In Graz fiel am 28. Juni die Entscheidung über die politische Zukunft der Stadt. Bei der Gemeinderatswahl 2026 wählten die Grazerinnen und Grazer den neuen Gemeinderat. Außerdem standen die Bezirksräte und der Migrant:innenbeirat zur Wahl.
Die KPÖ gewinnt die Gemeinderatswahl Graz 2026 klar. Sie legt deutlich zu, führt in 12 von 17 Bezirken und baut ihre Mandatszahl aus. Die ÖVP bleibt Zweite, die Grünen verlieren, die FPÖ legt moderat zu. Die SPÖ fällt weiter zurück.
Nun liegt das amtliche Wahlergebnis inklusive aller Briefwahlstimmen vor:
29.06.2026 21 Uhr 279 von 279 Sprengel mit Wahlkarten
| Partei | Stimmen | Prozent | Mandate | Veränderung zu 2021 |
|---|---|---|---|---|
| KPÖ | 43.145 | 35,70 % | 18 | +6,86 Prozentpunkte, +3 Mandate |
| ÖVP | 30.554 | 25,28 % | 13 | -0,63 Prozentpunkte, Mandate unverändert |
| Grüne | 18.066 | 14,95 % | 7 | -2,37 Prozentpunkte, -2 Mandate |
| FPÖ | 14.509 | 12,00 % | 6 | +1,39 Prozentpunkte, +1 Mandat |
| SPÖ | 6.802 | 5,63 % | 2 | -3,90 Prozentpunkte, -2 Mandate |
| NEOS | 5.951 | 4,92 % | 2 | -0,50 Prozentpunkte, Mandate unverändert |
| KFG | 822 | 0,68 % | 0 | – |
| MFG | 334 | 0,28 % | 0 | – |
| PIRAT | 307 | 0,25 % | 0 | -0,14 Prozentpunkte, Mandate unverändert |
| GAZA | 247 | 0,20 % | 0 | – |
| DBÖ | 130 | 0,11 % | 0 | – |
Die Wahlbeteiligung liegt derzeit bei 54,17 Prozent. Zum Vergleich: Bei der Gemeinderatswahl 2021 lag die Wahlbeteiligung laut Stadt Graz bei 54 Prozent.
Wer liegt bei der Graz-Wahl 2026 vorne?
Nach endgültigem Stand ist die die KPÖ auf Platz 1. Hier haben wir die erste Stellungnahme von Elke Kahr im Rathaus:
Was haltest du vom Sieg von Elke Kahr? Diskutiere auf Facebook zum Video mit.
Die KPÖ bleibt nicht nur stärkste Kraft, sondern baut ihren Vorsprung weiter aus. Während sie 2021 bereits überraschend stark war, zeigt das aktuelle Ergebnis eine Stabilisierung und Ausweitung ihrer Machtbasis.
Die ÖVP hält sich relativ stabil, verliert aber die Rolle als ernsthafte Herausforderin um Platz eins. Die GRÜNEN verlieren deutlich, bleiben aber dritte Kraft. Die FPÖ profitiert vom bundesweiten Trend nach rechts, aber nicht stark genug für einen Durchbruch. Die SPÖ setzt ihren Abwärtstrend fort und fällt auf ein historisch schwaches Niveau.

Mögliche Mehrheiten im Grazer Rathaus
KPÖ und Grüne haben nach aktuellen Stand eine Mehrheit im Gemeinderat.
Reaktionen zur Gemeinderatswahl in Graz

Elke Kahr (KPÖ):
Ich möchte mich bei allen Grazerinnen und Grazern bedanken, die von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht und an der Wahl teilgenommen haben. Ich bin erleichtert und glücklich, dass es eine so deutliche Zustimmung zum 2021 eingeschlagenen Kurs gibt. Umso mehr möchte ich mich bei allen bedanken, die meiner Partei ihr Vertrauen ausgesprochen haben.
Ich danke allen, die der KPÖ und mir ihr Vertrauen ausgesprochen haben. Mein Dank gilt auch den Kolleginnen und Kollegen vom Referat Meldewesen und Wahlen mit Leiter Wolfgang Schwartz, die die Wahl bestens und umsichtig organisiert haben, und allen Mitgliedern des Gemeinderats und der Stadtregierung, die in den vergangenen fünf Jahren konstruktiv zu einer positiven Entwicklung unserer Stadt beigetragen haben. Besonders gilt das für die Grünen und die Sozialdemokratie, mit denen die koalitionäre Zusammenarbeit immer in sachlicher und wertschätzender Weise gelungen ist.
In einer von vielen Krisen geprägten Zeit konnte vieles für Graz erreicht werden, was lange Zeit Bestand haben wird. Mir und meinen Kollegen in der Stadtregierung, Manfred Eber und Robert Krotzer, war immer wichtig, dass Politik dem Gemeinwohl und dem sozialen Zusammenhalt dienen soll. So habe ich vor fünf Jahren den Auftrag der Wählerinnen und Wähler verstanden, und das wird auch in den kommenden Jahren unsere Grundhaltung bleiben und die Politik der KPÖ bestimmen.
Der Wahltermin im Juni war wichtig, damit die Periode regulär enden konnte und der neu gewählte Gemeinderat lückenlos seine Arbeit aufnehmen kann. Vorrangig ist nun die Erstellung eines Budgets. Die Arbeit muss weitergehen, damit die Weichen für die kommenden Jahre in bestmöglicher Weise gestellt werden können. Dafür werden in den nächsten Tagen Gespräche mit allen Parteien über Möglichkeiten einer künftigen Zusammenarbeit stattfinden.
Philipp Pointner (Neos):
Ich gratuliere der Bürgermeisterin zum Wahlsieg. Wir konnten unsere Mandate unter schwierigen Rahmenbedingungen halten. Der stark inszenierte Zweikampf an der Spitze hat es kleineren Parteien nicht leicht gemacht. Wir bleiben aber, was wir immer waren: eine klare, konstruktive und unbequeme Kontrollkraft im Grazer Gemeinderat.
Doris Kampus (SPÖ)
Das ist ein sehr schmerzhafter Tag für die Grazer SPÖ. Wir haben beide Wahlziele deutlich verfehlt und können dieses Votum der Grazerinnen und Grazer nur zur Kenntnis nehmen. Wir haben auf die Themen Gesundheit und Pflege gesetzt und ein klares inhaltliches Angebot gemacht, das nicht angenommen wurde. Offensichtlich konnte Elke Kahr sehr viele WählerInnen von Grünen und uns für sich gewinnen. Wir gratulieren herzlich zu diesem Erfolg. Die weiteren Schritte werden wir in den morgigen Sitzungen beraten.
Aktualisierung vom 29. Juni, 21 Uhr: Doris Kampus tritt zurück.
KFG
Wir möchten uns in erster Linie bei unseren Wählern, die uns heute bei der Wahl ihr Vertrauen ausgesprochen haben, bedanken und selbstverständlich auch bei unseren zahlreichen Unterstützern, die sich besonders in den letzten Wochen im Wahlkampf engagiert haben! Aufgrund des Ergebnisses werden wir das politische Projekt „KFG“ jedoch nicht weiterverfolgen.
In der Pressekonferenz am Wahlabend kritisierten FPÖ und ÖVP den Wahltermin wie hier in unserem Video auf Facebook zu sehen:
Elf Parteien und Listen traten bei der Graz-Wahl an
Bei der Gemeinderatswahl 2026 traten elf Parteien und Listen an. Die Wahlkommission hat damit weniger Listen zugelassen als 2021, als 14 Parteien auf dem Stimmzettel standen. Wahlberechtigt waren laut ORF Steiermark 225.883 Menschen.
Neben den bereits im Gemeinderat vertretenen Parteien kandidierten auch neue beziehungsweise wieder antretende Listen. Dadurch blieb nicht nur der Kampf um Platz eins spannend, sondern auch die Frage, welche kleineren Parteien den Einzug schaffen.
Ergebnisse aus den 17 Bezirken
| Wahlbeteiligung | Gültige Stimmen | KPÖ | ÖVP | GRÜNE | FPÖ | SPÖ | NEOS | Stärkste Partei | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 01 Innere Stadt | 57,15 % | 1.479 | 40,84 % | 25,83 % | 15,28 % | 8,32 % | 3,65 % | 5,00 % | KPÖ |
| 02 St. Leonhard | 62,03 % | 7.309 | 40,21 % | 22,16 % | 20,59 % | 6,53 % | 3,79 % | 5,28 % | KPÖ |
| 03 Geidorf | 62,78 % | 11.798 | 37,90 % | 24,58 % | 18,72 % | 7,43 % | 4,23 % | 5,91 % | KPÖ |
| 04 Lend | 43,54 % | 9.523 | 43,22 % | 16,86 % | 15,26 % | 12,57 % | 6,76 % | 3,34 % | KPÖ |
| 05 Gries | 36,57 % | 6.670 | 49,03 % | 14,53 % | 12,70 % | 12,92 % | 5,37 % | 2,28 % | KPÖ |
| 06 Jakomini | 49,87 % | 11.836 | 45,27 % | 19,16 % | 14,83 % | 10,07 % | 4,90 % | 4,34 % | KPÖ |
| 07 Liebenau | 48,07 % | 5.877 | 30,68 % | 28,06 % | 9,77 % | 18,38 % | 6,98 % | 4,58 % | KPÖ |
| 08 St. Peter | 62,04 % | 8.141 | 28,65 % | 33,21 % | 17,10 % | 9,53 % | 4,58 % | 5,69 % | ÖVP |
| 09 Waltendorf | 64,59 % | 6.397 | 27,25 % | 35,45 % | 16,60 % | 8,44 % | 4,39 % | 6,99 % | ÖVP |
| 10 Ries | 61,94 % | 3.134 | 28,17 % | 32,77 % | 16,88 % | 9,51 % | 4,69 % | 6,76 % | ÖVP |
| 11 Mariatrost | 66,44 % | 5.277 | 26,45 % | 36,74 % | 17,04 % | 8,34 % | 3,85 % | 6,52 % | ÖVP |
| 12 Andritz | 65,34 % | 10.109 | 28,21 % | 32,53 % | 16,47 % | 10,13 % | 6,33 % | 5,29 % | ÖVP |
| 13 Gösting | 46,23 % | 3.670 | 32,62 % | 25,29 % | 10,38 % | 17,55 % | 6,68 % | 5,67 % | KPÖ |
| 14 Eggenberg | 47,15 % | 8.440 | 38,32 % | 20,94 % | 14,16 % | 13,71 % | 6,66 % | 4,45 % | KPÖ |
| 15 Wetzelsdorf | 47,14 % | 5.989 | 33,04 % | 24,03 % | 9,80 % | 19,99 % | 8,10 % | 3,27 % | KPÖ |
| 16 Straßgang | 44,60 % | 6.948 | 30,08 % | 26,12 % | 8,95 % | 21,45 % | 7,87 % | 3,96 % | KPÖ |
| 17 Puntigam | 38,80 % | 3.182 | 30,96 % | 24,42 % | 8,61 % | 23,63 % | 6,63 % | 3,83 % | KPÖ |
Wann steht das endgültige Ergebnis fest?
Am Wahlabend liegt zunächst ein vorläufiges Ergebnis vor. Danach folgen weitere Auszählungsschritte. Sobald die Stadt Graz neue Zahlen veröffentlicht, aktualisieren wir diesen Artikel.
Die wichtigsten Fragen zur Graz-Wahl 2026
Wann schließen die Wahllokale in Graz?
Die Wahllokale schließen am Sonntag, 28. Juni 2026, um 16 Uhr. Die Wahlzeit läuft von 7 bis 16 Uhr.
Wann gibt es erste Ergebnisse?
Die Stadt Graz veröffentlicht am Wahltag Ergebnisse ab dem ersten ausgezählten Sprengel.
Was wird in Graz gewählt?
Graz wählt den Gemeinderat, die Bezirksräte und den Migrant:innenbeirat.
Wer darf bei der Gemeinderatswahl wählen?
Wahlberechtigt sind Personen ab 16 Jahren, die am Stichtag 17. April 2026 ihren Hauptwohnsitz in Graz hatten und die jeweiligen Voraussetzungen erfüllen. Für Gemeinderat und Bezirksräte gilt das für österreichische Staatsbürger:innen und Bürger:innen anderer EU-Staaten.
Wie wird berechnet, wer in den Gemeinderat einzieht?
Damit eine Partei in den Grazer Gemeinderat einzieht, muss sie genug Stimmen erreichen, um bei der Mandatsberechnung mindestens einen Sitz zu erhalten. Die 48 Gemeinderatssitze verteilt die Wahlbehörde nach dem d’Hondt-Verfahren auf die kandidierenden Parteien und Listen.
Dafür werden die Stimmen jeder Partei rechnerisch geteilt: zuerst durch 1, dann durch 2, 3, 4 und so weiter. Aus allen so entstehenden Zahlen entsteht eine gemeinsame Rangliste. Da der Grazer Gemeinderat 48 Sitze hat, ist die 48. höchste Zahl entscheidend. Sie bildet die sogenannte Wahlzahl.
Anschließend wird geprüft, wie oft diese Wahlzahl in der Stimmenzahl einer Partei enthalten ist. Daraus ergibt sich, wie viele Mandate die jeweilige Partei erhält. Wer bei dieser Berechnung kein Mandat erreicht, zieht nicht in den Gemeinderat ein.
































































