
Drei Grazer Universitäten wollen junge Forschungsunternehmen schneller für internationale Geldgeber fit machen. Dafür gründen sie gemeinsam den neuen „Innovation Hub Graz“, kurz iHub Graz.
Die Medizinische Universität Graz, die Universität Graz und die TU Graz tragen das Projekt gemeinsam. Jede Hochschule hält ein Drittel an der neuen Transfergesellschaft.
In den kommenden sieben Jahren stellen die Universitäten insgesamt rund sechs Millionen Euro bereit. Der iHub soll vielversprechende Spin-offs bis zur nächsten großen Finanzierungsrunde begleiten.
Neue Anlaufstelle für internationale Investoren
Viele akademische Gründer entwickeln gute Technologien, finden aber nicht rechtzeitig ausreichend Kapital. Besonders nach der Firmengründung entsteht oft eine schwierige Phase ohne stabile Finanzierung.
Genau hier soll der iHub Graz eingreifen und geeignete Unternehmen gezielt weiterentwickeln. Er bereitet sie auf Gespräche mit Risikokapitalgebern und anderen Investoren vor.
Dabei bündelt der iHub Graz erstmals die Interessen aller drei beteiligten Hochschulen. Investoren erhalten dadurch eine zentrale Anlaufstelle statt mehrerer universitärer Ansprechpartner.
Klare Regeln für Patente, Lizenzen und Beteiligungen sollen Verhandlungen zusätzlich vereinfachen. Gleichzeitig bleiben die betreuten Firmen eng mit ihren jeweiligen Universitäten verbunden.
Der iHub ergänzt damit bestehende Angebote wie Gründungsgarage, Science Park Graz und Unicorn Graz. Diese Einrichtungen unterstützen Forschende und Studierende bereits in früheren Phasen ihrer Projekte.
Scouts suchen geeignete Forschungsprojekte
Mitarbeiter an den drei Universitäten sollen aussichtsreiche Projekte künftig früh erkennen. Dabei prüfen sie unter anderem Patente, Teams, Geschäftsmodelle und mögliche Absatzmärkte.
Erfüllt ein Projekt festgelegte Kriterien, kann es in den iHub Graz wechseln. Dort erhalten die Gründer Mentoring, Kontakte und Hilfe bei rechtlichen Fragen.
Der iHub übernimmt außerdem Aufgaben rund um Patente und andere geistige Eigentumsrechte. Die Rechte bleiben dabei weiterhin eng mit den beteiligten Hochschulen verknüpft.
Vor oder kurz nach der Firmengründung organisiert die Gesellschaft zusätzliches Kapital. Dieses Geld soll den Unternehmen weitere zwölf bis 18 Monate Entwicklung ermöglichen.
Anschließend sollen Venture-Capital-Gesellschaften oder andere professionelle Investoren die Finanzierung übernehmen. Der iHub zieht sich danach aus dem Tagesgeschäft des Unternehmens zurück.
Die Transfergesellschaft bleibt jedoch als stiller Anteilseigner mit dem Spin-off verbunden. Dadurch könnten langfristig auch finanzielle Rückflüsse an die Universitäten entstehen.
Bessere Position bei Kapitalverhandlungen
Die Hochschulen wollen mit dem gemeinsamen Modell vor allem die Verhandlungsposition junger Firmen stärken. Professionelle Abläufe sollen höhere Bewertungen und bessere Vertragsbedingungen ermöglichen.
Zudem können Gründer ihre Technologien weiterentwickeln, bevor sie große Unternehmensanteile abgeben müssen. Das verringert den Druck bei frühen Gesprächen mit Kapitalgebern.
Die Universitätsleitungen erwarten daher auch einen wirtschaftlichen Nutzen für den Standort. Forschungsergebnisse sollen schneller zu Produkten, Dienstleistungen und neuen Unternehmen führen.
Die Rektoren Horst Bischof und Peter Riedler sowie Vizerektor Alexander Rosenkranz betonen dabei die gemeinsame Verantwortung. Entscheidend seien konkrete Ergebnisse statt universitärer Zuständigkeitsgrenzen.
Internationale Suche nach Geschäftsführung
Der Aufbau des iHub Graz startet mit einer festgelegten Anfangsphase. Parallel schreiben die Universitäten die Geschäftsführung international aus.
Gesucht wird eine Person mit Erfahrung bei Innovationszentren und akademischen Ausgründungen. Sie soll den iHub strategisch aufbauen und langfristig am Markt verankern.
Die mehrjährige Finanzierung soll der neuen Geschäftsführung dabei ausreichend Planungssicherheit geben. Kurzfristige Budgetdebatten sollen den Aufbau möglichst wenig beeinflussen.
Nach Angaben der Universitäten soll die Organisation bewusst klein und handlungsfähig bleiben. Gleichzeitig greift sie auf Infrastruktur und Wissen der drei Hochschulen zurück.
Rund zehn Spin-offs gleichzeitig im Programm
Die Verantwortlichen rechnen dauerhaft mit etwa zehn betreuten Unternehmen im iHub Graz. Sie wählen dafür nur Projekte mit besonders guten wirtschaftlichen und technischen Aussichten aus.
An möglichen Kandidaten dürfte es in Graz grundsätzlich nicht fehlen. Die drei Universitäten brachten innerhalb von zehn Jahren rund 200 Ausgründungen hervor.
Viele dieser Firmen arbeiten in den Bereichen Medizin, Biotechnologie und moderne Diagnostik. Dazu zählen unter anderem Innophore, PureSurf, Cycuria, BRAVE Analytics und elyte diagnostics.
Weitere Unternehmen beschäftigen sich mit künstlicher Intelligenz, Cybersicherheit und klimafreundlicher Technik. Beispiele dafür sind TACEO, Leftshift One, Easelink und ProtectLIB.
Diese Firmen schaffen hochqualifizierte Arbeitsplätze und bringen Forschungsergebnisse in wirtschaftliche Anwendungen. Der neue iHub soll diesen Prozess künftig beschleunigen und besser finanzieren.
Zehn Millionen Euro für die Wachstumsphase
Parallel zum Universitätsprojekt startet in der Steiermark eine weitere Kapitalinitiative. Das Land und die Raiffeisen-Landesbank Steiermark stellen dafür zehn Millionen Euro bereit.
Das Angebot richtet sich an Start-ups und Scale-ups unter zehn Jahren. Sie müssen ihr Geschäftsmodell bereits am Markt getestet haben oder deutlich wachsen.
Beide Programme sollen unterschiedliche Phasen der Unternehmensentwicklung abdecken. Der iHub bereitet akademische Spin-offs zunächst auf größere Investitionen vor.
Die Kapitalinitiative unterstützt anschließend Unternehmen, die Produkte verkaufen und ihr Geschäft ausbauen. Damit könnten auch Firmen aus dem iHub später zusätzliches Wachstumskapital erhalten.
Graz will Venture-Capital-Standort werden
Die drei Hochschulen verfolgen mit dem iHub auch ein regionales Ziel. Erfolgreiche Spin-offs sollen möglichst lange in Graz und der Steiermark bleiben.
Dadurch könnten neue Arbeitsplätze, Forschungskooperationen und Aufträge für regionale Betriebe entstehen. Gleichzeitig soll Graz für internationale Investoren sichtbarer werden.
Besonders gute Chancen sehen die Universitäten bei DeepTech, Life Sciences und Medizintechnik. Diese Branchen benötigen meist viel Kapital und lange Entwicklungszeiten.
Der iHub knüpft dabei an bestehende Kooperationen der Grazer Hochschulen an. Dazu gehören etwa BioTechMed-Graz und die naturwissenschaftliche Zusammenarbeit innerhalb von NAWI Graz.
BioTechMed-Graz verbindet seit 2013 medizinische, naturwissenschaftliche und technische Forschung. Die Partner teilen Infrastruktur und arbeiten gemeinsam an wichtigen Gesundheitsthemen.
Mit dem iHub erweitern die Universitäten diese Zusammenarbeit nun um einen wirtschaftlichen Schwerpunkt. Gute Forschung soll dadurch häufiger zu wettbewerbsfähigen Unternehmen aus der Steiermark führen.





























































