Die Stellung beim Bundesheer entscheidet nicht nur über die Eignung für den Wehrdienst. Sie liefert auch einen breiten Blick auf die gesundheitliche Entwicklung junger Männer in Österreich. Pro Geburtsjahrgang werden rund 50.000 Stellungspflichtige untersucht. In der Steiermark betrifft das jährlich etwa 6.500 junge Männer, wie wir bereits im Gespräch mit Oberst Edgar Strasser, Leiter der Stellungskommission Steiermark, berichteten.
Während bei der Stellung vor allem die Einstufung in „tauglich“, „vorübergehend untauglich“ oder „untauglich“ im Mittelpunkt steht, gewinnen die erhobenen Gesundheitsdaten langfristig an Bedeutung. Denn für viele junge Männer ist die Stellung eine der ersten umfassenden medizinischen Untersuchungen ihres Lebens. Das Bundesheer bekommt dadurch einen seltenen Überblick über den Gesundheitszustand einer ganzen Generation.
„Die Stellung stellt für viele junge Menschen die erste umfassende Gesundheitsuntersuchung dar und ermöglicht Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand einer ganzen Generation. Damit leistet das Bundesheer einen wichtigen Beitrag zur Früherkennung und zur weiteren medizinischen Versorgung junger Männer, aber auch bei Frauen, die den freiwilligen Grundwehrdienst ableisten“, so Verteidigungsministerin Klaudia Tanner.
85 Prozent mit mindestens einer Diagnose
Die Zahlen zeigen, dass die Stellung weit über eine reine Musterung hinausgeht. Bei rund 85 Prozent der Stellungspflichtigen wird zumindest eine medizinische Diagnose dokumentiert. Dabei handelt es sich nicht automatisch um schwere Erkrankungen. Häufig erfassen die Ärztinnen und Ärzte Auffälligkeiten, die im Alltag bisher nicht oder nur am Rand bemerkt wurden.
Besonders oft betreffen die Befunde den Bewegungsapparat. Dazu zählen etwa Plattfüße oder Verkrümmungen der Wirbelsäule. Außerdem stellen die Untersuchungen regelmäßig Allergien, Kurzsichtigkeit und Stoffwechselstörungen fest. Auch Übergewicht spielt in den Auswertungen eine Rolle.
Damit ergänzt die aktuelle Entwicklung jene Einblicke, die Oberst Edgar Strasser bereits im Inside-Graz-Gespräch zur praktischen Durchführung der Stellung gegeben hat. Der Ablauf mit Blutabnahme, EKG, Lungenfunktionsprüfung, Seh- und Hörtest, psychologischem Test, Biometrie und Kraftmessung schafft die Grundlage dafür, medizinische Auffälligkeiten möglichst strukturiert zu erfassen.
Körpergröße und Gewicht steigen langfristig
Auffällig ist vor allem die Entwicklung über mehrere Jahre hinweg. Laut Bundesheer zeigen die Daten einen langfristigen Anstieg bei Körpergröße und Körpergewicht. Zudem wächst der Anteil jener Stellungspflichtigen, die mehr als 90 Kilogramm wiegen.
Diese Entwicklung bedeutet jedoch nicht automatisch, dass alle jungen Männer schlechter in Form sind. Bereits Oberst Edgar Strasser verwies im Gespräch mit Inside Graz darauf, dass die körperliche Verfassung sehr unterschiedlich ausfällt. Die Bandbreite reicht vom wenig sportlichen Typ bis zum Spitzensportler. Dennoch liefern die bundesweiten Daten Hinweise darauf, dass Gewicht und Stoffwechselthemen bei der Stellung zunehmend stärker sichtbar werden.
Gerade deshalb erfüllt die Stellung auch eine gesundheitspolitische Funktion. Sie kann Risiken früh aufzeigen und jungen Menschen eine Orientierung geben, bevor Beschwerden später zu größeren Problemen werden.
Stellung als Frühwarnsystem
Die Untersuchung dauert in der Regel eineinhalb Tage und findet in den Stellungshäusern der Militärkommanden statt. In dieser Zeit prüfen Ärztinnen, Ärzte, Psychologinnen und Psychologen sowohl die körperliche als auch die psychische Eignung. Am Ende steht ein schriftliches Ergebnis, zusätzlich führen die Stellungspflichtigen ein Abschlussgespräch über ihren Gesundheitszustand.
Dabei geht es auch um Empfehlungen für weitere Untersuchungen oder Behandlungen. Wenn Fachleute während der Stellung Auffälligkeiten erkennen, können sie auf medizinische oder psychologische Unterstützungsangebote hinweisen. Somit wirkt die Stellung in vielen Fällen wie ein Frühwarnsystem.
Die Entscheidung über die Tauglichkeit trifft eine Stellungskommission. Sie besteht aus einem Offizier als Leiter, medizinischem und psychologischem Fachpersonal sowie Verwaltungspersonal. Für eine Einstufung als „tauglich“ braucht es die Zustimmung einer Ärztin oder eines Arztes. Zusätzlich gibt es Kurzstellungen, wenn jemand vorübergehend untauglich war oder erneut beurteilt werden muss.
Die Stellung als Spiegel einer Generation
Der Blick auf die aktuellen Zahlen macht deutlich: Die Stellung ist nicht nur ein verpflichtender Termin vor dem Grundwehrdienst. Sie zeigt auch, wie sich die Gesundheit junger Männer verändert. Dadurch entstehen Daten, die weit über den einzelnen Jahrgang hinausreichen.
Für die Steiermark bedeutet das: Die rund 6.500 jungen Männer, die jährlich zur Stellung in Graz kommen, sind Teil eines bundesweiten Gesundheitsbildes. Während der einzelne Stellungspflichtige sein persönliches Ergebnis erhält, erkennt das Bundesheer in Summe Trends bei Körperbau, Gewicht, Sehvermögen, Allergien und anderen medizinischen Themen.
Gerade diese Entwicklungsperspektive macht die Stellung zu mehr als einer militärischen Eignungsprüfung. Sie bleibt ein zentraler Schritt vor dem Wehrdienst, liefert aber zugleich wichtige Hinweise darauf, wie gesund eine junge Generation tatsächlich ist.






























































