Start Graz Chronik Oberst Wasinger: Kein realistischer Regimewechsel im Iran

Oberst Wasinger: Kein realistischer Regimewechsel im Iran

Oberst Wasinger
Matthias Wasinger, Oberst des Generalstabsdienstes (Archivbild Inside Graz)

Der österreichische Militärexperte Oberst Matthias Wasinger bewertet die aktuelle Eskalation zwischen den USA, Israel und dem Iran zurückhaltend in Bezug auf einen möglichen Regimewechsel in Teheran. Im Gespräch mit derStandard vom 1. März 2026 erklärt er, dass es derzeit keine belastbaren Hinweise darauf gebe, dass ein erzwungener Machtwechsel im Iran funktionieren werde.

Regimewechsel laut Wasinger unwahrscheinlich

Nach Einschätzung Wasingers zielen die militärischen Operationen der USA und Israels nicht nur auf das iranische Atomprogramm, sondern darüber hinaus auf eine grundlegende politische Veränderung im Land. Die bisherigen Angriffe hätten zentrale Führungsfiguren sowie militärische und nukleare Infrastruktur getroffen. Dennoch unterscheide sich die aktuelle Lage deutlich von historischen Beispielen wie dem Irakkrieg. Dort hätten ausländische Bodentruppen eine zentrale Rolle gespielt. Im Iran fehle sowohl eine tragfähige interne Opposition als auch ein militärisches Konzept für eine externe Machtübernahme.

Selbst nach der Tötung des geistlichen Oberhaupts Ali Khamenei sei das System laut Wasinger weiterhin handlungsfähig. Die Revolutionsgarden verfügten über militärische, politische und wirtschaftliche Machtmittel, die eine Fortführung staatlicher Strukturen ermöglichten. Eine Nachfolgeregelung sei wahrscheinlich, jedoch ohne grundlegenden Systemwechsel.

Militärische Lage und Eskalationsmanagement

Oberst Wasinger beschreibt die Reaktion Irans als bewusst dosiert. Teheran setze Raketen, Marschflugkörper und Drohnen ein, vermeide jedoch Schritte, die eine vollständige Eskalation auslösen würden. Dieses Vorgehen deute darauf hin, dass das Regime seine eigene Existenz aktuell nicht unmittelbar bedroht sehe.

Militärisch dominierten nach seiner Analyse die USA und Israel klar das Gefechtsfeld. Die iranische Luftverteidigung sei stark geschwächt, gezielte Schläge gegen militärische Führung und Infrastruktur bestimmten das Bild. Gleichzeitig verfüge der Iran über asymmetrische Optionen, etwa durch regionale Stellvertreter oder durch Druck auf strategisch wichtige Seewege wie die Straße von Hormuz.

Globale Auswirkungen möglich

Eine stärkere Eskalation könnte laut Wasinger erhebliche wirtschaftliche Folgen haben. Bereits begrenzte militärische Maßnahmen hätten Auswirkungen auf Energiepreise und Schifffahrt gezeigt. Eine Blockade der Straße von Hormuz würde den Konflikt von einer regionalen auf eine globale Ebene heben. Davon wären insbesondere energieabhängige Staaten betroffen.

Zudem bindet der anhaltende Konflikt erhebliche US-Militärressourcen im Nahen Osten, obwohl Washington strategisch eigentlich einen stärkeren Fokus auf Asien anstrebt.

Kurzfristig rechnet Wasinger eher mit einer Fortsetzung kontrollierter militärischer Auseinandersetzungen als mit einem raschen politischen Umbruch. Eine grundlegende Entspannung erscheint aus seiner Sicht derzeit nicht absehbar.

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derstandard.at

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