Ein 1.000 Tonnen schwerer Raupenkran, ein 68 Meter langes Stahltragwerk und nur wenige Zentimeter Spielraum: Am Montag wurde ein zentraler Teil des neuen Pongratz-Moore-Stegs zwischen Andritz und Gösting eingehoben. Rund 280 Tonnen bewegten sich dabei zeitweise frei über dem Gelände. Bis Fußgänger und Radfahrer die neue Murquerung nutzen können, dauert es allerdings noch bis Anfang 2027.
Die Arbeiten begannen bereits um 7 Uhr. Ein Liebherr LR 11000 hob das Stahltragwerk zunächst rund 20 Meter hoch. Anschließend bewegte der Kran die Konstruktion etwa 40 Meter in Richtung Mur und drehte sie während des Hubes um 90 Grad.
Besonders anspruchsvoll war dabei die vorhandene 110-kV-Leitung. Für die Arbeiten wurde sie abgeschaltet. Das Tragwerk musste anschließend unter der Leitung hindurch in Richtung seiner vorgesehenen Position geführt werden.
Zwei Teleskoplader mit Seilwinden stabilisierten die Konstruktion während des Manövers. Rund 20 Personen waren unmittelbar am Einhub beteiligt und über Funk sowie Headsets miteinander verbunden.
Nur rund ein Zentimeter Toleranz beim Absetzen
Beim Absetzen auf der temporären Montagekonstruktion war Präzision gefragt. Laut Stadt betrug die zulässige Abweichung lediglich rund einen Zentimeter.
Das rund 68 Meter lange Tragwerk war bereits zuvor in vier Einzelteilen mit jeweils rund 70 Tonnen Gewicht zur Baustelle transportiert worden. Am westlichen Murufer schweißten die Arbeiter die Elemente unter einem Montagezelt zusammen. Dort erhielt die Konstruktion außerdem ihren Korrosionsschutz und die abschließende Beschichtung.
Beim Einhub brachte das Tragwerk inklusive der benötigten Anschlagmittel rund 280 Tonnen auf die Waage.
50 Transporte allein für den Kran
Auch der eingesetzte Raupenkran erforderte erheblichen logistischen Aufwand. Der Liebherr LR 11000 wiegt im aufgebauten Zustand inklusive Ballast ungefähr 1.000 Tonnen.
Rund 50 einzelne Transporte brachten seine Komponenten zur Baustelle. Dort dauerte der Zusammenbau etwa eine Woche. Ein zusätzlicher 230-Tonnen-Mobilkran unterstützte die Montage.
Die engen Platzverhältnisse an der Mur erschwerten sowohl den Aufbau als auch den späteren Brückenhub.
Neue Verbindung zwischen Andritz und Gösting
Der Pongratz-Moore-Steg soll künftig wieder eine direkte Verbindung für Fußgänger und Radfahrer zwischen Andritz und Gösting schaffen.
Bürgermeisterin Elke Kahr sagte anlässlich des Einhubs:
„Eine wichtige Verbindung für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen über die Mur ist wiederhergestellt und wird bald in neuer Qualität und Breite in Betrieb gehen. Unser Dank gebührt allen, die daran geplant und gearbeitet haben, in der Stadt und bei den beschäftigten Firmen, und auch jenen Menschen, die sich inzwischen gedulden und Umwege in Kauf nehmen.“
Auch Vizebürgermeisterin Judith Schwentner verwies auf die lange Sperre der Verbindung. Die Fertigstellung ist nach aktuellem Zeitplan für Anfang 2027 vorgesehen.
„Die neue Brücke ist eine zentrale und für viele Menschen unverzichtbare Verbindung über die Mur. Sie bringt Andritz und Gösting wieder näher zusammen und schafft für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen einen direkten und attraktiven Weg im Alltag. Die Sperre dieser wichtigen Verbindung dauert leider schon lange und wird uns noch bis zur Fertigstellung Anfang 2027 begleiten. Umso mehr möchte ich mich bei allen Anrainer:innen und Nutzer:innen für ihre Geduld bedanken. Mit dem heutigen Einhub ist ein großer Schritt geschafft.“
Im Steg verlaufen wichtige Versorgungsleitungen
Die Brücke dient allerdings nicht nur dem Rad- und Fußverkehr. In der Konstruktion verlaufen künftig auch zahlreiche Versorgungsleitungen über die Mur.
Dazu gehören Leitungen für Strom, Gas, Wasser und Telekommunikation. Unter anderem nutzen Energie Steiermark, Energie Graz, das E-Werk Gösting und die Holding Graz Wasserwirtschaft die Querung.
So verlaufen über den Steg beispielsweise wichtige Stromverbindungen für Andritz sowie Leitungen zur Maschinenfabrik Andritz, zu Sappi und zum Umspannwerk Nord. Auch eine Gas-Hauptversorgungsleitung für Andritz und Stattegg sowie Wasserleitungen queren dort künftig die Mur.
Stadtbaudirektor Bertram Werle betont deshalb die Bedeutung der Konstruktion für die Infrastruktur:
„Mit dem heutigen Einheben wird erstmals im wahrsten Sinne des Wortes sichtbar, was an planerischer und technischer Arbeit und Power in diesem Projekt steckt. Der Pongratz-Moore-Steg ist weit mehr als eine Verbindung für den Fuß- und Radverkehr: In seinem Tragwerk queren künftig auch zentrale Leitungen für Strom, Wasser, Gas und Telekommunikation die Mur und sichern damit die Versorgung tausender Haushalte. Diese Arbeiten galt es unter äußerst anspruchsvollen Rahmenbedingungen zu realisieren – nahe dem Naturschutzgebiet, direkt über der Mur und neben der 110-kV-Leitung, auf engstem Raum und unter Einhaltung zahlreicher wasser-, natur- und hochwasserschutzrechtlicher Vorgaben. Das macht die besondere Komplexität dieses Projekts aus. Mit dem heutigen Brückenschlag rückt die Wiedereröffnung nun ein großes Stück näher.“
Diese Arbeiten fehlen noch
Mit dem spektakulären Einhub ist der neue Pongratz-Moore-Steg noch nicht fertig. Als Nächstes richtet das Bauteam die endgültigen Lager aus und positioniert sie.
Danach folgen weitere Arbeiten an den Versorgungsleitungen und Technikschächten. Außerdem muss die bestehende Brücke noch abgebrochen werden.
Anschließend montieren die Arbeiter unter anderem:
- Geländer
- Fahrbahnbelag
- Beleuchtung
- Rampen und Zufahrtswege
Auch die Grünflächen und Außenanlagen rund um den Steg sollen noch gestaltet und teilweise möbliert werden.
Nach derzeitigem Zeitplan sollen die Arbeiten Ende 2026 beziehungsweise Anfang 2027 abgeschlossen sein. Dann können Fußgänger und Radfahrer die direkte Verbindung zwischen Andritz und Gösting wieder nutzen.
































































