In Graz startet die Stadt den nächsten Schritt im Kampf gegen die Tigermücke. Am 18. Juni 2026 begann das Gesundheitsamt mit der ersten Freisetzung steriler Tigermückenmännchen am Weblinger Gürtel. Nach dem Pilotprojekt im Vorjahr erweitert Graz die Maßnahme nun auf größere Gebiete und über einen längeren Zeitraum.
Die Stadt konzentriert sich 2026 auf ausgewählte Bereiche in Liebenau, Jakomini und Straßgang. Über zehn Wochen hinweg sollen wöchentlich bis zu 200.000 sterile männliche Tigermücken freigesetzt werden. Die Männchen stechen nicht. Sie sollen sich mit wildlebenden Weibchen paaren. Aus diesen Paarungen entsteht dann kein Nachwuchs.
Sterile Mücken als Teil eines größeren Plans
Graz setzt nicht nur auf eine einzelne Maßnahme. Vielmehr kombiniert das Gesundheitsamt mehrere Ansätze: Monitoring, Beratung vor Ort, Behandlung von Brutstätten, technische Lösungen in Regeneinläufen, Schulprojekte und die Freisetzung steriler Männchen.
Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer betont, dass die Stadt langfristig handeln müsse: „Die Tigermücke ist gekommen, um zu bleiben. Deshalb bleiben wir dran.“ Gleichzeitig verweist er auf die Rolle der Bevölkerung. Denn viele Brutstätten entstehen nicht im großen Stil, sondern in kleinen Wasserstellen auf Balkonen, in Innenhöfen, Gärten oder Heimgärten.
Was sich gegenüber 2025 ändert
Bereits 2025 testete Graz die sterile Insekten-Technik in einem kleineren Gebiet. Laut Stadt sammelte das Gesundheitsamt dabei wichtige Daten. Die sterilen Männchen konnten sich unter Grazer Bedingungen gegen wildlebende Männchen behaupten. Deshalb weitet die Stadt die Methode nun aus.
Neu ist vor allem der größere Umfang. Die Stadt vergrößert die Einsatzgebiete, verlängert die Freisetzungsdauer und verbindet die Maßnahme stärker mit Beratung, Technik und Aufklärung. Dadurch soll der Effekt über die Saison hinweg stabiler werden.
ZikaSeal soll Kanalschächte absichern
Ein weiterer Baustein ist das System ZikaSeal. Die Stadt testet es in ausgewählten Regeneinläufen. Dabei verschließt eine mechanische Vorrichtung den Zugang zum Kanalschacht und öffnet sich nur, wenn Wasser abfließen muss. So sollen Tigermücken nicht in die Schächte gelangen und dort Eier ablegen.
Nach Angaben der Stadt funktionierte das System auch bei starken Regenfällen. Außerdem soll es Gerüche im Bereich der betroffenen Regeneinläufe verringert haben. Die Stadt beobachtet und bewertet den Einsatz weiter.
Schulen werden im Kampf gegen die Tigermücke wieder eingebunden
Auch Kinder und Jugendliche sollen 2026 eine Rolle spielen. Über das Projekt Tigermückendetektiv bekommen Schülerinnen und Schüler Informationen zur Tigermücke, zu möglichen Brutstätten und zu einfachen Gegenmaßnahmen im Alltag.
Die Idee dahinter: Kinder tragen das Wissen in Familien, Wohnhäuser und Nachbarschaften weiter. Gerade kleine Wasserstellen können entscheidend sein. Dazu zählen etwa Blumentopfuntersetzer, Gießkannen, Regentonnen, Vogeltränken oder Spielzeug, in dem sich Wasser sammelt.
Gesundheitsamt setzt stärker auf Vor-Ort-Beratung
Das Gesundheitsamt informiert heuer verstärkt direkt in betroffenen Stadtteilen. Dafür hat die Stadt zusätzliches Personal angestellt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verteilen Türhänger, beraten vor Ort und führen Besichtigungen durch.
Dabei geht es laut Stadt nicht um Kontrolle, sondern um konkrete Unterstützung. Fachleute sollen zeigen, wo Brutstätten entstehen und wie Hausgemeinschaften, Betriebe oder Heimgärten die Mückenpopulation senken können. Dafür braucht das Gesundheitsamt jedoch Zugang zu privaten Bereichen.
Tigermücken-Experte Erwin Wieser erklärt dazu: „Eine Schwalbe macht noch keinen gemütlichen Sommer – entscheidend ist die konsequente Arbeit über die ganze Saison und darüber hinaus.“
Graz fordert Unterstützung vom Bund
Die Stadt sieht die Tigermücke nicht nur als Grazer Problem. Deshalb unterstützt das Gesundheitsamt auch Umlandgemeinden mit Fachwissen und Vorträgen. Am 18. Juni 2026 findet etwa eine Infoveranstaltung in Seiersberg-Pirka statt.
Gesundheitsamtsleiterin Eva Winter fordert außerdem mehr nationale Unterstützung. Aus ihrer Sicht sollte Österreich gemeinsam mit der AGES und der IAEA Produktionskapazitäten für sterile Tigermücken aufbauen. Kürzere Transportwege würden laut Winter die Planung erleichtern und die Qualität sichern.
Was Grazerinnen und Grazer jetzt tun können
Die Stadt ruft die Bevölkerung dazu auf, stehendes Wasser regelmäßig zu entfernen oder abzudecken. Wichtig ist auch, Gefäße nicht nur auszuleeren, sondern auszuwischen. Die Eier der Tigermücke können Trockenphasen überstehen.
Besonders im Blick behalten sollte man:
- Regentonnen, Vogeltränken und Planschbecken
- Blumentopfuntersetzer und Gießkannen
- Kübel, Scheibtruhen und Kinderspielzeug
- verstopfte Regenrinnen
- kleine Wasserstellen in Höfen, Gärten und auf Balkonen
Funde können Grazerinnen und Grazer über die App Mosquito Alert oder direkt beim Gesundheitsamt melden.






















































