Start Graz Chronik Grazer Opposition im Check: Was sie in Graz anders machen will

Grazer Opposition im Check: Was sie in Graz anders machen will

Im Presseclub trafen die Spitzenkandidaten der Grazer Opposition aufeinander. Dabei wurde schnell klar: ÖVP, FPÖ, NEOS und KFG wollen vor allem eines – die derzeitige Rathauskoalition aus KPÖ, Grünen und SPÖ ablösen.

Hinweis: Das Gespräch wurde bereits am 26. Mai geführt. Unsere Aufzeichnung ist seit 22. Juni auf unserem YouTube-Kanal verfügbar. Das Gespräch der Rathauskoalition ist hier zu sehen.

Inhaltlich ging es vor allem um Verkehr, Finanzen, Sicherheit, Innenstadt, Bildung und mögliche Koalitionen nach der Wahl. Die Opposition zeigte sich in vielen Punkten einig. Gleichzeitig blieben bei einigen großen Vorhaben offene Fragen.

Also Graz ist dafür bekannt, dass man die Umfragen in der Pfeife rauchen kann.

so Michael Winter (KFG).

Verkehr bleibt das große Reizthema

Am meisten Raum nahm an diesem Abend die Verkehrspolitik ein. Die Opposition wirft der aktuellen Stadtregierung vor, zu stark gegen Autofahrer zu arbeiten. Besonders oft fiel die Kritik an gestrichenen Parkplätzen, fehlenden Alternativen und aus Sicht der Opposition zu wenig Rücksicht auf Pendler.

Man hat 1500 bis 2000 Parkplätze ersatzlos gestrichen und hat keine Begleitmaßnahmen gesetzt.

kritisiert Kurt Hohensinner (ÖVP).

Kurt Hohensinner sprach sich für ein Gesamtkonzept aus. Autos sollen stärker am Stadtrand abgefangen werden. Dazu nannte er Park-and-Ride-Anlagen, Tiefgaragen und bessere Umstiegsmöglichkeiten auf Öffis. Auch Radwege schloss er nicht aus. Allerdings fordert er durchgehende Radachsen statt einzelner Projekte.

Auch René Apfelknab setzte beim Verkehr an. Er sprach sich für eine Gleichbehandlung aller Verkehrsteilnehmer aus. Wenn man Autos am Stadtrand abfangen wolle, brauche es aus seiner Sicht auch häufigere Busverbindungen und bessere Öffi-Angebote.

Philipp Pointner rückte den S-Bahn-Tunnel in den Mittelpunkt. Damit sollen Pendler leichter nach Graz kommen, ohne mit dem Auto bis in die Stadt fahren zu müssen.

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Innenstadt soll wieder stärker werden

Ein weiterer Schwerpunkt war die Grazer Innenstadt. Die Opposition sieht hier großen Handlungsbedarf. Mehrere Kandidaten warnten vor sinkenden Frequenzen, Leerständen und Problemen für Betriebe.

Als wichtige Punkte wurden bessere Erreichbarkeit, mehr Sicherheit, Sauberkeit und ein stärkerer Branchenmix genannt. Die Innenstadt soll nicht nur für Touristen, sondern auch für Grazerinnen und Grazer wieder attraktiver werden.

Besonders die Annenstraße wurde mehrfach angesprochen. Sie gilt als wichtige Achse zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt. Mehr Bäume, neue Nutzungen, Start-ups, Pop-ups und eine stärkere Verbindung zur FH könnten aus Sicht der Opposition helfen.

Finanzen: Sparen und gleichzeitig investieren

Beim Thema Finanzen wurde es komplizierter. Die Opposition kritisiert den hohen Schuldenstand der Stadt und fordert Einsparungen. Genannt wurden unter anderem weniger Doppelgleisigkeiten in der Verwaltung, eine Reform des Hauses Graz, weniger Parteienförderung und ein genauerer Blick auf Förderungen.

Gleichzeitig wollen die Parteien große Projekte umsetzen. Dazu zählen etwa der S-Bahn-Tunnel, Parkgaragen, Schulausbauten, bessere Öffis, Innenstadtbelebung und das Stadion.

Hier liegt die größte offene Frage: Was kann Graz selbst finanzieren? Und welche Projekte hängen von Bund, Land, ÖBB, EU oder privaten Partnern ab?

Sicherheit: Mehr Überwachung oder mehr Prävention?

Auch Sicherheit spielte eine große Rolle. FPÖ und KFG setzten stark auf klare Law-and-Order-Maßnahmen. Sie fordern mehr Präsenz, Videoüberwachung an Problemorten und eine stärkere Ordnungswache.

Kurt Hohensinner sprach ebenfalls von Videoüberwachung an bestimmten Plätzen, mehr Licht in Parks und einer Neuausrichtung der Ordnungswache. Zugleich betonte er, dass Graz grundsätzlich eine sichere Stadt sei, man aber auf Menschen hören müsse, die sich an bestimmten Orten unsicher fühlen.

Philipp Pointner argumentierte stärker über Bildung, Sprache und Integration. Aus seiner Sicht braucht Graz frühe Förderung, damit das Zusammenleben langfristig besser funktioniert.

Damit zeigt sich ein Unterschied innerhalb der Opposition: Alle sehen Handlungsbedarf. Doch nicht alle setzen denselben Schwerpunkt.

Bildung als Schlüsselthema

Bildung wurde vor allem mit Integration, Deutschförderung und Chancengerechtigkeit verbunden. Mehrere Kandidaten sprachen sich dafür aus, früher anzusetzen – also schon im Kindergarten.

Ab dem ersten Geburtstag für jedes Kind in Graz einen Fixplatz in der Kinderbetreuung.

fordert Philipp Pointner (NEOS).

Gefordert wurden kleinere Gruppen, mehr Deutschförderung, ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr, mehr Unterstützung für Schulen und ein Ausbau von Schulpsychologie und Sozialarbeit.

Besonders Kurt Hohensinner und Philipp Pointner stellten Bildung als zentrale Zukunftsfrage dar. Aus ihrer Sicht entscheidet sich dort, ob Kinder gute Chancen bekommen und ob Integration gelingt.

Stadion bleibt ein heikles Thema

Auch das Stadion kam zur Sprache. Die Opposition warf der aktuellen Koalition vor, zu viel versprochen und zu wenig umgesetzt zu haben. Gleichzeitig zeigte die Diskussion, wie schwierig das Thema bleibt.

Ein modernes Stadion kostet viel Geld. Gleichzeitig braucht Graz Geld für Schulen, Verkehr und andere Projekte. Deshalb bleibt offen, welche Lösung tatsächlich realistisch ist und wer welchen Anteil zahlen soll.

Koalitionsfrage bleibt spannend

Am Ende ging es auch um mögliche Mehrheiten nach der Wahl. Die Opposition will die derzeitige Rathauskoalition aufbrechen. Doch wer danach mit wem regieren könnte, blieb teilweise offen.

Die ÖVP betonte Inhalte wie Verkehr, Bildung und Wirtschaft. Die NEOS schlossen an diesem Abend Koalitionen mit dem linken und rechten Rand aus. (Anmerkung der Redaktion: Inzwischen wollen sich die Neos für Projekt-Zusammenarbeit mit Elke Kahr öffnen) Die KFG zeigte sich für Gespräche offen, schloss KPÖ und Grüne aber klar aus. Die FPÖ sprach ebenfalls von Überschneidungen, wenn die Inhalte passen.

Es besteht jetzt die Möglichkeit diese linkslinke Koalition aufzubrechen und da werden wir alles daran setzen, dass wir die Leute mobilisieren.

meint Rene Apfelknab (FPÖ)-

Damit bleibt die Koalitionsfrage nach der Grazer Gemeinderatswahl 2026 einer der spannendsten Punkte dieser Wahl. Wer sich selbst ein Bild machen möchte: Das Gespräch der Spitzenkandidaten ist im Video ganz oben im Artikel eingebettet.

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