Start Graz Chronik Stadion Liebenau: Moderne Arena um 60 Millionen Euro technisch machbar

Stadion Liebenau: Moderne Arena um 60 Millionen Euro technisch machbar

Stadion Liebenau Studie Präsentation
Visualisierung © © ZOOMVP

Die Pläne für die Modernisierung des Stadions Liebenau werden konkreter. Eine vertiefte Machbarkeitsstudie der Stadtbaudirektion kommt zum Ergebnis, dass ein umfassender Umbau auch innerhalb des vorgegebenen Kostenrahmens von 60 bis 70 Millionen Euro technisch möglich ist. Damit könnte das bald 30 Jahre alte Stadion künftig wieder internationale Anforderungen erfüllen und Platz für bis zu rund 20.100 Zuschauerinnen und Zuschauer bieten.

Die Stadtbaudirektion will die Studie laut aktueller Planung mit 11. Mai abschließen. Sie bildet die technische Grundlage für die nächste politische Entscheidung. Im Grazer Gemeinderat soll nun ein Grundsatzbeschluss zur weiteren Projektentwicklung folgen.

Schlankere Lösung statt teurem Vollausbau

Im Unterschied zur ersten Untersuchung aus dem Jahr 2025 stand diesmal nicht der größtmögliche Ausbau im Mittelpunkt. Stattdessen prüften die Verantwortlichen, welche Modernisierung innerhalb des finanziellen Rahmens tatsächlich umsetzbar ist. Gemeinsam mit SK Sturm Graz und GAK 1902 entstand daher ein reduziertes, aber weiterhin leistungsfähiges Stadionkonzept.

Die frühere Studie hatte einen Vollausbau mit rund 23.000 Plätzen, 2.000 Hospitality-Plätzen und voller Eignung für internationale Großveranstaltungen untersucht. Technisch wäre dieses Modell machbar gewesen, finanziell aber deutlich schwieriger: Die Kosten lagen damals bei rund 120 Millionen Euro. Zusätzlich wären etwa 30 Millionen Euro für Grundstücksankäufe nötig gewesen.

Das neue Konzept setzt nun stärker auf den Bestand. Große Teile der bestehenden Tribünen im Norden, Osten und Süden sowie das Dach sollen erhalten bleiben. Dadurch entfallen auch teure Grundstücksankäufe. Statt einer massiven Erweiterung sieht die Studie einen tiefgreifenden Zu- und Umbau vor.

Bis zu 20.100 Plätze und 1.700 VIP-Plätze im Stadion Liebenau

Das modernisierte Stadion soll künftig rund 15.700 Sitzplätze bieten. Durch flexible Steh- und Sitzplatzlösungen könnte die Kapazität auf etwa 20.100 Plätze steigen. Außerdem soll ein neuer Hospitality- und Skyboxbereich für rund 1.700 Gäste entstehen.

Auch sportlich soll Liebenau aufgewertet werden. Das Stadion soll weiterhin für Bundesliga-Spiele sowie internationale UEFA-Bewerbe geeignet sein. Zudem bleibt es die gemeinsame Heimstätte von SK Sturm Graz und GAK 1902.

Für mehr Stadionatmosphäre planen die Verantwortlichen, das Spielfeld abzusenken und den heutigen Stadiongraben zu entfernen. Dadurch rücken die Fans näher an das Spielgeschehen. Zusätzlich sollen neue Kiosk-, Sanitär- und Gastrobereiche entstehen. Auch Barrierefreiheit, Medientechnik, Kamerapositionen, Schallschutz sowie Haus- und Elektrotechnik sollen umfassend verbessert werden.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Sicherheit und Besucherführung. Fanströme und Gästesektoren sollen künftig besser getrennt werden.

Stadt sieht Grundlage für nächsten Beschluss

Bürgermeisterin Elke Kahr bezeichnet das vorliegende Konzept als machbaren Weg für Graz: „Das ist das, was für uns – mit großer Kraftanstrengung – machbar ist. Die Vorbereitung des schlanken Umbaukonzepts ist nun abgeschlossen, dem Grundsatzbeschluss im Gemeinderat steht nichts mehr im Wege. Jetzt brauchen wir noch ein solides Betriebskonzept und vor allem das Land mit an Bord.“

Auch Vizebürgermeisterin Judith Schwentner verweist auf die Bedeutung einer modernen Fußballinfrastruktur: „Graz hat starke Fußballvereine. Dafür braucht es eine moderne Infrastruktur. Nach Jahrzehnten ist es in dieser Periode endlich gelungen, alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen und eine gemeinsame, finanzierbare und UEFA-taugliche Lösung zu erarbeiten. Die Stadt ist bereit, ihren Beitrag zu leisten. Jetzt ist das Land gefordert.“

SPÖ-Vorsitzende Doris Kampus sieht nun vor allem das Land Steiermark in der Pflicht: „Unser Druck hat Wirkung gezeigt: Nun können wir auf Stadtebene einen Beschluss fassen, der als erster Schritt zu verstehen ist. Für uns war immer klar: Als zweitgrößte Stadt Österreichs haben wir den Anspruch, entsprechende Infrastruktur bereitzustellen. Deshalb stehen wir klar für eine umfassende Modernisierung des Stadions. Jetzt sind das Land Steiermark und Landeshauptmann Mario Kunasek am Zug, ins Handeln zu kommen. Das sind sie den Vereinen, den unzähligen Fans und der Sportinfrastruktur der Sportstadt Graz schuldig.“

Stadtbaudirektor Bertram Werle spricht von einer wichtigen Chance für den Grazer Fußball: „Es ist sehr erfreulich, dass nach knapp 30 Jahren nun die Chance für einen Neustart des Stadions Liebenau besteht. Dank der hervorragenden Expertise der beteiligten Büros und Fachleute konnten wir nun trotz eines sportlichen Budgetrahmens gemeinsam mit den Vereinen eine technisch optimale Perspektive für den Grazer Fußball schaffen.“

Externe Prüfung sieht Projekt im Finanzrahmen

Laut externer Kostenprüfung lässt sich das Projekt derzeit mit rund 60 Millionen Euro netto darstellen. Damit würde die Modernisierung innerhalb des von Stadt Graz und Land Steiermark genannten Rahmens bleiben.

Erarbeitet wurde die vertiefte Studie unter Leitung der Stadtbaudirektion. Eingebunden waren die Stadion Graz Liebenau GmbH, externe Fachleute, darunter das Architekturbüro Wimmer ZT GmbH, sowie die beiden Grazer Fußballvereine. Ein Lenkungsausschuss mit Vertreterinnen und Vertretern der relevanten Stellen begleitete den Prozess.

Die Studie klärt vorerst die technische Machbarkeit. Fragen zu Bewilligungen, Genehmigungen und konkreten Verfahren können erst in späteren Planungsschritten geprüft werden.

Betriebskonzept als nächster Schlüsselpunkt

Nach dem geplanten Grundsatzbeschluss soll die Finanzdirektion gemeinsam mit dem Land Steiermark, den Vereinen und der Stadion Graz Liebenau GmbH die wirtschaftlichen Grundlagen für ein tragfähiges Betriebskonzept ausarbeiten. Außerdem müssen vertragliche Rahmenbedingungen und Nutzungsrechte vorbereitet werden.

Auf Basis der nun vorliegenden Machbarkeitsstudie soll die Stadtbaudirektion anschließend einen Planungsbeschluss für Herbst 2026 vorbereiten. Damit rückt eine Modernisierung des Stadions Liebenau zwar näher, endgültig entschieden ist das Projekt aber noch nicht. Entscheidend wird nun, ob Stadt, Land, Vereine und Stadiongesellschaft auch wirtschaftlich auf eine gemeinsame Linie kommen.

Reaktionen auf die aktuelle Machbarkeitsstudie

Sportstadtrat Kurt Hohensinner:

„Die Stadionfrage ist zum Symbol für die Politik der Kahr-Schwentner-Koalition geworden: Am Anfang wurde viel versprochen, seither wird verzögert, vertröstet und verschoben. Nach fünf Jahren Studien, Arbeitskreisen und schönen Worten bleibt eine Nullnummer. Der jetzt angekündigte Stadion-Beschluss zeigt vor allem eines: Auch nach fünf Jahren hat die Stadtspitze noch immer keinen Plan für einen umsetzbaren Stadionausbau. Dass man nun noch einmal jenen Auftrag beschließt, den man eigentlich seit Jahren hat, nämlich ein  für alle Seiten funktionierendes Betreiber- und Finanzierungsmodell zu erarbeiten, zeigt das gesamte Ausmaß der Tragödie. Wieder werden Vereine und Fans vertröstet, statt endlich eine echte Lösung für die Stadionfrage zu präsentieren.“

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