Start Graz Chronik Reininghausplatz: „Betonwüste“ sorgt für Debatte

Reininghausplatz: „Betonwüste“ sorgt für Debatte

Reininghausplatz Betonwüste

Der neu eröffnete Reininghausplatz in Graz löst intensive Diskussionen aus. Auf unserer Inside Graz Facebookseite bezeichnen viele Nutzer:innen unter einem Video den Platz als „Betonwüste“, kritisieren fehlenden Schatten und befürchten starke Hitze im Sommer. Einige vermissen mehr Grünflächen und eine höhere Aufenthaltsqualität – vor allem im Umfeld der Schule.

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In den Kommentaren richtet sich die Kritik dabei nicht nur gegen die Gestaltung selbst, sondern auch gegen politische Verantwortliche in der Stadt. Mehrere Nutzer:innen machen Entscheidungen der Stadtregierung für die Umsetzung verantwortlich und stellen die grundsätzliche Ausrichtung der Stadtentwicklung in Graz infrage.

Andere Stimmen hinterfragen die Versiegelung sowie die langfristige Planung und stellen die Frage, ob ein solcher Platz heute noch zeitgemäß ist. Die Kritik richtet sich damit sowohl auf den konkreten Ort als auch auf größere städtebauliche Entwicklungen im neuen Stadtteil Reininghaus:

Wir haben nachgefragt

Die Stadtbaudirektion betont in ihrer Stellungnahme, dass der Reininghausplatz bewusst als zentraler öffentlicher Raum für ein wachsendes Quartier konzipiert wurde. Der Platz soll nicht nur heute funktionieren, sondern künftig auch für zusätzliche Bewohner:innen und angrenzende Quartiere ausreichend Raum bieten.

Der Siegerentwurf aus dem Jahr 2021 blieb laut Stadt im Kern erhalten. Planer:innen entwickelten ihn im Zuge der Detailplanung weiter und passten vor allem technische und funktionale Aspekte an. Unter anderem ergänzten sie acht zusätzliche Bäume. Zudem ersetzten sie ursprünglich geplante Makadamflächen durch begrünte, versickerungsfähige Schotterrasenflächen.

Zentral ist dabei auch die planerische Einordnung des Projekts. Die Stadt stellt klar:

Der Reininghausplatz funktioniert bewusst als Platz und nicht als Park.

Insgesamt pflanzten sie 78 Bäume nach dem sogenannten Schwammstadtprinzip. Dieses System speichert Regenwasser im Untergrund und versorgt die Bäume langfristig, wodurch sie später auch zur Kühlung beitragen. Die Stadt setzt dabei bewusst auf junge Bäume. Diese passen sich besser an den Standort an und entwickeln sich stabiler, benötigen jedoch Zeit, um ihre volle Wirkung zu entfalten.

Nach Angaben der Stadt entsteht ein dichter Kronenschluss erst in etwa 10 bis 15 Jahren. Die Stadt formuliert dazu konkret:

Ein weitgehend geschlossener Kronenschluss ist erst nach 10 bis 15 Jahren realistisch.

Dann soll der Platz deutlich mehr Schatten bieten und das Mikroklima spürbar verbessern. Zusätzlich sollen Gräser- und Staudenflächen sowie eine Wasserfläche zur Kühlung beitragen.

Die Stadt hebt außerdem hervor, dass der Reininghausplatz unterschiedliche Anforderungen erfüllen muss. Neben Aufenthaltsqualität und Begrünung braucht es auch Flächen für Veranstaltungen, Märkte, Bewegung sowie barrierefreie Wege und technische Infrastruktur. Diese Kombination führt zwangsläufig zu einem höheren Anteil befestigter Flächen.

Nachbesserungen schließt die Stadt nicht aus. Technisch seien punktuelle Anpassungen möglich. Dazu heißt es: „Grundsätzlich sind punktuelle Anpassungen technisch möglich, etwa durch zusätzliche temporäre oder mobile Beschattungselemente.“ Die Verantwortlichen wollen die Entwicklung und Nutzung des Platzes weiter beobachten.

Reininghausplatz Kritik Infografik

Statement der Vizebürgermeisterin

Auch Vizebürgermeisterin Judith Schwentner nimmt zur aktuellen Debatte Stellung:

Der Reininghausplatz wurde vom ersten Moment an angenommen. Schon bei der Eröffnung war er voller Leben – Kinder haben beim Brunnen gespielt, die Sitzgelegenheiten waren besetzt, es wurde Boccia und Tischtennis gespielt. Genau dafür ist dieser Platz gemacht.

Und ja, es ist ein bewusst offener Platz, wo rundherum noch weitere Wohnquartiere entstehen werden. Ein Stadtteil wie Reininghaus braucht Räume, die Platz für Feste, Märkte und gemeinsames Leben bieten. Diese Offenheit ist keine Schwäche, sondern seine Stärke.

Gleichzeitig ist der Reininghausplatz so gebaut, dass Regenwasser versickern kann, und 78 Bäume werden in den kommenden Jahren für Schatten und Abkühlung sorgen. Diese Qualität wächst mit der Zeit und wird gerade an heißen Tagen spürbar sein. Natürlich nehmen wir die Rückmeldungen ernst und schauen genau hin: Stadtentwicklung ist nichts Starres. Wenn sich zeigt, dass es an einzelnen Stellen noch Verbesserungen braucht, dann setzen wir nach.

Der Reininghausplatz soll sich erst in den kommenden Jahren vollständig entfalten – insbesondere durch das Wachstum der Bäume und die weitere Bebauung des Umfelds. Ob der Platz die Erwartungen künftig erfüllt oder ob Anpassungen notwendig werden, dürfte sich bereits in den kommenden Sommern zeigen.

Die komplette Antwort der Stadtbaudirektion mit allen Details findest du hier:

👉 Jetzt vollständige Stellungnahme als PDF lesen

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