
Österreich verfügt über rund 13,6 Millionen Parkplätze. Das zeigt eine neue Untersuchung, an der die TU Graz gemeinsam mit mehreren Projektpartnern gearbeitet hat. Erstmals erfassten die Forschenden den Parkraum im gesamten Bundesgebiet nach einer einheitlichen Methode.
Die Zahlen zeigen jedoch nicht nur, wo Autos stehen können. Sie machen auch sichtbar, wie viel wertvoller Boden dauerhaft für abgestellte Fahrzeuge reserviert bleibt. Insgesamt belegen Österreichs Stellplätze mehr als 31.700 Hektar.
Diese Fläche entspricht ungefähr dem Zweieinhalbfachen des gesamten Grazer Stadtgebiets. Damit liefert die Studie neue Argumente für die Debatte über Bodenverbrauch, Stadtentwicklung und klimafreundliche Mobilität.
Studie erfasst rund 13,6 Millionen Stellplätze in Österreich
Das Forschungsprojekt trägt den Namen „Parking Space Insight“, kurz PSI. Das Team kombinierte dafür mehrere digitale Datenquellen. Dazu gehörten unter anderem OpenStreetMap, digitale Landschaftsmodelle, die Graphenintegrations-Plattform GIP sowie Mobilfunk- und Echtzeitdaten.
Aus diesen Informationen entwickelten die Projektpartner ein Analyseverfahren, das Parkplätze österreichweit erfasst und verschiedenen Kategorien zuordnet. Städte und Gemeinden können dadurch ihr vorhandenes Angebot künftig genauer mit der tatsächlichen Nutzung vergleichen.
Bisher mussten Kommunen bei der Parkraumplanung häufig auf Schätzungen, lokale Erhebungen oder unvollständige Datensätze zurückgreifen.
„Beim Parkraummanagement wurde bislang vielfach mit Schätzungen oder unvollständigen Datensätzen gearbeitet. Mit Parking Space Insight schaffen wir erstmals eine österreichweit einheitliche und belastbare Datengrundlage, die eine objektive Analyse des Stellplatzangebots ermöglicht“, sagt Michael Cik vom Institut für Straßen- und Verkehrswesen der TU Graz.
Fast 90 Prozent sind keine Straßenparkplätze
Wer bei Parkplätzen vor allem an markierte Stellflächen entlang einer Straße denkt, unterschätzt den größten Teil des Angebots.
Rund 10,5 Millionen Stellplätze liegen auf offenen Flächen abseits des öffentlichen Straßenraums. Das entspricht etwa 77 Prozent aller erfassten Parkplätze. Dazu zählen beispielsweise Kundenparkplätze bei Supermärkten, Firmenparkplätze und Stellflächen bei privaten Wohnhäusern.
Weitere 12 Prozent befinden sich in Parkhäusern, Tiefgaragen oder privaten Garagen. Nur rund 10 Prozent aller Stellplätze liegen direkt im öffentlichen Straßenraum.
Somit befinden sich knapp 90 Prozent des österreichischen Parkplatzangebots abseits des Straßenrandes. Die politische Diskussion über Parkplätze konzentriert sich dennoch häufig auf Kurzparkzonen, Gebühren und Stellflächen in Innenstädten.
Offene Parkflächen benötigen besonders viel Boden
Entscheidend ist nicht nur die Zahl der Stellplätze, sondern auch ihr Platzbedarf. Österreichs Parkraum belegt laut Studie insgesamt mehr als 31.700 Hektar.
Den mit Abstand größten Anteil verursachen offene, ebenerdige Parkplätze. Sie beanspruchen rund 29.000 Hektar und damit mehr als 91 Prozent der gesamten Parkplatzfläche.
Parkhäuser, Tiefgaragen und private Garagen schneiden beim Bodenverbrauch deutlich effizienter ab. Sie bieten rund 12 Prozent aller Stellplätze, benötigen jedoch lediglich etwa 2,4 Prozent der erfassten Fläche.
Der Grund liegt in der Bauweise. Garagen und Parkhäuser ordnen Stellplätze auf mehreren Ebenen an. Große Kunden- oder Firmenparkplätze breiten sich dagegen meist vollständig auf einer Ebene aus.
Gerade in dicht bebauten Städten entscheidet diese Flächennutzung darüber, ob Platz für Wohnungen, Grünflächen, Gehwege, Radwege oder öffentliche Aufenthaltsbereiche bleibt.
Graz hat mehr Stellplätze pro Einwohner als Wien
Auch beim Vergleich der österreichischen Städte liefert die Untersuchung bemerkenswerte Ergebnisse. Für Graz errechnete das Forschungsteam rund 0,74 Stellplätze pro Einwohner. Wien kommt auf etwa 0,67 Stellplätze pro Person.
Damit liegt die Parkplatzdichte in Graz trotz der deutlich geringeren Einwohnerzahl über dem Wiener Wert.
Ein wesentlicher Grund dafür liegt in der Stadtstruktur. Graz verfügt außerhalb des Zentrums über viele Einfamilienhäuser, Reihenhäuser und locker bebaute Wohngebiete. Dort gehören private Stellplätze und Garagen häufig direkt zum Grundstück.
In Wien prägen dagegen dicht bebaute Gründerzeitviertel und großstädtische Wohnquartiere weite Teile des Stadtgebiets. Dort steht weniger Platz für private Parkflächen zur Verfügung.
Zudem förderten gesetzliche Mindestvorgaben über Jahrzehnte den Bau zusätzlicher Stellplätze. Bauherren mussten bei vielen Neubauten eine vorgeschriebene Anzahl an Parkmöglichkeiten schaffen. Das galt teilweise auch in Gebieten mit guter Anbindung an Bus, Straßenbahn oder Bahn.
Mehrere Städte lockerten diese Regeln erst in den vergangenen Jahren.
Paris und Barcelona liegen deutlich unter Graz
Die Studie stellt den österreichischen Zahlen auch internationale Vergleichswerte gegenüber. Barcelona erreicht demnach etwa 0,48 Stellplätze pro Einwohner. Paris kommt auf ungefähr 0,35 Stellplätze.
Beide Städte liegen damit klar unter Graz und Wien. Allerdings lassen sich solche Werte nur eingeschränkt direkt vergleichen.
Stadtgrenzen, Erhebungsjahre und erfasste Parkplatzarten unterscheiden sich je nach Untersuchung. Außerdem entstanden große Teile von Paris und Barcelona bereits lange vor der starken Verbreitung des Autos.
Die kompakte Bebauung lässt dort weniger Raum für großflächige Parkplätze. Gleichzeitig verfolgen beide Städte seit Jahren eine restriktivere Verkehrs- und Parkraumpolitik.
Neue Daten sollen Kommunen bei Entscheidungen helfen
Die Ergebnisse können Städten und Gemeinden zeigen, in welchen Gebieten besonders viele Flächen für abgestellte Fahrzeuge gebunden sind. Gleichzeitig lässt sich erkennen, wo das Angebot möglicherweise über der tatsächlichen Nachfrage liegt.
Kommunen könnten solche Flächen langfristig anders nutzen. Denkbar wären unter anderem neue Grünbereiche, zusätzliche Wohnungen, breitere Gehwege oder sichere Radverbindungen.
Jeder Parkplatz ist eine Entscheidung darüber, wie wir unseren Raum nutzen. Unsere Ergebnisse zeigen, wo wertvoller Raum gebunden wird und liefern Städten und Gemeinden eine fundierte Grundlage, um Parkraum künftig effizienter und nachhaltiger zu planen.
erklärt Michael Cik.
Die Daten bedeuten allerdings nicht automatisch, dass Städte Parkplätze ersatzlos entfernen sollten. Vielmehr können sie Angebot, Nutzung und lokale Mobilitätsbedürfnisse erstmals systematisch miteinander vergleichen.
Dadurch können Gemeinden besser entscheiden, wo Stellplätze notwendig bleiben und wo andere Nutzungen einen größeren Mehrwert bringen.
Österreichweites Parkraum-Monitoring geplant
Das Forschungsteam empfiehlt, die entwickelte Methode dauerhaft einzusetzen. Ein österreichweites Monitoring könnte regelmäßig aktualisierte Informationen über Anzahl, Lage und Nutzung der Stellplätze liefern.
Bereits ein schrittweise aufgebautes Standardmodell würde laut Projektteam ausreichen, um die Daten laufend zu verbessern. Dadurch könnten Politik und Verwaltung Entscheidungen stärker auf überprüfbare Zahlen stützen.
Das Projekt „Parking Space Insight“ entstand am Institut für Straßen- und Verkehrswesen der TU Graz. Die yverkehrsplanung GmbH übernahm die Projektleitung. Außerdem arbeiteten PRISMA solutions EDV-Dienstleistungen, TraffiCon Software und Okari an der Untersuchung mit.
Der Klima- und Energiefonds finanzierte das Vorhaben im Rahmen des Programms „Digitale Transformation in der Mobilität 2023“. Die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft betreute das Programm.




























































