Was bedeutet Sicherheit im Grazer Alltag? Für Rene Apfelknab beginnt sie dort, wo Menschen sich in ihrem Bezirk, auf dem Heimweg, im Stadtpark, in der Schule oder im Verkehr nicht mehr ausreichend sicher fühlen. Der FPÖ-Spitzenkandidat stellt im Interview mit Inside Graz und Inside Politics – Austria Sicherheit, Migration, Verkehr und leistbares Leben in den Mittelpunkt.
Gleichzeitig muss Apfelknab eine zweite Frage beantworten: Wie glaubwürdig kann die Grazer FPÖ nach Finanzskandal, Spaltung und parteiinternen Konflikten neu auftreten? Seine Antwort lautet: mit einem neuen Team, geordneten Finanzen und einem klaren Schwerpunkt auf Sicherheit, Gebühren, Park-and-Ride und Deutschförderung.
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Das Interview auf einen Blick
Person: Rene Apfelknab
Partei: FPÖ
Funktion: Spitzenkandidat der FPÖ Graz
Beruf: Buchhaltungsprüfer
Themen: Sicherheit, Migration, Verkehr, Gebühren, Bildung, Wirtschaft, FPÖ-Finanzskandal
Politischer Konflikt: Neustart der Grazer FPÖ nach Finanzskandal und Spaltung
Zentrales Angebot: Sicherheit, leistbares Leben und Verkehrspolitik mit Fokus auf Park-and-Ride
Ein Finanzmann als FPÖ-Spitzenkandidat
Apfelknab stellt sich im Interview zuerst über seine berufliche Erfahrung vor. Er ist 56 Jahre alt, Familienvater, Buchhaltungsprüfer und stellvertretender Abteilungsleiter bei der Buchhaltungsagentur des Bundes. Politisch ist er in Straßgang aktiv und seit 2022 Finanzreferent der FPÖ Graz.
Diese Biografie ist für sein politisches Angebot wichtig. Denn die Grazer FPÖ tritt nach einem Finanzskandal und internen Brüchen an. Apfelknab will genau dort Glaubwürdigkeit herstellen, wo seine Partei zuletzt besonders angreifbar war: bei den Finanzen.
Auf die Frage, was seine FPÖ von jener unterscheide, die durch Finanzkrise und Spaltung beschädigt wurde, antwortet er knapp: Seine FPÖ sei ein neues, engagiertes und zukunftsorientiertes Team.
Das ist ein klarer Neustart-Satz. Gleichzeitig bleibt die Frage offen, ob ein neues Team allein reicht, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.
Der FPÖ-Finanzskandal bleibt im Hintergrund
Im Interview wird der Finanzskandal der Grazer FPÖ ausführlich angesprochen. Apfelknab betont, dass das jetzige Team damit nichts zu tun habe. Die Partei sei aus seiner Sicht selbst geschädigt.
Er verweist darauf, dass er die Finanzen übernommen und umgestellt habe. Laut Apfelknab werden Belege gebucht, der Zahlungsverkehr läuft geordnet und es gibt Überprüfungen durch Wirtschaftstreuhänder. Seine berufliche Erfahrung im Rechnungswesen soll hier Vertrauen schaffen.
Politisch bleibt dieser Punkt zentral. Die FPÖ will mit Sicherheit, Migration und Verkehr punkten. Doch in Graz muss sie zugleich erklären, warum ihr die Wählerinnen und Wähler nach dem Skandal wieder Verantwortung zutrauen sollen.
Sicherheit als Hauptthema
Das stärkste inhaltliche Thema von Apfelknab ist Sicherheit. Er verweist im Interview auf eine parlamentarische Anfrage, aus der aus seiner Sicht hervorgehe, dass die Kriminalität in Graz gestiegen sei. Besonders nennt er Diebstahlsdelikte und Körperverletzungen. Vorrangig sieht er Handlungsbedarf in den Bezirken Lend, Gries und Jakomini.
Auf die Nachfrage nach konkreten Straßen oder Plätzen bleibt Apfelknab vorsichtig. Man müsse das gemeinsam mit Polizei und Ordnungswache evaluieren. Persönlich nennt er den Stadtpark als Ort, an dem er sich nachts nicht sicher fühle.
Damit zeigt sich seine Linie: Sicherheit soll nicht nur ein abstraktes Wahlkampfthema sein, sondern an konkreten Orten überprüft werden. Gleichzeitig bleibt offen, welche Maßnahmen an welchen Plätzen tatsächlich zuerst kommen würden.
Sicherheitsstadtrat, Schutzzonen und Videoüberwachung
Später im Interview wird Apfelknab konkreter. Er fordert einen Sicherheitsstadtrat, der sicherheitsrelevante Themen bündeln soll. Außerdem spricht er über die Ausweitung von Schutzzonen, bessere Beleuchtung von Angsträumen und Videoüberwachung an gefährlichen Plätzen.
Bei der Videoüberwachung verweist er auf Systeme, bei denen Gesichter zunächst verpixelt würden und nur bei Straftaten relevante Sequenzen geöffnet werden könnten. Damit versucht er, den Datenschutz-Einwand zu entschärfen.
Für viele Grazerinnen und Grazer liegt genau hier die politische Streitfrage: Wie viel Überwachung ist für mehr Sicherheit gerechtfertigt? Apfelknab setzt klar auf mehr Kontrolle im öffentlichen Raum. Kritikerinnen und Kritiker werden fragen, ob dadurch Probleme gelöst oder nur verlagert werden.
Migration: Probleme benennen, aber keine Hetze?
Eine der zentralen Fragen im Interview lautet, was Apfelknab Menschen sagt, die bei Migration Probleme sehen, aber keine Hetze wollen. Seine Antwort: Graz sei seit 2021 um rund 12.000 bis 13.000 Personen gewachsen. Diese Entwicklung habe Auswirkungen auf Bildung und Sicherheit.
Apfelknab argumentiert, man müsse sich genauer anschauen, wer Sozialhilfe beziehe und welche Folgen Zuwanderung für städtische Systeme habe. Er betont, das sei keine Hetze, sondern beziehe sich auf Tatsachen.
Damit formuliert er den klassischen FPÖ-Zugang: Migration wird als Belastung für Sicherheit, Schulen und Sozialleistungen beschrieben. Bürgernah wird das dort, wo es um konkrete Alltagsfragen geht: Funktionieren Schulen? Gibt es genug Deutschförderung? Wie sicher fühlen sich Menschen in Parks, Bezirken und öffentlichen Räumen?
Gleichzeitig bleibt diese Linie politisch umstritten. Entscheidend ist, ob Apfelknab seine Aussagen mit konkreten, überprüfbaren Maßnahmen verbindet oder ob Migration vor allem als allgemeiner Problemrahmen dient.
Bildung: Deutsch als Priorität
Beim Thema Schule setzt Apfelknab stark auf Sprachförderung. Deutsch müsse aus seiner Sicht bereits im Kindergartenalter beginnen. In Brennpunktschulen rückte Deutsch oft in den Hintergrund, dadurch entstünden Konflikte und Spannungen.
Besonders deutlich wird er bei der Frage, ob auch die Muttersprache von Migrantinnen und Migranten stärker gefördert werden sollte. Das lehnt Apfelknab ab. Wer nach Österreich komme, hier leben, arbeiten oder Sozialleistungen beziehen wolle, solle Deutsch können.
Damit setzt er einen klaren integrationspolitischen Schwerpunkt. Für ihn ist Sprache die Voraussetzung dafür, dass Kinder in der Schule mitkommen und Konflikte gar nicht erst entstehen.
Aus bürgernaher Sicht betrifft das viele Familien, Lehrkräfte und Schulen direkt. Die offene Frage lautet aber: Welche konkreten städtischen Mittel will die FPÖ dafür einsetzen? Und wie viel davon liegt tatsächlich in der Kompetenz der Stadt?
Verkehr: Park-and-Ride statt Radweg-Streit
Beim Verkehr will Apfelknab zeigen, dass die FPÖ mehr anbietet als Kritik an Radwegen. Seine Antwort ist klar: Park-and-Ride an der Peripherie.
Als Beispiel nennt er Webling. Dort gebe es aus seiner Sicht Probleme, weil Pendlerinnen und Pendler oft keinen Parkplatz finden. Außerdem würden Flächen von Anrainern oder Fernbusreisenden genutzt. Auch Reininghaus und Gösting nennt er als mögliche Standorte.
Zusätzlich spricht sich Apfelknab dagegen aus, in der Innenstadt weitere Parkplätze zu streichen. Die Innenstadt müsse erreichbar bleiben. Für ihn hängt Verkehrspolitik direkt mit Wirtschaftspolitik zusammen: Wer Kundinnen und Kunden in die Stadt bringen will, muss ihnen auch praktikable Wege anbieten.
Straßgang als Beispiel für Pendlerdruck
Apfelknab bringt seine eigene Bezirkserfahrung ein. Als Bezirksvorsteher-Stellvertreter in Straßgang spricht er über die Kärntner Straße und die Straßganger Straße, die aus seiner Sicht stark durch Pendlerverkehr belastet sind.
Er kritisiert, dass Buslinien aus seiner Sicht gekürzt oder Intervalle verschlechtert wurden. Bevor man Menschen ernsthaft zum Umstieg auffordere, müsse jede Öffi-Verbindung von Park-and-Ride-Anlagen in die Innenstadt besser werden.
Das ist einer seiner bürgernächsten Punkte. Viele Menschen am Stadtrand kennen genau diese Frage: Warum soll ich umsteigen, wenn der Umstieg nicht funktioniert? Apfelknab setzt deshalb zuerst auf Infrastruktur und erst dann auf Verhaltensänderung.
Gebühren und Abgaben nicht erhöhen
Auf die Frage, welche Forderung das Leben in Graz tatsächlich billiger machen würde, nennt Apfelknab Gebühren und Abgaben. Diese sollen aus seiner Sicht nicht erhöht werden.
Finanzieren will er das durch Verwaltungsreform, Prüfung von Förderungen und weniger Doppelgleisigkeiten. Außerdem lehnt er zusätzliche Abgaben wie Citymaut oder Nahverkehrsabgabe ab.
Damit positioniert er die FPÖ als Partei gegen zusätzliche Belastungen. Die politische Frage bleibt, wie viel Geld sich durch Verwaltungsreform tatsächlich einsparen lässt und welche Förderungen konkret gekürzt würden.
Wirtschaft: Innenstadt und Betriebe stärken
Beim Thema Wirtschaft verbindet Apfelknab Erreichbarkeit, Parkplätze und Unterstützung für kleine und mittlere Betriebe. Für ihn ist die Wirtschaft essenziell für Graz. Deshalb will er Park-and-Ride ausbauen, keine weiteren Parkplätze in der Innenstadt streichen und Klein- und Mittelbetriebe stärker unterstützen.
Er kritisiert die aktuelle Stadtregierung wegen Kürzungen bei der Wirtschaftsförderung. Aus seiner Sicht müsse die Stadt wieder mehr Anreize schaffen, damit Unternehmen nach Graz kommen oder in Graz bleiben. Dabei nennt er günstigere Energie oder niedrigere Abgaben als mögliche Ansätze.
Sein Befund: Das Umland ziehe neue Betriebe an, während Graz stagniere. Auch hier zeigt sich der Kern seiner Wirtschaftspolitik: Graz soll für Betriebe einfacher, günstiger und besser erreichbar werden.
Energiewerk: Erst Prüfung, dann Entscheidung
Beim Energiewerk Graz legt sich Apfelknab im Interview nicht endgültig fest. Das Projekt klinge gut, sagt er sinngemäß. Entscheidend sei aber die Prüfung durch das Kontrollamt. Dessen Expertise soll die Grundlage für die Entscheidung bilden.
Dieser Punkt passt zu seinem Selbstbild als Finanz- und Kontrollpolitiker. Er will nicht nur politische Schlagworte setzen, sondern Kosten, Nutzen und Kontrolle in den Vordergrund stellen. Gleichzeitig vermeidet er damit eine klare Vorabfestlegung bei einem großen Zukunftsprojekt.
Stadion: Ja, aber Finanzierung prüfen
Auch zur Stadionfrage äußert sich Apfelknab grundsätzlich positiv. Graz sei die zweitgrößte Stadt Österreichs und habe mit Sturm und GAK zwei Bundesligavereine. Deshalb brauche Graz aus seiner Sicht ein UEFA- oder Champions-League-taugliches Stadion.
Gleichzeitig betont er, dass man die Finanzierung genau prüfen müsse. Damit positioniert er sich zwischen sportpolitischem Anspruch und budgetärer Vorsicht.
Für die Wählerinnen und Wähler bedeutet das: Die FPÖ will ein modernes Stadion nicht ablehnen. Sie will aber offenhalten, wie und in welcher Form es finanzierbar ist.
Persönlicher Zugang: Hunde, Wandern und Tierschutz
Im Interview bekommt Apfelknab auch eine persönlichere Seite. Er spricht über Wandern mit Hunden, Hundesport und seine Erfahrungen als Hundehalter. Daraus ergibt sich auch ein Gespräch über Tierschutz.
Apfelknab sagt, dass ihn Tierschutz interessieren würde – nicht nur bei Hunden, sondern generell im Stadtgebiet. Zugleich beschreibt er die meisten Hundehalterinnen und Hundehalter in seinem Umfeld als diszipliniert, verweist aber auf schwarze Schafe.
Dieser Teil des Interviews macht ihn greifbarer. Neben den klassischen FPÖ-Themen Sicherheit, Migration und Verkehr zeigt sich hier ein persönlicher Zugang, der für manche Leserinnen und Leser überraschender sein kann als die parteipolitischen Kernbotschaften.
Was vom Interview bleibt
Das Interview zeigt Rene Apfelknab als Kandidaten, der die Grazer FPÖ nach einer schwierigen Phase neu aufstellen will. Seine stärkste persönliche Ressource ist seine Finanz- und Buchhaltungserfahrung. Politisch setzt er auf Sicherheit, Migration, Gebühren, Park-and-Ride und Deutschförderung.
Bürgernah wirkt er dort, wo er konkrete Alltagsthemen anspricht: Unsicherheit im Stadtpark, Pendlerdruck in Straßgang, fehlende Park-and-Ride-Plätze, Deutschprobleme an Schulen, Gebühren und die Erreichbarkeit der Innenstadt.
Kritisch bleibt die Frage, wie konkret seine Lösungen am Ende sind. Bei Sicherheit verweist er auf Evaluierung mit Polizei und Ordnungswache. Bei Einsparungen nennt er Verwaltungsreform und Förderprüfung, bleibt aber bei den Details vorsichtig. Beim Energiewerk und Stadion will er zuerst die Finanzierung beziehungsweise Kontrollberichte abwarten.
Für die Graz-Wahl 2026 lautet die zentrale Frage: Kann Rene Apfelknab die FPÖ als neues Team glaubwürdig präsentieren und gleichzeitig die alten Belastungen der Grazer Freiheitlichen hinter sich lassen? Sein Angebot ist klar: mehr Sicherheit, weniger Belastungen, mehr Park-and-Ride und eine Stadtpolitik, die Migration, Verkehr und Kosten stärker aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger bewertet.
Hinweis zur Interviewreihe
Für die Grazer Gemeinderatswahl 2026 führten Inside Graz und Inside Politics – Austria eine gemeinsame Interviewreihe mit den Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten. Trotz der Namensähnlichkeit arbeiten Inside Graz und Inside Politics unabhängig voneinander. Für dieses Format kooperieren beide Redaktionen.
Im Hochformat-Video seht Ihr unseren Frageblock aus dem Interview. Das vollständige Gespräch mit einer Länge von rund 45 bis 60 Minuten veröffentlicht unser Kooperationspartner Inside Politics – Austria auf YouTube.
























































