Die Tigermücke bleibt für viele Grazerinnen und Grazer ein spürbares Ärgernis. Sie ist tagaktiv, aggressiv und kann potenziell Krankheiten übertragen. Nach den messbaren Erfolgen des Pilotprojekts im Sommer 2025 stellt die Stadt Graz nun die Weichen für 2026. Dabei setzt das Gesundheitsamt auf einen Mix aus Wissenschaft, gezieltem Einsatz und konsequenter Prävention.
Die Ergebnisse des Pilotprojekts im Überblick
- Rund 800.000 sterile Tigermücken-Männchen wurden über sieben Wochen freigesetzt
- Untersuchungsgebiet: rund 15 Hektar Aktionsgebiet plus Kontrollgebiet
- Etwa 70 Prozent der gesammelten Eier waren nicht lebensfähig
- Deutliche Reduktion der weiblichen Tigermücken im Behandlungsgebiet
- Nachweis, dass sterile Männchen mit wilden Männchen konkurrenzfähig sind
- Wirksamkeit auch in dicht bewachsenen, urbanen Räumen bestätigt
Hier unser Video von der heutigen Pressekonferenz mit allen Details:
Fortsetzung der SIT-Methode
Die sogenannte Sterile-Insekten-Technik soll auch 2026 zum Einsatz kommen. Graz versteht diese Methode nicht als kurzfristiges Experiment, sondern als langfristigen Baustein der Tigermücken-Bekämpfung. Die Studienergebnisse aus dem Vorjahr zeigen, dass sich die Fortpflanzung der Tigermücke deutlich reduzieren lässt, wenn sterile Männchen gezielt eingesetzt werden.
Gleichzeitig kommuniziert die Stadt bewusst realistisch. Die Methode soll die Population eindämmen, nicht ausrotten. Sie ergänzt bestehende Maßnahmen dort, wo klassische Bekämpfung allein nicht mehr ausreicht.
Hotspots statt Gießkannenprinzip
Ein zentraler Schwerpunkt für 2026 liegt auf der gezielten Bearbeitung sogenannter Hotspots. Mithilfe von Monitoring, Fallen, Rückmeldungen aus der Bevölkerung sowie digitalen Meldesystemen identifiziert das Gesundheitsamt jene Bereiche, in denen sich die Tigermücke besonders stark vermehrt.
Gerade Kleingartenanlagen spielen dabei eine Schlüsselrolle. Dichte Bepflanzung, zahlreiche Wasserstellen und enge Nachbarschaften begünstigen die Ausbreitung. Gleichzeitig zeigt sich hier besonders deutlich, wie wirksam gemeinsames Handeln sein kann.
Da sich Tigermücken meist nur wenige hundert Meter bewegen, erzielen Maßnahmen in diesen Bereichen eine direkte Wirkung für die betroffenen Anrainer:innen.
Wissenschaft als Entscheidungsgrundlage
Auch 2026 stützt sich die Stadt Graz auf wissenschaftliche Begleitung. Expert:innen sollen weiterhin analysieren, wie viele sterile Männchen notwendig sind, über welchen Zeitraum sie freigesetzt werden sollten und welche Gebiete besonders profitieren.
Diese Daten bilden die Grundlage für politische, organisatorische und budgetäre Entscheidungen. Gerade weil finanzielle und personelle Ressourcen begrenzt sind, will die Stadt Maßnahmen datenbasiert steuern und gezielt dort einsetzen, wo sie den größten Nutzen bringen.
Prävention bleibt das wichtigste Standbein
Trotz moderner Methoden bleibt die klassische Prävention auch 2026 der entscheidende Faktor. Stehendes Wasser in Blumentopfuntersetzern, Regentonnen, Gießkannen oder Kellerräumen bleibt die größte Brutquelle der Tigermücke.
Deshalb plant Graz, die Aufklärungsarbeit weiter auszubauen. Tür-zu-Tür-Gespräche, Beratungen in Nachbarschaften, Kooperationen mit Vereinen und gezielte Informationskampagnen bleiben fixer Bestandteil der Strategie. Wer im eigenen Umfeld konsequent handelt, profitiert unmittelbar.
Ein weiterer Baustein für 2026 ist die stärkere Einbindung digitaler Meldesysteme. Hinweise aus der Bevölkerung helfen dem Gesundheitsamt, aktuelle Brennpunkte rasch zu erkennen und Ressourcen effizient einzusetzen. Diese Rückmeldungen ergänzen das klassische Monitoring und ermöglichen eine schnellere Reaktion.
Freiwilligkeit statt Zwang
Ein strukturelles Problem bleibt auch 2026 bestehen. Die Bekämpfung der Tigermücke ist derzeit eine kommunale Aufgabe. Rechtliche Verpflichtungen für Private gibt es nicht. Das Gesundheitsamt kann beraten und informieren, aber niemanden zwingen, Brutstätten zu entfernen.
Deshalb setzt Graz weiterhin auf Überzeugung, Eigenverantwortung und Nachbarschaftsengagement. Besonders dort, wo mehrere Haushalte gemeinsam handeln, zeigen sich nachhaltige Effekte.
Graz als Modellstadt mit Signalwirkung
Mit dieser Strategie nimmt Graz eine besondere Rolle ein. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen nicht nur in die eigene Planung ein, sondern dienen auch anderen Städten als Orientierung. Denn die Tigermücke kennt keine Gemeinde- oder Landesgrenzen.
Zusammengefasst verfolgt Graz für 2026 einen klaren und realistischen Kurs: gezielter Einsatz der SIT-Methode, Fokus auf Hotspots, wissenschaftliche Begleitung und konsequente Einbindung der Bevölkerung. Die Ergebnisse aus 2025 zeigen, dass dieser Mix wirkt.
Der Sommer 2026 wird die Tigermücke nicht verschwinden lassen. Er soll aber für viele Grazerinnen und Grazer spürbar entlasteter werden als in den Jahren zuvor.






















































