Austrian Airlines beendet die direkte Flugverbindung zwischen Graz und Wien früher als ursprünglich vorgesehen. Der letzte Flug soll am 24. Oktober 2026 stattfinden. Das Land Steiermark bedauert die Entscheidung. Der Grazer Wirtschaftsstadtrat Kurt Hohensinner spricht von einem schweren Rückschlag für den Standort.
Die AUA begründet das Ende der Strecke mit anhaltenden Verlusten und stark gestiegenen Betriebskosten. Nach Angaben der Fluggesellschaft schrieb die Verbindung zwischen Graz und Wien bereits seit mehreren Jahren rote Zahlen.
Flug Graz-Wien endet am 24. Oktober 2026
Ursprünglich sollte die Flugverbindung offenbar bis zur Inbetriebnahme des Semmering-Basistunnels bestehen bleiben. Nun zieht die Lufthansa-Tochter das Ende der Strecke vor.
Landeshauptmann Mario Kunasek bedauert die Entscheidung. Neben der geringen Auslastung nennt er auch die österreichische Flugabgabe als möglichen Faktor:
Ich bedaure die vorzeitige Einstellung der Flugverbindung Graz – Wien mit 24. Oktober. Ursprünglich hätte diese Verbindung bis zur Inbetriebnahme des Semmering-Basistunnels aufrechterhalten werden sollen. Die mangelnde Auslastung dieser Flugverbindung ist neben den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wohl auch auf die hohe Flugabgabe von 30 Euro für Kurzstrecken zurückzuführen. Das sind rund 20 Prozent des durchschnittlichen Ticketpreises. Diese Situation zeigt aber auch, wie wichtig unsere Forderung nach der Koralmbahn-Haltestelle am Flughafen Graz ist. Alles was den Flughafen Graz attraktiver macht, stärkt auch den Standort Steiermark. Erfreulich ist, dass die AUA die gestrichene Flugverbindung durch verstärkte Anbindungen an andere internationale Drehkreuze wie Frankfurt, Zürich und München kompensieren wird. Ich werde mit den Stakeholdern des Flughafens Graz weitere Gespräche über dessen zukünftige Ausrichtung führen.
Hohensinner fordert Einsatz der Grazer Stadtspitze
Auch der Grazer Wirtschaftsstadtrat Kurt Hohensinner kritisiert die angekündigte Einstellung. Er sieht dadurch die internationale Erreichbarkeit der Stadt gefährdet.
Zwar begrüßt Hohensinner zusätzliche Kapazitäten nach Frankfurt, München und Zürich. Diese Verbindungen könnten den direkten Zugang zum Drehkreuz Wien aus seiner Sicht jedoch nicht vollständig ersetzen.
Zudem fordert er Bürgermeisterin Elke Kahr und Beteiligungsstadtrat Manfred Eber dazu auf, Gespräche mit Austrian Airlines, dem Flughafen Graz und dem Land Steiermark zu führen:
Die Einstellung der Flugverbindung zwischen Graz und Wien wäre ein schwerer Rückschlag für den Wirtschaftsstandort Graz und die gesamte Steiermark. Gerade für eine international vernetzte Stadt mit starken Unternehmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen ist eine leistungsfähige Anbindung an internationale Drehkreuze ein entscheidender Standortfaktor.
Ich warne daher eindringlich davor, diese Verbindung vorschnell aufzugeben. Kapazitäten nach Frankfurt, München oder Zürich sind wichtig, können die direkte Anbindung an das zentrale österreichische Drehkreuz Wien aber nicht ersetzen.
Die Grazer Stadtspitze, allen voran Bürgermeisterin Elke Kahr und Beteiligungsstadtrat Manfred Eber, sind jetzt gefordert. Es reicht nicht, eine solche Entscheidung lediglich zur Kenntnis zu nehmen. Sie müssen umgehend das Gespräch mit der AUA, dem Flughafen und dem Land suchen und alle Möglichkeiten ausschöpfen, um die Verbindung zu erhalten. Nach der angekündigten Schließung der Eurowings-Basis darf die weitere Schwächung des Flughafens Graz nicht tatenlos hingenommen werden.
Land fordert Koralmbahn-Haltestelle am Flughafen
Mit dem Wegfall der Wien-Verbindung rückt die Bahnanbindung des Flughafens stärker in den Mittelpunkt. Die steirische Landesspitze fordert erneut eine Haltestelle für die Koralmbahn direkt am Flughafen Graz.
Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom bezeichnet das Aus der Flugstrecke als negatives Signal für den Wirtschaftsstandort. Leistungsfähige Verkehrsverbindungen seien für Unternehmen, Arbeitsplätze und internationale Investitionen besonders wichtig:
Die Einstellung der Flugverbindung zwischen Graz und Wien ist ein herber Rückschlag. Gerade in einer Zeit, in der wir um Investitionen, Arbeitsplätze und internationale Wettbewerbsfähigkeit kämpfen, ist der Verlust einer solchen Verbindung das falsche Signal. Leistungsfähige Verkehrsanbindungen sind für ein international vernetztes Bundesland ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Umso wichtiger ist es jetzt, den Flughafen Graz langfristig zu sichern. Mit dem Wegfall der Flugverbindung gewinnt die Flughafen-Haltestelle der Koralmbahn zusätzlich an Bedeutung – und mit der Fertigstellung des Semmering-Basistunnels wird sie endgültig zu einem entscheidenden Standortfaktor. Denn die Steiermark wird damit noch stärker an die wichtigsten Wirtschafts- und Verkehrsachsen Österreichs angebunden. Die Zukunft der Mobilität darf nicht am Flughafen Graz vorbeifahren. Jetzt braucht es keine weiteren ministeriellen Ausweichmanöver, sondern ein klares Bekenntnis des Verkehrsministers zur Umsetzung der Flughafen-Haltestelle. Ich bin überzeugt: Der Flughafen Graz hat das Potenzial, sich als Alpen-Adria-Flughafen zu etablieren und weit über die Steiermark hinaus an Bedeutung zu gewinnen. Dafür braucht es eine moderne Anbindung an das überregionale Schienen- und Straßennetz.
Mehr Kapazität nach Frankfurt und München
Die Lufthansa Group will das Ende der Wien-Verbindung zumindest teilweise kompensieren. Ab November 2026 steigt das Sitzplatzangebot auf mehreren wichtigen Drehkreuzstrecken.
Auf der Verbindung zwischen Graz und Frankfurt wächst die Kapazität laut Land Steiermark um rund 25 Prozent. Die Fluggesellschaften wollen dafür verstärkt größere Maschinen der Typen Airbus A319 und Airbus A320 einsetzen.
Zwischen Graz und München steigt die Kapazität um etwa zehn Prozent. Zudem wächst das Angebot nach Zürich von fünf auf sieben Flüge pro Woche.
Insgesamt bleiben ab Graz 46 wöchentliche Verbindungen zu den Lufthansa-Drehkreuzen Frankfurt, München und Zürich geplant. Von dort erreichen Passagiere zahlreiche Ziele in Europa und auf anderen Kontinenten.
AIRail bleibt als Verbindung nach Wien
Passagiere können Wien weiterhin mit der Bahn erreichen. Über das AIRail-Angebot bleibt Graz außerdem mit dem internationalen Streckennetz von Austrian Airlines am Flughafen Wien verbunden.
Allerdings verändert das Ende der direkten Flugstrecke vor allem die Reisewege von Umsteigern. Passagiere müssen künftig entweder die Bahn nach Wien nutzen oder über Frankfurt, München beziehungsweise Zürich fliegen.
AUA verzeichnet hohes Halbjahresminus
Die Streichung der Graz-Verbindung gehört zu einer umfassenderen Anpassung des Winterflugplans. Austrian Airlines meldete für das erste Halbjahr 2026 ein bereinigtes Betriebsergebnis von minus 93 Millionen Euro. Im Vergleichszeitraum 2025 lag das Minus bei 43 Millionen Euro.
Vor allem höhere Kerosinpreise belasteten das Ergebnis. Nach Angaben der Airline stiegen die Treibstoffkosten trotz Preisabsicherungen um mehr als 60 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr.
Zusätzlich strich Austrian Airlines aus Sicherheitsgründen mehrere Verbindungen in den Nahen und Mittleren Osten. Dadurch entstanden laut Unternehmen weitere Ergebnisausfälle im zweistelligen Millionenbereich.
Neben Graz pausiert die AUA vorläufig auch Flüge nach Tiflis, Keflavik und Porto. Gleichzeitig reduziert das Unternehmen mehrere Übernachtungen von Flugzeugen und Besatzungen an auswärtigen Flughäfen.



























































