Was bedeutet Politik im Grazer Alltag? Für Claudia Schönbacher beginnt sie dort, wo Bürgerinnen und Bürger, Unternehmer, Vereine und Menschen in den Bezirken mit konkreten Problemen zur Politik kommen. Mit der Bürgerliste Korruptionsfreies Graz tritt sie bei der Gemeinderatswahl 2026 erneut an und will wieder in Klubstärke in den Gemeinderat einziehen.
Im Interview mit Inside Graz und Inside Politics – Austria spricht Schönbacher über Verkehr, Wirtschaft, Innenstadt, Stadtentwicklung und die Frage, wie Graz mit Betrieben umgehen soll, die durch neue Wohnbebauung unter Druck geraten. Gleichzeitig bleibt der Bruch mit der FPÖ ein zentraler Teil ihrer politischen Geschichte.
Das Interview auf einen Blick
Person: Claudia Schönbacher
Liste: Korruptionsfreies Graz
Funktion: Stadträtin in Graz
Themen: Bürgernähe, Wirtschaft, Verkehr, Innenstadt, Korruptionsfreiheit
Politischer Konflikt: Abgrenzung zur FPÖ und Anspruch auf ein eigenes Angebot
Wahlziel: Drei Mandate und damit Klubstärke im Gemeinderat
Politik soll bei den Menschen anfangen
Schönbacher versucht im Gespräch, ihre Bürgerliste nicht nur als Kontrollprojekt darzustellen. Sie betont, dass ihre tägliche Arbeit stark von Anliegen aus der Bevölkerung geprägt sei. Dabei nennt sie Vereine, Organisationen, Wirtschaftstreibende und Menschen, die sich mit konkreten Problemen an ihre Liste wenden.
Dieser Zugang zieht sich durch das Interview. Schönbacher will Politik nicht von oben erklären, sondern stärker aus der Sicht der Betroffenen denken. Wer in einem Bezirk wohnt, ein Geschäft führt, von einer Baustelle betroffen ist oder sich über eine Verkehrsmaßnahme ärgert, soll nach ihrer Vorstellung stärker gehört werden.
Gerade damit will sich Korruptionsfreies Graz von größeren Parteien unterscheiden. Schönbacher verweist darauf, dass hinter ihrer Liste keine große Landes- oder Bundesorganisation stehe. Sie sieht darin einen Vorteil: Die Liste könne flexibler reagieren und Anliegen direkter aufnehmen.
Der Bruch mit der FPÖ bleibt wichtig
Trotz dieses bürgernahen Zugangs bleibt die FPÖ der wichtigste politische Bezugspunkt des Interviews. Schönbacher war früher selbst bei den Freiheitlichen und verließ die Partei im Zuge des Grazer Finanzskandals. Heute sieht sie ihre Bürgerliste als glaubwürdige Alternative für Menschen, die konservativ oder eher rechts wählen wollen, aber mit der FPÖ in Graz ein Problem haben.
Auf die Frage, was sie heute von der FPÖ unterscheidet, antwortet Schönbacher besonders deutlich: „Jemand, der seine Finanzen nicht im Griff hat, sollte eine Stadt auch nicht regieren.“
Damit stellt sie nicht zuerst ein einzelnes Sachthema in den Vordergrund, sondern Vertrauen. Ihre Botschaft lautet: Wer Politik macht, muss offenlegen, wie er arbeitet, wie er mit Geld umgeht und ob man sich auf ihn verlassen kann.
Gleichzeitig zeigt das Interview auch eine Schwäche. Auf die Frage nach drei Gemeinderatsinitiativen von Korruptionsfreies Graz, die Graz messbar verändert hätten, nennt Schönbacher keine konkreten Beispiele. Sie verweist auf viele Initiativen und auf die schwierige Rolle als Opposition. Für die Wahl bleibt das eine zentrale Frage: Kann die Liste zeigen, was sie konkret erreicht hat?
Verkehr nicht nur aus einer Perspektive sehen
Beim Verkehr spricht Schönbacher vor allem über Ausgleich. Sie will Verkehrspolitik nicht als Streit zwischen Auto, Rad, Öffis und Fußgängern führen. Stattdessen fordert sie, dass die Stadt die Folgen einer Maßnahme für alle Beteiligten prüft.
Ihr Beispiel: Wenn irgendwo Parkplätze wegfallen, eine Baustelle schlecht kommuniziert wird oder neue Verkehrsführungen Betriebe treffen, dann betrifft das nicht nur Autofahrer. Es betrifft auch Geschäftsleute, Kundinnen, Lieferanten, Anrainer und Beschäftigte.
Deshalb fordert Schönbacher, Verkehr als Gesamtpaket zu behandeln. Aus ihrer Sicht muss Graz stärker darüber nachdenken, was eine Entscheidung in einem Bereich für andere Bereiche bedeutet. Das klingt abstrakt, wird im Alltag aber schnell konkret: Kommen Kunden noch ins Geschäft? Funktioniert die Zufahrt für Lieferungen? Können ältere Menschen weiterhin gut einkaufen? Gibt es genug Information für Anrainer?
Warum Betriebe für sie Stadtleben bedeuten
Ein großer Teil des Interviews dreht sich um Wirtschaft. Dabei spricht Schönbacher nicht nur über große Unternehmen, sondern vor allem über die vielen kleineren Betriebe, die das Stadtbild prägen: Geschäfte, Gastronomie, Handwerksbetriebe und lokale Unternehmen in den Bezirken.
Für Schönbacher hängt daran mehr als nur Umsatz. Wenn ein Gasthaus zusperrt, verliert ein Stadtteil auch einen sozialen Treffpunkt. Wenn Geschäfte verschwinden, verändert sich eine Straße. Wenn Betriebe wegziehen, verliert Graz Arbeitsplätze, Kommunalsteuer und Vielfalt.
Daher kritisiert sie eine Stadtpolitik, die aus ihrer Sicht zu wenig auf wirtschaftliche Folgen achtet. Wer Unternehmen beschneide, habe am Ende auch weniger Geld für andere Aufgaben der Stadt. Außerdem brauche Graz Betriebe, die vor Ort investieren, Arbeitsplätze sichern und das Stadtbild mittragen.
Marienhütte, Wohnbau und die Frage der Planung
Besonders deutlich wird Schönbachers Zugang beim Thema Marienhütte. Der Grazer Industriebetrieb liegt nahe am Reininghaus-Areal. Dort treffen Wohnbau, Industrie, Verkehr und Stadtentwicklung direkt aufeinander.
Schönbacher fordert hier mehr vorausschauende Planung. Wenn neue Wohnungen an bestehende Betriebe heranrücken, müsse die Stadt vorher klären, welche Folgen das hat. Es gehe nicht nur um den Betrieb, sondern auch um die Menschen, die dort wohnen werden. Wer in ein neues Viertel zieht, müsse wissen, welche Umgebung ihn erwartet.
Aus ihrer Sicht entstehen viele Konflikte, weil die Stadt zu spät mit Betroffenen spricht. Sie fordert daher mehr Kommunikation vor Entscheidungen. Betriebe sollen nicht erst dann gehört werden, wenn ein Problem bereits eskaliert. Anrainer sollen nicht erst dann merken, was eine Planung bedeutet, wenn sie schon eingezogen sind.
Innenstadt und Bezirke: Menschen wieder in die Geschäfte bringen
Beim Thema Innenstadtsterben setzt Schönbacher auf Erreichbarkeit, Frequenz und Unterstützung für Betriebe. Sie spricht über leistbares Park and Ride, Veranstaltungen und neue Ideen für Einkaufsstraßen.
Wichtig ist ihr dabei: Es geht nicht nur um die klassische Innenstadt. Auch Geschäftsstraßen und Bezirkszentren brauchen Aufmerksamkeit. Schönbacher nennt etwa die Annenstraße und verweist darauf, dass die Stadt dort stärker mit Unternehmerinnen und Unternehmern sprechen müsse.
Ihr Grundgedanke ist einfach: Wer Menschen wieder in die Geschäfte bringen will, muss den Einkauf in der Stadt erleichtern. Wenn Kundinnen und Kunden das Gefühl haben, dass sie nicht gut hinkommen, weichen sie eher auf das Internet aus. Darunter leiden Geschäfte, Beratung, Nachbarschaft und Stadtleben.
Auch Ideen wie zeitlich begrenztes, gebührenfreies Parken außerhalb der Innenstadt hält Schönbacher für prüfenswert. Entscheidend sei, dass solche Konzepte den Bezirken helfen und gleichzeitig die Innenstadt besser erreichbar machen.
Kontrolle bleibt ein Teil des Angebots
Auch wenn Schönbacher den Schwerpunkt im Interview breiter anlegt, bleibt Kontrolle ein Kern ihrer politischen Identität. Sie spricht von Korruptionsfreiheit, Ehrlichkeit und davon, dass Politik keine Versprechen machen soll, die sie nicht halten kann.
Dabei geht es ihr auch um das Vertrauen in die Demokratie. Viele Menschen fühlten sich nicht gehört oder gingen nicht mehr wählen, weil sie den Eindruck hätten, dass sich politisch nichts ändere. Schönbacher will hier ein Gegenangebot machen: Anliegen aufnehmen, Rückmeldung geben und nachvollziehbar erklären, was möglich ist und was nicht.
Das ist ein bürgernaher Ansatz. Gleichzeitig muss sich Korruptionsfreies Graz daran messen lassen, ob aus diesem Anspruch auch sichtbare politische Ergebnisse entstehen.
Drei Mandate als Ziel
Für die Gemeinderatswahl nennt Schönbacher ein klares Ziel: Ihre Liste will wieder Klubstärke erreichen. Dafür braucht Korruptionsfreies Graz drei Mandate.
Das wäre für die Liste mehr als ein symbolischer Erfolg. Klubstärke bedeutet mehr Möglichkeiten im Gemeinderat, mehr Ressourcen und mehr politisches Gewicht. Für Schönbacher wäre das die Grundlage, um ihre Arbeit der vergangenen Jahre fortzusetzen.
Was vom Interview bleibt
Das Interview zeigt Claudia Schönbacher als Kandidatin, die ihre Bürgerliste stärker im Alltag der Stadt verankern will. Sie spricht über Betriebe, Parkplätze, Baustellen, Wohnbau, Einkaufsstraßen und die Frage, ob Menschen sich von der Politik gehört fühlen.
Ihre stärksten Momente hat sie dort, wo sie konkrete Grazer Probleme anspricht: Stadtentwicklung rund um Betriebe, die Situation in der Innenstadt, die Belastung kleiner Unternehmen und die Folgen schlecht abgestimmter Planung. Dort wirkt ihr Zugang greifbar und lokal.
Politisch bleibt der FPÖ-Bruch aber der zentrale Hintergrund. Schönbacher nutzt ihn, um ihre Liste als ehrliches und transparentes Angebot zu positionieren. Die offene Frage lautet: Reicht dieses Profil für den Wiedereinzug in Klubstärke? Oder muss Korruptionsfreies Graz noch deutlicher zeigen, welche konkreten Veränderungen die Liste für Graz erreichen kann?
Hinweis zur Interviewreihe
Für die Grazer Gemeinderatswahl 2026 führten Inside Graz und Inside Politics – Austria eine gemeinsame Interviewreihe mit den Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten. Trotz der Namensähnlichkeit arbeiten Inside Graz und Inside Politics unabhängig voneinander. Für dieses Format kooperieren beide Redaktionen.
Im Hochformat-Video ist unser Frageblock aus dem Interview zu sehen. Das vollständige Gespräch ist von unserem Kooperationspartner Inside Politics – Austria hier zu sehen:
























































