Start Graz Chronik Elke Kahr erneut zur Bürgermeisterin von Graz gewählt

Elke Kahr erneut zur Bürgermeisterin von Graz gewählt

Elke Kahr

Elke Kahr bleibt Bürgermeisterin von Graz. Der neu konstituierte Gemeinderat wählte die KPÖ-Politikerin am Donnerstag, 27. August 2026, mit 40 von 48 Stimmen erneut an die Spitze der steirischen Landeshauptstadt. Acht Stimmen waren ungültig. Landeshauptmann Mario Kunasek nahm anschließend ihre Angelobung vor. Während Kahr in ihrer Antrittsrede soziale Sicherheit und den Erhalt öffentlichen Eigentums in den Mittelpunkt stellte, kündigte die ÖVP eine konstruktive, aber kritische Oppositionsarbeit an.

Die konstituierende Sitzung begann um 10:04 Uhr unter dem Vorsitz von Georg Topf, dem ältesten Mitglied des neuen Gemeinderates. Um 10:13 Uhr hatten alle 48 Gemeinderätinnen und Gemeinderäte ihr Gelöbnis abgelegt. Anschließend schlug KPÖ-Klubobfrau Sahar Mohsenzada um 10:14 Uhr Elke Kahr erneut für das Bürgermeisteramt vor.

Nach Wortmeldungen der Gemeinderatsparteien begann die eigentliche Wahl. Um 11:01 Uhr teilte der Gemeinderat die Stimmzettel aus. Zehn Minuten später stand das Ergebnis fest: 40 Stimmen entfielen auf Elke Kahr, acht Stimmen waren ungültig. Kahr nahm die Wahl an und bedankte sich für die Zustimmung. Nach der Angelobung durch Mario Kunasek übernahm sie um 11:13 Uhr offiziell den Vorsitz der Gemeinderatssitzung.

ÖVP unterstützte die Wahl von Elke Kahr

Bereits vor der Abstimmung kündigte die ÖVP ihre Unterstützung für Elke Kahr an. Stadtparteiobmann Kurt Hohensinner begründete dies mit dem Wahlergebnis und dem persönlichen Erfolg der Bürgermeisterin.

In seinem Statement zur konstituierenden Sitzung erklärte Hohensinner:

Der Wahlsieg der KPÖ ist ein persönlicher Erfolg von Elke Kahr – die ÖVP hat ihre heutige Wahl zur Bürgermeisterin daher unterstützt. Demokratie bedeutet auch den Wählerwillen zu achten.

Gleichzeitig machte der ÖVP-Politiker deutlich, dass sich diese Zustimmung auf Kahr als Person und Wahlsiegerin bezieht. Bereits in seiner Rede vor der Bürgermeisterwahl kritisierte er die Entscheidung von KPÖ und Grünen, ihre Zusammenarbeit fortzusetzen. Zudem warf er der neuen Koalition vor, die ÖVP bei der Ressortaufteilung nicht ausreichend eingebunden zu haben.

Kahr: Zweite Amtszeit als Teil eines Teams

Um 11:15 Uhr begann Elke Kahr ihre Antrittsrede. Darin bedankte sie sich bei den Grazer Wählerinnen und Wählern sowie beim Gemeinderat für das neuerliche Vertrauen. Gleichzeitig betonte sie, dass sie das Bürgermeisteramt weiterhin nicht als persönliche Machtposition versteht.

Damals wie heute sehe ich meine Funktion als Privileg an und sehe mich nicht als etwas Besseres.

Kahr zog zudem eine positive Bilanz der vergangenen fünf Jahre. Die bisherige Rathauskoalition aus KPÖ, Grünen und SPÖ habe aus ihrer Sicht unter schwierigen Bedingungen soziale und ökologische Schwerpunkte gesetzt. Besonders hob sie die Zusammenarbeit mit Judith Schwentner, Michael Ehmann, Daniela Schlüsselberger, Robert Krotzer und Manfred Eber hervor.

Mit der neuen Gemeinderatsperiode verändert sich allerdings die politische Konstellation. KPÖ und Grüne setzen ihre Koalition fort, während die SPÖ künftig einen eigenen Weg geht. Kahr bezeichnete sich deshalb erneut als Teil eines Teams, das soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz, Transparenz und respektvolle Zusammenarbeit in den Mittelpunkt stellen wolle.

Graz muss sparen

Ein großer Teil der Rede beschäftigte sich mit der schwierigen finanziellen Situation der Stadt. Kahr stellte klar, dass Graz in den kommenden Jahren im laufenden Betrieb sparen und Investitionen begrenzen müsse.

Im Mittelpunkt sollen deshalb die kommunalen Kernaufgaben und die Daseinsvorsorge stehen. Gleichzeitig will die neue Koalition an ihrer sozialen und ökologischen Ausrichtung festhalten.

Kahr formulierte dabei eine klare politische Linie:

Eine Stadt gehört ihren Menschen.

Daraus leitete sie mehrere Schwerpunkte ab: leistbares Wohnen statt Spekulation, öffentliche Infrastruktur statt Privatisierung und soziale Sicherheit statt Privilegien. Graz solle außerdem eine Stadt des Friedens und der Menschenrechte bleiben.

Keine Privatisierung öffentlichen Eigentums

Trotz des hohen finanziellen Drucks schloss Elke Kahr den Verkauf öffentlichen Eigentums als Lösungsweg aus. Privatisierungen könnten zwar kurzfristig Einnahmen bringen, würden nach ihrer Argumentation langfristig jedoch den Handlungsspielraum der Stadt einschränken.

Auch im neuen Arbeitsprogramm von KPÖ und Grünen soll die Konsolidierung des Grazer Haushalts daher mit dem Erhalt der öffentlichen Daseinsvorsorge verbunden werden. Das Programm steht unter dem Motto „Für ein Graz, das zusammenhält“.

Kahr forderte zugleich Änderungen beim Finanzausgleich und zusätzliche Einnahmen für die Städte. Ohne eine andere Verteilung der Mittel ließen sich die finanziellen Probleme aus ihrer Sicht nicht dauerhaft lösen.

Zusammenarbeit auch mit ÖVP und FPÖ

Obwohl KPÖ und Grüne gemeinsam über eine Mehrheit verfügen, kündigte Kahr an, diese nicht bei jeder Gelegenheit ausspielen zu wollen. Sie sprach sich stattdessen für eine stärkere Zusammenarbeit mit den anderen Stadtsenatsparteien aus.

Auch ÖVP und FPÖ hätten wichtige Aufgaben in der Stadtregierung übernommen. Gerade unter schwierigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen sei ein konstruktiver Austausch notwendig. Zudem wolle sie weiterhin mit Interessensvertretungen, Religionsgemeinschaften, Universitäten, Kultur- und Sporteinrichtungen sowie Vereinen zusammenarbeiten.

Hohensinner kritisiert neue Koalition

Kurt Hohensinner sieht die Entscheidung für eine neuerliche Koalition aus KPÖ und Grünen deutlich kritischer. Die ÖVP sei bereit gewesen, angesichts der angespannten finanziellen Situation über eine breitere Zusammenarbeit zu verhandeln.

In seinem Statement erklärte er:

Die Stadt Graz steht vor großen finanziellen Herausforderungen. In schwierigen Zeiten ist es umso wichtiger, dass eine Koalition eine breite Mehrheit hat – die ÖVP war bereit über so eine ,große‘ Koalition ernsthaft zu verhandeln. Die KPÖ hat sich stattdessen für die kleinstmögliche Mehrheit entschieden.

Für die kommenden fünf Jahre kündigt die Volkspartei deshalb eine Doppelstrategie an: Sie will nach eigenen Angaben konstruktiv mitarbeiten, zugleich aber Entscheidungen der Koalition kritisch kontrollieren. Einen besonderen Schwerpunkt will die ÖVP auf die Grazer Wirtschaft legen.

Streit um den Vizebürgermeister

Der erste größere politische Konflikt der neuen Gemeinderatsperiode folgte noch am selben Tag.

Als zweitstärkste Partei brachte die ÖVP Kurt Hohensinner als Kandidaten für das Amt des Vizebürgermeisters ein. Gemeinderätin Claudia Unger begründete den Vorschlag unter anderem mit dem Wahlergebnis der Volkspartei.

KPÖ und Grüne machten allerdings bereits vor der Abstimmung deutlich, dass sie Hohensinner nicht unterstützen würden. Sahar Mohsenzada argumentierte für die KPÖ, dass aus dem Wahlergebnis kein automatischer Anspruch auf das Amt des Vizebürgermeisters entstehe. Die Entscheidung hänge vielmehr mit der politischen Zusammenarbeit zwischen KPÖ und Grünen zusammen.

Auch die Grünen kündigten ihre Ablehnung an. Tristan Ammerer erklärte, die Koalition wolle voraussichtlich Judith Schwentner für das Amt vorschlagen.

Hohensinner erhält zweimal 23 Stimmen

Im ersten Wahlgang erhielt Kurt Hohensinner schließlich 23 gültige Stimmen, 25 Stimmen waren ungültig. Damit verfehlte er die notwendige Mehrheit.

Die ÖVP nominierte ihn daraufhin erneut. Doch auch der zweite Wahlgang brachte dasselbe Ergebnis: 23 Stimmen für Hohensinner und 25 ungültige Stimmen.

Zwischen dem zweiten und dritten Wahlgang schreibt das Statut der Stadt Graz eine Unterbrechung von 24 Stunden vor. Deshalb setzt der Gemeinderat die konstituierende Sitzung am Freitag, 28. August 2026, um 15 Uhr fort.

Damit ist Elke Kahr bereits für weitere fünf Jahre als Bürgermeisterin im Amt. Wer ihr als Vizebürgermeister oder Vizebürgermeisterin zur Seite stehen wird, entscheidet sich dagegen erst bei der Fortsetzung der Sitzung.

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