Die anhaltende Hitze und Trockenheit erhöhen auch in der Steiermark den Handlungsdruck. Die Landesregierung hat deshalb bei einem Hitzeschutz-Gipfel über bestehende Maßnahmen und weitere Schritte beraten. Geplant sind unter anderem Kühlräume in Gemeinden, mehr Hitzeschutz in Schulen und Kindergärten sowie zusätzliche Maßnahmen für Feuerwehr, Rettung und Infrastruktur.
Gleichzeitig gibt es Entwarnung bei zwei besonders wichtigen Bereichen: Nach Angaben des Landes bleiben sowohl die Stromversorgung als auch die Trinkwasserversorgung trotz Hitze und Trockenheit gesichert.
Stromversorgung trotz Niedrigwasser stabil
Niedrige Wasserstände schränken derzeit die Stromproduktion aus Wasserkraft ein. Dennoch kam es laut Land im rund 30.000 Kilometer langen steirischen Stromnetz bisher zu keinen hitzebedingten Problemen.
Windkraft, Photovoltaik und Gaskraft gleichen die geringere Wasserkraftproduktion aus. Auch die Versorgung mit Trinkwasser sei derzeit gewährleistet. Langfristig soll das Wassernetzwerk 2050 dafür sorgen, Wasser innerhalb der Steiermark bei Bedarf zwischen verschiedenen Regionen zu verteilen.
Beim Hitzeschutz will das Land nun jedoch mehrere Bereiche stärker in den Fokus rücken.
Schulen und Kindergärten sollen besser vor Hitze schützen
Besonders Kinder leiden unter hohen Temperaturen. Deshalb will das Land den sommerlichen Wärmeschutz bei Schulen sowie Kinderbildungs- und Betreuungseinrichtungen ausbauen.
Bei Neubauten und größeren Sanierungen sollen Beschattung, Begrünung, Lüftung und gegebenenfalls technische Kühlung stärker berücksichtigt werden. Schulbauvorgaben zu Sonnenschutz und Lüftung hat das Land bereits angepasst.
Zusätzlich entsteht ein eigener Hitzeschutzplan für Kindergärten und andere Betreuungseinrichtungen. Geplant sind unter anderem Checklisten, Handlungsempfehlungen und Selbstchecks.
Ein Pilotprojekt in Fehring, Kapfenstein, Riegersburg und Unterlamm erprobt derzeit entsprechende Maßnahmen. Später sollen die Erkenntnisse auch anderen Einrichtungen zur Verfügung stehen.
Mehr Schwimmunterricht vor den Sommerferien
Eine weitere Idee betrifft die letzten heißen Schulwochen. Nach dem Notenschluss soll Schwimmunterricht künftig verstärkt geblockt im Rahmen von Projekttagen oder Schulveranstaltungen stattfinden.
Damit will das Land zwei Ziele verbinden: Kinder verbringen weniger Zeit in aufgeheizten Klassenräumen und verbessern gleichzeitig ihre Schwimmkenntnisse.
Gemeinden sollen „Kühlinseln“ einrichten
Auch für besonders heiße Tage plant das Land neue Anlaufstellen. Schulen, Gemeindeämter, Kindergärten oder Veranstaltungszentren könnten künftig als sogenannte „Kühlinseln“ dienen.
Nach Möglichkeit sollen diese Gebäude klimatisiert und mit einer Notstromversorgung ausgestattet sein. Vor allem ältere Menschen und andere besonders hitzeempfindliche Personen könnten dort bei extremen Temperaturen Schutz finden.
Zusätzlich will das Land Hitzeschutz und Trinkwasserversorgung stärker in den Katastrophenschutzplänen der Gemeinden berücksichtigen.
Klimaanlagen sollen leichter errichtet werden können
Auch beim Bauen zeichnen sich Änderungen ab. Eine neue Steiermärkische Bautechnikverordnung soll den Schutz vor sommerlicher Überhitzung stärken.
Bei Neubauten und Generalsanierungen soll Kühlung künftig stärker von Beginn an in die Planung einfließen. Gleichzeitig möchte das Land Verfahren für Klimaanlagen vereinfachen. Statt eines Genehmigungsverfahrens soll künftig in bestimmten Fällen eine Meldepflicht ausreichen.
Daneben setzt das Land auf Beschattung, Begrünung, geeignete Fenster und eine Bauweise, die Gebäude im Sommer möglichst wenig aufheizt.
Fast doppelt so viele Vegetationsbrände wie 2025
Besonders deutlich zeigen sich die Folgen der Trockenheit bei den Feuerwehren. Im gesamten Jahr 2025 registrierte die Steiermark laut Landesregierung 47 Vegetationsbrände. Bis zum 10. August 2026 waren es bereits 98.
Zwischen 2021 und 2025 flossen knapp zehn Millionen Euro in Spezialausrüstung für Waldbrände und Extremwetterereignisse. Derzeit setzt das Land zusätzlich ein Feuerwehr-Investitionspaket von 25,5 Millionen Euro um.
Außerdem möchte die Steiermark erreichen, dass Hubschrauber des Bundesheeres bei Waldbränden schneller zur Verfügung stehen. Auch die finanzielle Abgeltung von Einsatzzeiten selbstständiger Feuerwehrmitglieder und von Landwirten steht auf der Agenda.
Die Trockenheit verursacht zudem immer mehr Nutzwassertransporte durch die Feuerwehren.
Hitze belastet Rettung und Katastrophenschutz
Hohe Temperaturen stellen auch Einsatzorganisationen vor neue Probleme. Bei Wanderern und Bergsteigern treten laut Land häufiger Dehydrierung und Kreislaufprobleme auf.
Erste Rettungsdienststellen verfügen bereits über Klimatisierung. Zudem gelten definierte Temperaturgrenzen für die Lagerung von Medikamenten. Leichtere Einsatzbekleidung soll Rettungs- und Bergrettungskräfte zusätzlich entlasten.
Auch technische Einrichtungen müssen mit der Hitze zurechtkommen. Die 353 Funkmasten des steirischen BOS-Netzes benötigen bei hohen Temperaturen permanente Kühlung. Deshalb will das Land Katastrophenfunk-Stationen mit geeigneten Klimageräten ausstatten.
Spitäler: Temperaturmanagement bei neuen Patientenzimmern
Im Gesundheitsbereich setzt die Steiermark bereits einen eigenen Hitzeschutzplan ein.
In den Krankenhäusern der KAGes verfügen Operationsbereiche, Aufwachräume und neue Ambulanzen standardmäßig über Kühlung. Seit März 2024 müssen Neubauten und umfassende Sanierungen außerdem ein Temperaturmanagement für Patientenzimmer berücksichtigen.
Wo möglich, sollen bauliche Maßnahmen wie Beschattung oder kleinere Glasflächen verhindern, dass sich Gebäude stark aufheizen.
Landwirtschaft kämpft mit der Dürre
Hitze und fehlender Niederschlag treffen besonders die Land- und Forstwirtschaft. Das Land unterstützt deshalb unter anderem Bewässerungssysteme, Speicherteiche und digitale Systeme zur Steuerung des Wasserverbrauchs.
Für 2026 laufen bereits spezielle Maßnahmen. Dazu gehören die Beobachtung von Bodenfeuchtigkeit und Futtermittelbeständen sowie Erleichterungen beim Futtermittelzukauf. Die Landwirtschaftskammer betreibt außerdem eine Futterbörse.
Langfristig setzt die Steiermark auf hitze- und trockenheitstolerantere Kulturen, Bodenschutz und einen an das veränderte Klima angepassten Wald.
Straßen leiden ebenfalls unter extremer Hitze
Hohe Temperaturen können auch Schäden an Straßen verursachen. Weicher Asphalt und austretendes Bitumen stellen die Straßenerhaltung vor zusätzliche Herausforderungen.
Das Land behandelt betroffene Stellen unter anderem mit Kalkmehl und repariert Schäden. Zudem kontrollieren Mitarbeiter Bereiche mit erhöhtem Steinschlagrisiko intensiver.
Beschäftigte des Straßenerhaltungsdienstes erhalten Getränke und Kühltücher. Künftig soll auch kühlende Schutzausrüstung verstärkt zum Einsatz kommen.
Hochwasserschutz bleibt trotz Trockenheit Thema
Neben Hitze und Dürre bereitet sich das Land weiterhin auf Starkregen und Hochwasser vor. Rückhaltebecken und andere Hochwasserschutzanlagen sollen ausgebaut werden.
Gleichzeitig sollen Renaturierungsprojekte natürliche Flächen schaffen, die Wasser zurückhalten können. Damit versucht die Steiermark, sowohl längeren Trockenperioden als auch kurzfristigen großen Niederschlagsmengen besser zu begegnen.

































































