Ein neuer Schnitt, gepflegte Haare oder der Wunsch, gut auszusehen: Für viele Menschen in Österreich gehört der Friseurbesuch weiterhin zum Alltag. Gleichzeitig steht die Branche wirtschaftlich stark unter Druck. Die Bundesinnung der Stylist:innen und Friseur:innen fordert deshalb eine Halbierung der Umsatzsteuer auf Friseurdienstleistungen von 20 auf 10 Prozent.
Die Forderung stützt sich unter anderem auf aktuelle Branchendaten, Berechnungen der GAW Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung und eine repräsentative Umfrage des MARKET Marktforschungsinstituts. Befragt wurden 1.003 Personen ab 16 Jahren im Zeitraum von 27. Mai bis 1. Juni 2026.
Warum Menschen zum Friseur gehen
Die Umfrage zeigt: Der wichtigste Auslöser für einen Friseurbesuch ist der Wunsch, gut auszusehen. 52 Prozent der Befragten nennen diesen Grund zumindest meistens. Knapp dahinter folgen das Gefühl, einen neuen Schnitt zu brauchen, mit 50 Prozent und der zeitliche Abstand zum letzten Friseurbesuch mit 47 Prozent.
Bei Frauen spielen Aussehen und Veränderung besonders stark eine Rolle. 60 Prozent der befragten Frauen gehen zum Friseur, wenn sie einen neuen Schnitt brauchen. 58 Prozent nennen den Wunsch, gut auszusehen. Bei Männern steht hingegen häufiger der Terminkalender im Vordergrund: 51 Prozent gehen zum Friseur, weil sie mehrere Wochen nicht mehr dort waren.
Auch Selbstfürsorge ist ein relevanter Faktor. 40 Prozent der Befragten besuchen einen Salon, weil sie sich selbst etwas Gutes tun wollen. 39 Prozent nennen die Haarpflege als Grund, 34 Prozent das Gefühl, nicht gepflegt genug auszusehen. Für 30 Prozent spielt ein gutes Preisgefühl bei der Dienstleistung eine Rolle.
Vertrauen schlägt Zusatzleistungen
Bei der Wahl des Friseursalons entscheidet nicht nur der Preis. Besonders wichtig sind Hygiene, Vertrauen und Qualität. 84 Prozent bewerten Sauberkeit und Hygiene als wichtig oder sehr wichtig. 81 Prozent achten auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. 80 Prozent sagen, dass sie der ausführenden Person vertrauen müssen.
Dazu kommen praktische Kriterien: 77 Prozent wollen nicht lange warten, 75 Prozent legen Wert auf gute Erreichbarkeit und 72 Prozent auf rasche Termine. Zusatzleistungen wie Kaffee spielen dagegen eine deutlich geringere Rolle. Nur 34 Prozent bewerten solche Angebote als wichtig.
Branche wächst bei Betrieben, verliert aber Beschäftigte
Die Friseurbranche zeigt ein widersprüchliches Bild. Laut den vorgelegten Daten stieg die Zahl der aktiven Mitgliedsbetriebe seit 2010 um 47 Prozent auf 10.415 Betriebe. Gleichzeitig ging die Zahl der unselbständig Beschäftigten deutlich zurück. 2025 lag sie bei 15.534 und damit um 25 Prozent unter dem Wert von 2010.
Noch stärker fällt der Rückgang bei den Lehrlingen aus. Ihre Zahl sank seit 2010 um 57 Prozent auf 2.203. Seit 2019 beträgt das Minus 35 Prozent. Die Branche verweist deshalb auf wachsenden Druck bei Ausbildung und Beschäftigung.
Auch wirtschaftlich bleibt die Lage angespannt. 2025 verzeichneten Friseurbetriebe nominell ein Umsatzminus von 0,1 Prozent. Preisbereinigt lag der Rückgang bei 3,4 Prozent. Als größte Herausforderungen nennen die Betriebe Steuern und Abgaben, steigende Rohstoff- und Materialpreise, Energiekosten, Fachkräftemangel und Arbeitskosten.
Forderung: Umsatzsteuer von 20 auf 10 Prozent senken
Die Bundesinnung rund um Bundesinnungsmeister Wolfgang Eder fordert deshalb eine Halbierung der Umsatzsteuer auf Friseurdienstleistungen. Aus Sicht der Branche sprechen mehrere Argumente dafür: Friseurdienstleistungen sind besonders personalintensiv, mehr als 85 Prozent der Kosten entfallen laut Präsentation auf Arbeit. Gleichzeitig können Betriebe wegen des geringen Wareneinsatzes nur begrenzt vom Vorsteuerabzug profitieren.
Die Branche verweist außerdem darauf, dass die EU reduzierte Umsatzsteuersätze für personalintensive Dienstleistungen ermöglicht und Friseurdienstleistungen dabei ausdrücklich berücksichtigt. Mehrere EU-Staaten nutzen bereits niedrigere Sätze.
Mehrheit unterstützt Steuersenkung
Die Market-Umfrage zeigt eine klare Tendenz in der Bevölkerung. 60 Prozent sprechen sich nach Abwägung verschiedener Argumente für eine Senkung der Umsatzsteuer auf Friseurdienstleistungen von 20 auf 10 Prozent aus. 26 Prozent lehnen sie ab, 13 Prozent machen keine Angabe.
Die Zustimmung ist bei Frauen mit 63 Prozent höher als bei Männern mit 58 Prozent. Besonders hoch liegt sie außerdem bei Personen ab 50 Jahren mit 64 Prozent und in Südösterreich mit 66 Prozent.
Auch konkrete Effekte erwarten viele Befragte: 59 Prozent gehen davon aus, dass eine Steuersenkung Konsument:innen entlasten würde. 62 Prozent erwarten eine Stärkung der Friseurbetriebe. Ebenfalls 59 Prozent glauben, dass Friseurdienstleistungen dadurch leistbarer würden.
Allerdings sehen viele auch eine politische Nebenwirkung: 74 Prozent rechnen damit, dass danach weitere Branchen ebenfalls niedrigere Steuersätze fordern würden.
Mehr Friseurbesuche und weniger Schwarzarbeit?
35 Prozent der Befragten geben an, dass sie bei einer Steuersenkung häufiger in einen Friseursalon gehen würden. Besonders stark fällt dieser Wert bei den 16- bis 29-Jährigen aus. In dieser Gruppe sagen 54 Prozent, dass sie häufiger zum Friseur gehen würden.
Auch beim Thema Schwarzarbeit erwartet ein Teil der Bevölkerung Veränderungen. 35 Prozent glauben, dass eine niedrigere Umsatzsteuer die Schwarzarbeit im Friseurbereich reduzieren könnte. Laut Berechnungen der GAW lag der geschätzte Umsatz in der Schattenwirtschaft 2022 bei 205,5 Millionen Euro. Eine Umsatzsteuer-Halbierung könnte demnach 9,9 Millionen Euro aus der Schattenwirtschaft in die offizielle Wirtschaft verlagern.

























































