gebracht werden sollen.
Genau hier liegt der Kern des Problems: Ohne Schulbus bleibt vielen Familien kaum eine gute Alternative. Der Weg zu geeigneten Öffi-Haltestellen ist in Teilen des Einzugsgebiets schwierig. Außerdem stellt die Rudersdorfer Straße für Fußgänger seit Jahren eine besondere Gefahr dar. Gehsteige fehlen in Abschnitten seit langer Zeit, während Pendlerverkehr und Tempoüberschreitungen die enge Straße zusätzlich belasten. Auch Kinder am Fahrrad sind dort gefährdet. Dazu kommt regelmäßiger Lkw-Verkehr ab der Kreuzung Auer-Welsbach-Gasse bis zur Puntigamer Straße.
Unsere Frage an die Bürgermeisterin Kahr
Wir wollten daher von Bürgermeisterin Elke Kahr wissen, ob der Weiterbetrieb des Schulbusses für das Schuljahr 2026/2027 finanziell gesichert ist. Außerdem fragten wir, wie die Stadt Graz ihrer Verantwortung für eine sichere Anfahrt der betroffenen Kinder nachkommen will.
Zusätzlich wollten wir wissen, welcher bisherige finanzielle Unterstützer laut Puntigam Bezirksvorsteher Helmuth Scheuch ausgefallen ist und warum.
Helmuth Scheuch: „Jetzt ist die Stadtregierung gefordert!“
Bezirksvorsteher Helmuth Scheuch sieht den Bezirk nicht als säumig. Er verweist darauf, dass der Bezirksrat Puntigam bereits Mittel für das kommende Schuljahr gesichert habe.
Wörtlich erklärt Scheuch: „Auch die Initiative des Bezirksrates Puntigam zur Sicherung des Schulbusses für 53 Volksschulkinder aus dem schlecht erschlossenen Gebiet von Rudersdorf bedarf der zusätzliche finanzielle Unterstützung durch das Bürgermeisteramt. Wir haben unsere Aufgaben gemacht und bereits € 9000.- für den Bus in der Sitzung vom 08. April für das Schuljahr 2026/2027 gesichert. Jetzt ist die Stadtregierung gefordert!“
Damit liegt zumindest ein Teil der Finanzierung am Tisch. Offen bleibt aber, wer die fehlenden Mittel aufbringt.
Büro der Bürgermeisterin verweist auf Ressort Hohensinner
Das Büro von Bürgermeisterin Elke Kahr verweist zunächst auf die Zuständigkeit innerhalb der Stadt Graz. In der Antwort heißt es: „an sich ist laut Geschäftseinteilung der Stadt Graz ist das ABI Ressort StR Hohensinner für den Schülergelegenheitsverkehr zuständig.“
Gemeint ist das Bildungsressort von Stadtrat Kurt Hohensinner. Laut Bürgermeisterinnenbüro läuft die Beauftragung über das Finanzamt. Dieses stelle Mittel nach dem Familienlastenausgleichsgesetz bereit. Allerdings decken diese Mittel nach Darstellung der Stadt nur einen Teil der tatsächlichen Kosten: „Allerdings decken diese, zumal sie standardisiert nach einem km/Personen-Schlüssel errechnet werden, nur zu rund einem Drittel die tatsächlichen Kosten ab.“
Gleichzeitig betont das Büro der Bürgermeisterin, dass Kahr das Projekt 2025 mitermöglicht habe. Auf Ersuchen des Bezirks und der Volksschule Puntigam sei die Bürgermeisterin initiativ geworden. Der Pilot sei zuerst für ein halbes Jahr und anschließend für ein weiteres Jahr möglich geworden, „indem die restliche Finanzierung über mehrere städtische Abteilungen/Ressorts, die Holding Graz Linien HGL und den Bezirk organisiert werden konnte.“
Für 2026/2027 gibt es aber noch keine fixe Zusage. Das Büro der Bürgermeisterin schreibt dazu: „Für das kommende Schuljahr 2026/27 ist gerade in Abklärung, ob und wie eine Weiterführung erreicht werden kann.“
Zugleich bestätigt das Büro, dass ein bisheriger Unterstützer ausfällt: „Seitens der Holding Graz Linien wurde angekündigt, keine Förderung mehr gewähren zu können – wodurch sich eine Lücke auftut.“
Am Ende der Antwort steht der Satz: „Wir bemühen uns um eine Lösung.“
Warum zahlt die Holding Graz nicht mehr dazu?
Damit ist klar: Die offene Finanzierung hängt wesentlich mit dem Ausstieg der Holding Graz beziehungsweise der Holding Graz Linien zusammen. Besonders brisant ist das, weil der Schulbus gerade eine Lücke schließt, die der reguläre öffentliche Verkehr in diesem Bereich nicht abdeckt.
Holding Graz Pressesprecher Gerald Zaczek-Pichler bestätigt auf unsere Anfrage, dass sie sich im Rahmen eines Pilotprojekts beteiligt hat: „Aus Sicht der Holding Graz haben wir uns im Sinne eines Pilotprojektes finanziell am Einrichten und Betrieb eines Schülergelegenheitsverkehrs in Puntigam beteiligt.“
Gleichzeitig erkennt die Holding den Bedarf ausdrücklich an. Er schreibt: „Wir verstehen die Bemühungen der Schule und die Sorgen der Eltern, dass die Kinder sicher mit einem Bus zur Schule und wieder zurück kommen.“ Auch die Wirkung gegen Elterntaxis sieht die Holding: „Dies entschärft auch die durch die zahlreichen ‚Elterntaxis‘ schwer zu bewältigende Verkehrssituation vor und im Umfeld der Schule.“
Trotzdem will die Holding die Finanzierung nicht dauerhaft fortsetzen. Wörtlich heißt es: „Die Holding Graz hat gerne einen Beitrag zum Start dieses Schülergelegenheitsverkehrs geleistet, sieht jedoch keine Möglichkeit, diese Einrichtung dauerhaft mit noch dazu steigenden Beiträgen finanziell zu unterstützen.“
Als Begründung nennt die Holding einerseits fehlende Förderrichtlinien. Sie verweist darauf, dass Förderungen transparent und nach klaren Kriterien vergeben werden müssten. In der Antwort heißt es dazu, dass „die Holding Graz über keine Förderrichtlinie verfügt“.
Andererseits sieht die Holding ihren Auftrag im regulären Linienverkehr. Sie erklärt: „Die Holding Graz leistet gemäß den Satzungen des Unternehmens ihren Beitrag zum öffentlichen Verkehr durch den Betrieb von Straßenbahnen und Autobussen im regulären Linienverkehr, nicht jedoch im Zuge von Gelegenheitsverkehren.“
Eine reguläre Öffi-Lösung für das betroffene Gebiet stellt die Holding allerdings ebenfalls nicht in Aussicht. Denn das Gebiet könne laut Holding nicht einfach in das Liniennetz integriert werden: „Das vom Schülergelegenheitsverkehr in Puntigam bediente Gebiet entzieht sich mangels Straßeneignung dem Linienverkehr und kann daher nicht in das Linienangebot integriert werden.“
Genau daraus entsteht der politische Konflikt. Die Holding sagt sinngemäß: Für den Linienverkehr eignet sich das Gebiet nicht, eine dauerhafte Förderung des Schulbusses kann sie aber auch nicht leisten. Für die betroffenen Familien bleibt damit eine Lücke – obwohl der Bedarf weiter besteht und die Sicherheitsfrage nicht gelöst ist.
Sichere Schulwege statt Zuständigkeitsdebatte
Der Fall Puntigam zeigt ein strukturelles Problem. Wenn ein Gebiet für den Linienverkehr schwer erschließbar ist und gleichzeitig der Schulweg über Straßen ohne ausreichende Gehsteige führt, braucht es eine praktikable Ersatzlösung. Der Schulbus erfüllt genau diese Funktion.
Deshalb greift eine reine Zuständigkeitsdebatte zu kurz. Ja, laut Geschäftseinteilung liegt der Schülergelegenheitsverkehr beim Ressort von Kurt Hohensinner. Ja, die Holding Graz verweist auf rechtliche und satzungsmäßige Grenzen. Und ja, der Bezirk hat mit 9.000 Euro bereits einen Beitrag beschlossen.
Aber am Ende betrifft die Frage die gesamte Stadtregierung. Denn ohne gesicherte Finanzierung müssen Eltern wieder stärker auf das Auto ausweichen. Genau das verschärft die Verkehrssituation vor der Volksschule Puntigam – also jenes Problem, das der Schulbus entschärfen soll.
Lässt Elke Kahr den Schulbus fallen?
Noch ist der Schulbus nicht endgültig gestrichen. Das Büro der Bürgermeisterin schreibt, dass die Weiterführung für 2026/2027 derzeit geprüft werde. Gleichzeitig zeigt die Antwort aber auch: Fix gesichert ist der Schulbus derzeit nicht.
Damit steht Bürgermeisterin Elke Kahr politisch mit in der Verantwortung. Sie hat das Pilotprojekt 2025 mitermöglicht, und ihr Büro bestätigt nun selbst, dass durch den Ausstieg der Holding Graz Linien eine Finanzierungslücke entsteht. Wenn die Stadt den Schulbus erhalten will, muss sie diese Lücke schließen – gemeinsam mit den zuständigen Ressorts und dem Bezirk.
Für die betroffenen Kinder und Familien braucht es rasch Klarheit. Ein gut genutzter Schulbus darf nicht daran scheitern, dass sich Zuständigkeiten und Finanzierungsanteile gegenseitig blockieren.
Aus unserer Sicht braucht Puntigam jetzt keine weitere Hängepartie, sondern eine klare Zusage der Stadt. Wenn Graz sichere Schulwege, weniger Elterntaxis und bessere Bedingungen vor Schulen ernst nimmt, muss der Schulbus bleiben.



























































