Ob auf dem Weg zur Arbeit oder in den Urlaub: Bahnübergänge gehören für viele Autofahrer zum Alltag. Doch genau dort passieren immer wieder schwere Unfälle. Eine aktuelle Untersuchung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit zeigt, dass viele Verkehrsteilnehmer die vorgeschriebenen Regeln nicht einhalten.
Rund jede vierte Person hält an Stopptafeln vor Bahnübergängen nicht vollständig an. Die ÖBB appellieren deshalb, besonders vor Ferienbeginn aufmerksam zu sein.
Viele bremsen nur ab
Für die Untersuchung beobachtete das KFV in den Jahren 2025 und 2026 österreichweit rund 3.000 Fahrzeuge an verschiedenen Bahnübergängen.
Das Ergebnis:
- 75 Prozent hielten an Stopptafeln vollständig an.
- Rund 20 Prozent verlangsamten zwar ihre Geschwindigkeit, blieben aber nicht stehen.
- 5 Prozent überquerten den Bahnübergang sogar ohne erkennbare Temporeduktion.
Auch an Bahnübergängen mit Rotlicht, aber ohne Schranken, zeigt sich ein ähnliches Bild. Dort missachtet etwa jede fünfte Person das Haltesignal.
Züge können nicht ausweichen
Die ÖBB erinnern daran, dass Züge im Gegensatz zu Autos weder ausweichen noch innerhalb kurzer Zeit anhalten können. Deshalb gilt an Bahnübergängen: vollständig anhalten, nach beiden Richtungen schauen und hören und erst dann weiterfahren.
Besonders gefährlich ist laut den ÖBB Routine. Wer täglich denselben Bahnübergang quert, unterschätzt das Risiko häufig.
Weniger Unfälle, aber weiterhin schwere Folgen
Die Zahl der Unfälle an Eisenbahnkreuzungen ist zuletzt leicht zurückgegangen. Österreichweit registrierten die ÖBB im Jahr 2025 insgesamt 50 Unfälle. Im Jahr davor waren es 52. Dabei kamen fünf Menschen ums Leben, 17 weitere wurden verletzt.
In der Steiermark ereigneten sich 2025 zehn Unfälle an Bahnübergängen. Dabei starb eine Person. Im Jahr davor wurden zwölf Unfälle registriert. Damals gab es ebenfalls einen Todesfall sowie sieben Verletzte.
Langfristig zeigt sich dennoch ein Rückgang: 2015 wurden österreichweit noch 71 Unfälle an Eisenbahnkreuzungen gezählt.
Schwere Unfälle in Graz
In Graz kam es in den vergangenen Jahren mehrfach zu schweren Unfällen an Bahnübergängen. Besonders betroffen waren wiederholt Übergänge auf ehemaligen GKB-Strecken im Westen der Stadt.
- Im September 2024 erfasste ein Zug in Straßgang einen Pkw am Bahnübergang Am Jägergrund. Der Autofahrer wurde laut Polizei schwer verletzt, zwei Fahrgäste im Zug erlitten leichte Verletzungen.
- Nur wenige Monate davor, im Juni 2024, kam es an der Kreuzung Hafnerstraße/Peter-Leardi-Weg zu einem ähnlichen Unfall. Ein Pkw kollidierte mit einem GKB-Zug, drei Personen im Auto wurden leicht verletzt.
- Im Juli 2021 starb ein 85-jähriger Mann an der Eisenbahnkreuzung Harter Straße. Er war mit einem Senioren-Elektrofahrrad unterwegs und dürfte ein rotes Lichtzeichen übersehen haben. Trotz Notbremsung konnte der Zug nicht mehr rechtzeitig stehen bleiben.
- Bereits im September 2019 ereignete sich in der Hafnerstraße ein tödlicher Unfall. Ein Personenzug der GKB erfasste einen Pkw und schleifte ihn rund 80 Meter mit. Der Autofahrer starb noch an der Unfallstelle.
- Einer der schwersten Bahnübergangsunfälle der jüngeren Grazer Geschichte passierte im September 2018 bei der Kreuzung Grottenhofstraße/Heubergergasse. Dort kollidierte ein GKB-Zug mit einem Linienbus der Graz Linien. Die 34-jährige Buslenkerin starb, mehrere Menschen wurden teils schwer verletzt.
- Auch Einsatzkräfte waren bereits betroffen: Im Jänner 2017 kollidierte zwischen Graz Webling und Graz Wetzelsdorf ein Polizeifahrzeug mit einem GKB-Zug. Zwei Polizisten wurden verletzt, einer davon schwer.
Immer weniger Bahnübergänge
Ein Grund für den langfristigen Rückgang der Unfallzahlen ist auch der Umbau der Infrastruktur. Gab es im Jahr 2000 österreichweit noch mehr als 6.000 Eisenbahnkreuzungen, sind es heute 2.874.
Davon sind 1.633 technisch gesichert, etwa durch Schranken oder Lichtzeichenanlagen. Weniger stark befahrene Übergänge sind meist mit Stopptafel und Andreaskreuz ausgestattet.
Die ÖBB investieren laut eigenen Angaben jährlich mehr als 25 Millionen Euro in die Sicherung, den Umbau oder die Auflassung von Eisenbahnkreuzungen. Wo möglich, ersetzen Unterführungen oder Überführungen bestehende Bahnübergänge.
So verhältst du dich richtig am Bahnübergang
Die ÖBB empfehlen, an jedem Bahnübergang besonders aufmerksam zu sein:
- Vor einer Stopptafel immer vollständig anhalten.
- Nach beiden Richtungen schauen und auf herannahende Züge achten.
- Nicht auf das Gehör allein verlassen.
- Rotlicht oder geschlossene Schranken niemals missachten.
- Den Bahnübergang zügig überqueren und nicht darauf anhalten.
Gerade jetzt zu Beginn der Ferienzeit erinnern die ÖBB daran, dass wenige Sekunden Vorsicht schwere Unfälle verhindern können.






























































