Start Graz Chronik 6.505 Einsätze: Grazer Berufsfeuerwehr vor neuen Aufgaben

6.505 Einsätze: Grazer Berufsfeuerwehr vor neuen Aufgaben

Stadtrat Manfred Eber und Branddirektor Gernot Ranftl vor einem der drei neuen Drehleiterfahrzeuge
Stadtrat Manfred Eber und Branddirektor Gernot Ranftl vor einem der drei neuen Drehleiterfahrzeuge

Die Berufsfeuerwehr Graz hat ein einsatzreiches Jahr hinter sich. 2025 rückten die Einsatzkräfte 6.505 Mal aus. Dabei retteten sie 716 Menschen und schützten Sachwerte im Ausmaß von rund 2,6 Millionen Euro. Bei einer Pressekonferenz auf der Feuerwache Süd zogen gestern Stadtrat Manfred Eber und Branddirektor Gernot Ranftl Bilanz über das vergangene Einsatzjahr und über die Investitionen der vergangenen fünf Jahre.

Die Zahlen zeigen: Die Feuerwehr löscht längst nicht nur Brände. Sie hilft bei Unwettern, Verkehrsunfällen, technischen Gebrechen, Tierrettungen, Aufzugsöffnungen und Wasserrettungen. Gleichzeitig verändern Bevölkerungswachstum, Klimakrise und neue Krisenszenarien die Anforderungen an die Einsatzkräfte.

6.505 Einsätze: Feuerwehr Graz im Dauereinsatz

Im Jahr 2025 verzeichnete die Berufsfeuerwehr Graz insgesamt 6.505 Einsätze. Davon entfielen 2.446 auf Brandeinsätze inklusive Brandmeldealarmierungen. Noch größer war der Anteil der technischen Hilfeleistungen: 4.059 Mal rückten die Einsatzkräfte dafür aus.

Dazu kamen 1.513 Tierrettungen und 220 Unwettereinsätze. Gerade diese Einsätze gewinnen laut Stadt und Feuerwehr zunehmend an Bedeutung. Starkregen, lokale Überflutungen, Sturmereignisse und umgestürzte Bäume fordern die Einsatzkräfte immer öfter.

Manfred Eber betonte bei der Pressekonferenz, dass die Feuerwehr rund um die Uhr einsatzbereit sei. Viele Menschen nehmen diese Sicherheit im Alltag als selbstverständlich wahr. Erst im Ernstfall zeigt sich, wie wichtig kurze Wege, moderne Ausrüstung und gut ausgebildetes Personal sind.

Feuerwehr ist mehr als Brandbekämpfung

Die Einsatzstatistik macht deutlich, wie breit die Aufgaben der Berufsfeuerwehr Graz inzwischen sind. Brände bleiben eine Kernaufgabe, doch technische Einsätze dominieren den Alltag. Dazu zählen etwa Unfälle, Wasserschäden, blockierte Aufzüge, Türöffnungen, Sturmschäden oder Hilfeleistungen nach Unwettern.

Branddirektor Gernot Ranftl verwies darauf, dass Feuerwehrarbeit nicht erst beim Alarm beginnt. Ausbildung, Wartung, Einsatzvorbereitung, vorbeugender Brandschutz und interne Abläufe nehmen einen großen Teil des Dienstes ein. Nur dadurch können die Einsatzkräfte im Ernstfall schnell und koordiniert handeln.

Auch Spezialbereiche spielen eine wichtige Rolle. Die Berufsfeuerwehr Graz deckt unter anderem Wasserrettung, Schadstoffdienst, Einsätze in Tiefgaragen und Tunneln sowie Aufgaben im vorbeugenden Brandschutz ab. Dazu kommt die Leitstelle, die laut Ranftl tagsüber für rund 500.000 Personen im Bereich Feuerwehrnotruf und Brandschutz relevant ist.

Neue Feuerwache Ost stärkt den Osten von Graz

Ein zentrales Projekt der vergangenen Jahre war die neue Feuerwache Ost am Dietrichsteinplatz. Der Standort gilt für die Berufsfeuerwehr als besonders wichtig, weil er östlich der Mur liegt und eine rasche Erreichbarkeit von Innenstadt, St. Leonhard, St. Peter und angrenzenden Bezirken ermöglicht.

Die alte Wache entsprach nicht mehr den heutigen Anforderungen. Mit dem Neubau entstanden moderne Arbeitsbedingungen, bessere Infrastruktur und mehr Aufenthaltsqualität für die Mannschaft. Eber bezeichnete den Neubau als längst überfällig und hob hervor, dass die Stadt damit einen wichtigen Standort erhalten konnte.

Für die Einsatzplanung spielt die Lage der Wache eine entscheidende Rolle. In einer wachsenden Stadt zählt jede Minute. Besonders bei Wohnungsbränden, Verkehrsunfällen oder Menschenrettungen kann eine kurze Anfahrt über Leben und Gesundheit entscheiden.

Acht Minuten bis zum Einsatzort als Ziel

Für viele Grazerinnen und Grazer besonders interessant ist die sogenannte Hilfsfrist. Gernot Ranftl erklärte, dass die Berufsfeuerwehr bei einem großen Teil der Haushalte innerhalb von acht Minuten mit der ersten Einheit vor Ort sein will. Nach seinen Angaben erreicht die Feuerwehr dieses Ziel bei mehr als 80 Prozent der Grazer Haushalte.

Nicht alle Randbereiche lassen sich in dieser Zeit abdecken. Trotzdem sieht die Berufsfeuerwehr Graz ihre zwei Hauptstandorte derzeit strategisch gut positioniert. Entscheidend bleibt, dass die Stadtentwicklung und die Feuerwehrplanung zusammenpassen. Wächst Graz weiter, steigen auch die Anforderungen an die Sicherheitsinfrastruktur.

Gerade der Süden von Graz entwickelt sich dynamisch. Deshalb rückt die Feuerwache Süd stärker in den Fokus. Sie sichert nicht nur einen Teil des Stadtgebiets ab, sondern dient auch als wichtiger Ausbildungsstandort.

Feuerwache Süd soll wichtiger Ausbildungsstandort bleiben

Feuerwache Süd

Die Pressekonferenz fand bewusst auf der Feuerwache Süd statt. Der Standort liegt zwar weniger zentral als die Feuerwache Ost, erfüllt aber eine zentrale Aufgabe für die Ausbildung. Laut Ranftl läuft dort das ganze Jahr über Ausbildungsbetrieb.

Anwärterinnen und Anwärter absolvieren dort ihre Grundausbildung. Gleichzeitig bildet die Berufsfeuerwehr am Standort Süd auch Führungskräfte weiter, etwa Gruppenkommandanten. Damit im Einsatz alles funktioniert, braucht es regelmäßige Schulungen, Übungen und realitätsnahe Vorbereitung.

Für die kommenden Jahre will die Stadt den Standort weiterentwickeln. Eber sprach davon, dass die Feuerwache Süd über kurz oder lang zusätzliche Investitionen brauche. Dabei müsse die Stadt jedoch auch die angespannte Budgetlage berücksichtigen.

Neue Fahrzeuge für Brände und Menschenrettung

Feuerwehr Drehleiter

Neben den Wachen investierte die Stadt auch in den Fuhrpark. Drei neue Löschfahrzeuge und drei neue Drehleiterfahrzeuge kamen in den vergangenen Jahren dazu. Gerade Drehleitern sind in einer dicht bebauten Stadt wie Graz besonders wichtig.

Sie helfen bei Bränden in höheren Gebäuden, bei Menschenrettungen aus Wohnungen und bei Einsätzen in engen Straßenzügen. Ranftl betonte, dass gut ausgebildete Einsatzkräfte auch moderne Fahrzeuge und Geräte brauchen. Ohne passende Ausrüstung könne selbst die beste Ausbildung ihre Wirkung nicht voll entfalten.

Die Modernisierung des Fuhrparks zählt daher zu den wichtigsten Maßnahmen, um die Schlagkraft der Berufsfeuerwehr zu erhöhen. Besonders im innerstädtischen Bereich erleichtern neue Fahrzeuge die Brandbekämpfung und die technische Hilfeleistung.

Mur wird belebter: Neues Jetboot spart wertvolle Zeit

Ein besonders greifbarer Punkt betrifft die Wasserrettung. Die Stadt schuf an der Mur ein neues Bootshaus und beschaffte ein neues Jetboot. Dadurch kann die Berufsfeuerwehr schneller auf Notfälle am Wasser reagieren.

Laut Gernot Ranftl bringt die neue Infrastruktur bei Einsätzen an der Mur eine Zeitersparnis von rund zehn Minuten. Das kann im Ernstfall entscheidend sein. Früher musste die Feuerwehr das Boot erst zeitaufwendig zum Wasser bringen. Nun steht es direkt im Einsatzbereich bereit.

Dieser Ausbau gewinnt an Bedeutung, weil die Mur in Graz immer stärker als Freizeit- und Aufenthaltsraum genutzt wird. Mehr Menschen am und im Umfeld des Flusses bedeuten zugleich ein höheres Risiko für Notfälle. Die Feuerwehr sieht sich durch das neue Bootshaus und das Jetboot besser vorbereitet.

Klimakrise verändert die Einsätze in Graz

Die Berufsfeuerwehr muss sich zunehmend auf Wetterextreme einstellen. Starkregen, lokale Überschwemmungen, längere Trockenperioden und Hitzebelastung verändern die Einsatzrealität. Laut Ranftl häufen sich vor allem lokale Überflutungen und Starkregenereignisse.

Bei drohenden Unwettern bereitet die Berufsfeuerwehr spezielle Einsatzstrukturen vor. Sie bewertet täglich die Wetterlage und kann bei entsprechender Warnstufe zusätzliche Abläufe aktivieren. Dann teilen die Wachen etwa Mannschaften in kleinere Trupps auf, um mehrere Einsatzstellen gleichzeitig schneller abarbeiten zu können.

Für die Bevölkerung zeigt sich das oft bei vollgelaufenen Kellern, umgestürzten Bäumen oder blockierten Straßen. Für die Feuerwehr bedeuten solche Ereignisse viele Einsätze in kurzer Zeit. Deshalb gewinnt Katastrophenschutz in der Stadt weiter an Bedeutung.

Waldbrandgefahr rückt näher an Graz heran

Auch Wald- und Vegetationsbrände beschäftigen die Berufsfeuerwehr stärker als früher. Trockenperioden erhöhen das Risiko, besonders in bewaldeten Bereichen am Stadtrand. Eber verwies auf einen größeren und länger dauernden Waldbrand im Norden von Graz sowie auf die groß angelegte Waldbrandübung vor ein paar Wochen, bei der mehrere Organisationen zusammenarbeiteten.

Die Übung zeigte laut Feuerwehr, dass die Zusammenarbeit mit Landesfeuerwehrverband, Bundesheer, Katastrophenschutz und weiteren Stellen gut funktioniert. Gleichzeitig erkannte die Berufsfeuerwehr Verbesserungspotenzial bei der Ausrüstung für schwer zugängliches Gelände.

Ranftl nannte dabei geländegängige Löschfahrzeuge als möglichen Bedarf. Solche Fahrzeuge könnten Einsatzkräfte näher an entlegene Brandstellen bringen und die Brandbekämpfung vom Boden aus erleichtern. Auch Drohnen spielen bei solchen Lagen eine immer wichtigere Rolle, etwa um Brandstellen aus der Luft zu erkunden.

Katastrophenschutzlager beim Standort Süd geplant

Ein weiteres Zukunftsprojekt betrifft den Katastrophenschutz. Am Standort Feuerwache Süd soll ein gemeinsames Katastrophenschutzlager entstehen. Daran sollen mehrere Einsatzorganisationen beteiligt sein, darunter Berufsfeuerwehr, Freiwillige Feuerwehr und Rotes Kreuz.

Die Stadt hat dafür bereits ein Grundstück im Bereich der Feuerwache Süd angekauft. Ein gemeinsames Lager soll Ausrüstung bündeln und im Krisenfall schnell verfügbar machen. Das betrifft etwa größere Unwetterereignisse, Hochwasserlagen, länger dauernde Einsätze oder andere außergewöhnliche Schadenslagen.

Für Graz bedeutet das: Die Stadt will nicht erst reagieren, wenn eine Krise bereits eingetreten ist. Sie will Strukturen schaffen, die Einsatzorganisationen im Ernstfall schneller handlungsfähig machen.

Mehr Bewerbungen bei der Berufsfeuerwehr

Feuerwehr Mannschaft
Feuerwehrmänner bei der Ausbildung. Die Aufgaben der Feuerwehr verändern sich laufend. Neben klassischen Brandeinsätzen gewinnen technische Hilfeleistungen, Wasserrettungen, Unwettereinsätze und Katastrophenschutz zunehmend an Bedeutung.

Positiv entwickelt sich laut Stadt auch das Interesse am Feuerwehrberuf. 2022 gab es 48 Bewerbungen, 2023 waren es 89. Heuer meldeten sich 107 Bewerberinnen und Bewerber.

Trotz dieser Entwicklung hat Graz weiterhin keine Feuerwehrfrau im aktiven Dienst der Berufsfeuerwehr. Eber sagte, dass dies bisher noch nicht gelungen sei, zeigte sich aber zuversichtlich für die kommenden Jahre. Die Stadt habe bereits Voraussetzungen geschaffen, um den Zugang für Frauen zu erleichtern.

Dazu zählen etwa angepasste Schutzbekleidung und geänderte körperliche Kriterien. Früher galt unter anderem eine Mindestgröße als Hürde. Die Berufsfeuerwehr will künftig breiter ansprechen und mehr Menschen für den Beruf gewinnen.

Eber: Investitionen sind kein Luxus

Für Stadtrat Manfred Eber sind die Investitionen der vergangenen Jahre eine notwendige Antwort auf die Sicherheitsanforderungen einer wachsenden Stadt.

„Wer Sicherheit ernst nimmt, muss auch bereit sein, in sie zu investieren. Die Berufsfeuerwehr ist ein zentraler Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Die Investitionen der vergangenen Jahre waren kein Luxus, sondern notwendig, um die Schlagkraft der Grazer Feuerwehr zu erhöhen, damit die Grazerinnen und Grazer auch in Zukunft auf schnelle und professionelle Hilfe vertrauen können“, so Eber.

Er verweist damit auf einen zentralen Punkt: Sicherheit entsteht nicht erst beim Einsatz. Sie hängt davon ab, ob Personal, Fahrzeuge, Infrastruktur, Ausbildung und Planung rechtzeitig vorhanden sind.

Ranftl: Eine wachsende Stadt braucht eine mitwachsende Feuerwehr

Branddirektor Gernot Ranftl
Gernot Ranftl steht seit 1. Jänner 2026 an der Spitze der Grazer Berufsfeuerwehr und leitet die Abteilung Katastrophenschutz und Feuerwehr der Stadt Graz. Der 42-Jährige absolvierte die HTL für Maschinenbau und sammelte danach berufliche Erfahrung beim Feuerwehrfahrzeughersteller Magirus-Lohr sowie als Techniker beim Landesfeuerwehrverband. Auch privat ist Ranftl eng mit dem Feuerwehrwesen verbunden: Er lebt in Graz-Umgebung und engagiert sich bei der Freiwilligen Feuerwehr seiner Heimatgemeinde. Zur Stadt Graz wechselte Ranftl im Jahr 2020. In der Abteilung Katastrophenschutz und Feuerwehr verantwortete er zuletzt die Bereiche Finanzen und Infrastruktur. In dieser Funktion begleitete er unter anderem die Umsetzung der neuen Feuerwache Ost am Dietrichsteinplatz.

Branddirektor Gernot Ranftl sieht die Berufsfeuerwehr vor einer Phase wachsender Anforderungen. Graz wird größer, der Verkehr nimmt zu, Gebäude und Infrastruktur werden komplexer. Dazu kommen Klimawandel, neue Einsatzarten und steigende Erwartungen an rasche Hilfe.

„Eine wachsende Stadt wird auch eine Feuerwehr brauchen, die mitwächst“, sagte Ranftl bei der Pressekonferenz sinngemäß. Für die Berufsfeuerwehr bedeutet das laufende Ausbildung, moderne Ausrüstung und eine vorausschauende Standortplanung.

Die Bilanz für 2025 zeigt damit mehr als reine Einsatzstatistik. Sie zeigt, wie sehr sich die Rolle der Feuerwehr verändert. Die Berufsfeuerwehr Graz bleibt eine zentrale Sicherheitsorganisation der Stadt, doch ihre Aufgaben werden vielfältiger, technischer und klimabedingt anspruchsvoller.

Zahlen zur Berufsfeuerwehr Graz 2025

  • 6.505 Einsätze insgesamt
  • 2.446 Brandeinsätze inklusive Brandmeldealarmierungen
  • 4.059 technische Hilfeleistungen
  • 1.513 Tierrettungen
  • 220 Unwettereinsätze
  • 716 gerettete Menschen
  • Rund 2,6 Millionen Euro an geschützten Sachwerten
  • 107 Bewerbungen im Jahr 2025
  • Ziel: Erste Einheit bei mehr als 80 Prozent der Grazer Haushalte innerhalb von acht Minuten vor Ort

Ausblick: Was in Graz noch kommen soll

Die Stadt will den eingeschlagenen Weg fortsetzen. Dazu zählen die Weiterentwicklung der Feuerwache Süd, das gemeinsame Katastrophenschutzlager und die Prüfung zusätzlicher Ausrüstung für die Waldbrandbekämpfung. Auch die Personalentwicklung bleibt ein zentrales Thema.

Für die Grazerinnen und Grazer bedeutet das: Die Feuerwehr bereitet sich auf Einsatzlagen vor, die künftig häufiger und komplexer auftreten könnten. Dazu gehören Unwetter, Hitze, Waldbrandgefahr, Wasserrettungen und technische Hilfeleistungen in einer dichter werdenden Stadt.

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