Start Kolumne Graz: City of Hanf – Die Schattenseite

Graz: City of Hanf – Die Schattenseite

TEILEN
Graz City Hanf

Der Boom von Cannabisprodukten geht von Graz aus. Diese Überschrift war in der letzten Ausgabe der „WOCHE“ am 5. Dezember zu lesen. In diesem Artikel schreibt der Autor darüber, dass es mittlerweile sogar 14 Cannabis-Automaten in Graz gibt und das Produkten aus Hanf, eine beruhigende, stressbefreiende und entspannende Wirkung nachgesagt wird. Aber wie sieht es bei der Produktion aus?

Hanfanbau: Den Bürgern stinkt es

So positiv diese Effekte Konsumenten empfinden mögen, durch die ganzjährige Produktion von Hanf wird bei vielen GrazerInnen genau das Gegenteil erzielt: Anrainer der Gärtnerei Herneth bzw. HANFAMA in Graz Puntigam sind seit dem Frühling 2018 mit einem täglichen Gestank durch den Anbau von Hanf auf rund 12ha geplagt. Die Glashäuser der Gärtnerei (eine der größten Produzenten von Hanf in Österreich) grenzen dabei auf ein paar Meter dicht an benachbarte Wohnhäuser. Der Gestank erstreckt sich dabei auf einem Umkreis von mindestens 500 Metern und mehr, bis über die Mur ins Murfeld.

Geruch empfindet jeder anders, aber man kann sich das so vorstellen: Das ist so als würde mitten in Graz mit zahlreichen Wohnhäusern ein Schweinestall mit zu vielen Schweinen betrieben werden. Die dadurch verursachten Probleme mit dem Gestank kennt man nicht nur aus Medienberichten.

Wie sich der Gestank durch den riesen Hanf-Anbau in der Umgebung auf die Lebens- und Wohnqualität auswirkt:

  • Vom Frühling bis November kann man besonders an warmen Tagen kaum mehr lüften.
  • Da man für die eigene Gesundheit lüften muss bzw. sollte, stinkt es danach in jedem Raum nach Hanf. Natürlich auch in Kinderzimmern. Im nahen Kindergarten gab es deswegen schon besorgte Stimmen.
  • Fährt man abends wieder nach Hause, weiß man bereits in einigen hundert Meter Entfernung – man ist wieder in Hanf-City. Und das riecht man. Obwohl die Luft in ganz Graz so und so nicht die beste ist.

Petition an die Stadt Graz

Bei Gesprächen mit Betroffenen stellte sich heraus, dass man in den ersten Tagen gar nicht wusste, was und woher der Gestank kam. Bis jemand sagte:

Hier riecht es wie in Amsterdam!

Warum gerade Amsterdam? Weil die Stadt auch für ihre (legalen) Hanf-Shops bekannt ist. Nun braucht man gar nicht mehr nach Amsterdam fliegen, eine kurz Fahrt nach Puntigam reicht …

Die Hauptursache scheint in einer ungefilterten Entlüftung der riesigen Glashäusern zu liegen. Zum einen werden besonders geruchsintensive Hanf-Pflanzen angebaut und zum anderen gibt es mehrmals am Tag Entlüftungszeiten, wo die Abluft in hoher Konzentration in die Umgebung kommt.

Nach vielen Monaten des Gestankes, besonders an heißen Tagen in der Sommerzeit, wurde bei der Puntigamer Bezirksversammlung am 18. Oktober 2018 eine Petition geplagter BewohnerInnen im Süden von Graz Bezirksvorsteher Scheuch Helmuth übergeben. Ziel dieser Petition: Ende der massiven Geruchsbelästing durch den Hanfanbau der Firma Herneth.

Wie reagieren die Behören / Politik? Der aktuelle Stand

  • Laut Büro der Stadträtin Tina Wirnsberger kann das Umweltamt keine gewerberechtlichen Auflagen vorschreiben, sondern nur im  Auftrag der Bau- und Anlagenbehörde tätig werden.
  • Für die Bau- und Anlagenbehörde fällt die Gärtnerei nicht in Zuständigkeit des Gewerberechts, sondern wird als landwirtschaftlicher Betrieb geführt und unterliegt der Landwirtschaftskammer.
  • Das Umweltamt Graz (=Ressort von Frau Stadträtin Wirnsberger) sieht sich aus diesem Grund rechtlich und behördlich nicht zuständig.
  • Unsere telefonische Anfrage bei der Landwirtschaftskammer Steiermark ergab, dass die Problematik/Vorschriften noch abgeklärt werden müssen, da man sich hier mit Hanfanbau im großen Stil (und im besonderen Fall in Graz) auf Neuland befindet.

Eine Stellungnahme der Grazer Stadträte und vor allem Bürgermeister Siegfried Nagel gibt es zur Petition leider noch nicht. Auch bezüglich einem Angebot für einen Runden Tisch mit Betroffenen sowie der Politik/Behörden und der Firma Herneth/HANFAMA gibt es noch keine Reaktion. Die Zeit drängt, denn spätestens mit Frühlingsbeginn heißt es wieder: Graz – City of Hanf.

Hanfbauer Herneth Gartenbau reagiert

In einem Schreiben an die Anrainer bestätigte Günther Herneth als Inhaber der Gärtnerei die Beschwerden aufgrund der Geruchsbelästigung und kündigt folgende Maßnahmen an:

  • Bei der Sortenwahl werden nur mehr Nutzhanfsorten verwendet, die weniger Terpene aufweisen und dadurch weniger riechen.
  • Den Nachbarn wird abgewandt eine Zwangslüftung montiert um den größten Teil der Abluft in unbewohntes Gebiet abzugeben.
  • Die Freiluftversuche von Hanfsorten werden auf ein Minimum reduziert.

Du bist von diesem Problem betroffen? Schicke uns bitte eine E-Mail an redaktion [at] inside-graz.at

Titelfoto: Symbolbild/Collage

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here