Trotz wachsender Bedeutung von Öffis bleibt der B-Führerschein für junge Menschen in Österreich nahezu unverzichtbar. Gleichzeitig zeigt eine aktuelle Studie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV): Viele 16- bis 24-Jährige greifen während der Fahrt zum Handy oder setzen sich nach Alkohol- oder Drogenkonsum ans Steuer.
Im vergangenen Jahr wurden in Österreich 9.078 Menschen zwischen 16 und 24 Jahren bei Verkehrsunfällen verletzt, 35 kamen ums Leben. Um das Mobilitätsverhalten dieser Altersgruppe besser zu verstehen, befragte das KFV im Mai 2026 insgesamt 1.000 junge Menschen.
B-Führerschein bleibt fast Pflicht
Der klassische Pkw-Führerschein hat für junge Erwachsene weiterhin einen hohen Stellenwert. 67 Prozent besitzen bereits einen B-Führerschein, weitere 26 Prozent wollen ihn noch erwerben. Damit halten insgesamt 93 Prozent den Führerschein für ihre persönliche Mobilität für wichtig.
Auch andere Führerscheinklassen stoßen auf Interesse: Elf Prozent besitzen bereits einen Motorradführerschein, ein Drittel plant ihn. Einen Lkw-Führerschein möchten zehn Prozent machen.
Gleichzeitig rechnen viele damit, dass öffentliche Verkehrsmittel in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen und Autos mit Verbrennungsmotor an Relevanz verlieren.
Kostenlose Öffis sind der größte Wunsch
Auf die Frage, welche Maßnahmen den Straßenverkehr sicherer machen würden, nannten die Befragten vor allem den öffentlichen Verkehr:
- Kostenlose öffentliche Verkehrsmittel: 45 Prozent
- Bessere Öffi-Verbindungen im ländlichen Raum: 39 Prozent
- Mehr Nachtbusse nach dem Fortgehen: 36 Prozent
Mehrfachnennungen waren möglich.
Mehrheit unterstützt Helmpflicht, viele wünschen sie auch für Erwachsene
Seit Mai 2026 gilt eine Helmpflicht für Kinder und Jugendliche auf E-Bikes sowie für Jugendliche auf E-Scootern. Diese Regelung bewerten 56 Prozent der Befragten als richtig.
Darüber hinaus sprechen sich 33 Prozent dafür aus, die Helmpflicht auch auf Erwachsene auszuweiten. Bemerkenswert ist dabei, dass die Befragten selbst mindestens 16 Jahre alt sind und von einer solchen Regelung unmittelbar betroffen wären.
Autofahrer werden als besonders aggressiv wahrgenommen
Gefragt nach riskantem oder aggressivem Verhalten im Straßenverkehr nennen junge Menschen vor allem Autofahrer.
Die häufigsten Antworten:
- Autofahrende: 55 Prozent
- E-Scooter-Fahrende: 46 Prozent
- Motorradfahrende: 39 Prozent
- Radfahrende: 32 Prozent
Handy am Steuer bleibt ein großes Problem
Die Studie zeigt außerdem, dass Smartphones auch im Straßenverkehr allgegenwärtig sind.
Während sie zu Fuß unterwegs sind, hören 67 Prozent regelmäßig Musik mit Kopfhörern. 45 Prozent schreiben Nachrichten, jeweils 35 Prozent telefonieren oder nutzen soziale Medien.
Besonders kritisch sind jedoch die Angaben während des Fahrens eines Fahrzeugs:
- 26 Prozent telefonieren während der Fahrt.
- 14 Prozent schreiben Nachrichten.
- 13 Prozent nutzen soziale Medien.
Klaus Robatsch, Leiter des Bereichs Verkehrssicherheit im KFV, warnt vor den Folgen. Nach KFV-Angaben ist Unaufmerksamkeit oder Ablenkung bei 28 Prozent der von 16- bis 24-Jährigen verursachten Unfälle mit Personenschaden die Hauptursache. Das entspricht durchschnittlich 1.853 Unfällen pro Jahr.
Jeder vierte fuhr schon nach Alkohol
Besonders alarmierend fallen die Ergebnisse zum Thema Alkohol und Drogen aus.
- 26 Prozent geben an, bereits einmal nach Alkoholkonsum ein Fahrzeug gelenkt zu haben. Dazu zählen Auto, Moped, Fahrrad oder E-Scooter.
- Fünf Prozent waren bereits unter Drogeneinfluss unterwegs.
Auch das Mitfahren bei alkoholisierten oder berauschten Fahrern ist keine Seltenheit. 22 Prozent der Befragten waren bereits in einer solchen Situation. Die Mehrheit davon glaubte, dass die Fahrerin oder der Fahrer trotzdem noch sicher unterwegs sei. Andere räumten ein, selbst Alkohol konsumiert zu haben und deshalb leichtsinnig gewesen zu sein.
Im Zweifel holen viele Hilfe
Positiv fällt die Antwort auf eine Alltagssituation aus: Kein Bus mehr, kein eigenes Fahrzeug und kein Geld für ein Taxi.
Sechs von zehn jungen Menschen würden Eltern, Verwandte oder Bekannte anrufen und sich abholen lassen. 23 Prozent würden den rund fünf Kilometer langen Heimweg zu Fuß antreten. Nur 13 Prozent würden sich Geld ausborgen, um ein Taxi oder einen Fahrdienst zu bezahlen.





























































