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Autofrei: Wie wir als Familie ohne Auto in Graz leben – unsere Erfahrungen

Wieso Weshalb Warum? Als vierköpfige Familie ohne Auto wird man schnell mal schief angeschaut. Für viele ist es unvorstellbar ohne Auto zu sein, wir kennen es nicht anders. Unsere Erfahrungen über Leben & Wohnen in Graz ohne eigenes Auto.

Autofrei in Graz

Schon zu Studienzeiten haben wir uns ausschließlich mit dem Rad und zu Fuss fortbewegt, auf längeren Wegen dann mit Bus und Bim. Und auch als Familie haben wir uns einfach nur gut organisiert. Frei nach dem Motto „ist es öffentlich nicht g‘scheit erreichbar, dann taugt es nichts“. Das gilt übrigens auch für unsere Urlaube, das ist aber eine andere Geschichte…

Wohnen und Arbeiten

Wir wohnen gern zentral, das war schon immer so. Wir lieben die Stadt, die Altstadtbim, die nähe zum Stadtpark und zum Hilmteich. Die Immobilienpreise sind zwar hoch, es lohnt sich für uns aber in der Stadt zu wohnen. Vieles befindet sich nur einen Katzensprung entfernt und wir gewinnen an freier Zeit dazu. Inzwischen wohnt es sich stadtauswärts auch nicht mehr günstiger. Und wer hat heutzutage nicht gern etwas mehr Zeit für sich und die Liebsten? Unsere Arbeitgeber sind zentral gelegen und wenn wir wollten, könnten wir jeden Tag auf den Schlossberg joggen, aber soviel Freizeit bleibt dann doch nicht ;-)

Einkaufen ohne eigenes Auto

  • Der Wocheneinkauf gestaltet sich da schon etwas schwieriger und erfordert mehr Planung und Muskelkraft. Wir gehen im Durchschnitt ein Mal pro Woche im nahegelegen Supermarkt einkaufen. Dazu kommen Ausflüge zum Bauernmarkt, Bäcker und Fleischer. Alle paar Monate leihen wir ein Auto, fahren zu einem größeren Supermarkt/Discounter und füllen die Vorräte auf. Manch einer würde meinen wir hamstern für einen weiteren Lockdown, wir füllen da aber nur die Basics auf, kiloweise Pasta, Mehl, WC Papier und alles, was eben noch so auf der Einkaufsliste steht.
  • Heimwerkerbedarf gibt es nahe Stadion mit der Linie 4 und selbst der Möbelschwede ist gut erreichbar – es dauert halt – am Besten geht es immer noch mit der Straßenbahnlinie 5, denn die Bim steht selten im Stau. Sollte der Einkauf größer werden, dann kann man bei den Möbelhäusern Transporter ausleihen. Das funktioniert super und hat uns auch schon bei einigen Umzügen geholfen.

Tipp:

Freizeit mit Kleinkindern in der Stadt: eine Auflistung unserer Favoriten

  1. Lustbühel: Kinder lieben Tiere und Spielplätze und weil es in Graz keinen Zoo gibt, fahren wir des Öfteren zum Lustbühl hinauf, Tiere schauen und Spielplatz gehen. Es ist gut erreichbar mit dem Bus 60. Aussteigen bei Station Schloss Lustbühel
  2. Stadtpark: Der Spielplatz. Ein Klassiker.
  3. Theodor Körner Str. Haltestelle Maut Andritz, das „Wikingerschiffswrack“ ist unser neuester Favorit, und bietet ein weitläufig angelegtes Areal zum Austoben.
  4. Rosenhain hinterm USI hinauf, nicht für kleine Kids geeignet, aber ein netter Spaziergang im Wald ist möglich. Wir empfehlen keinen Buggy mitzunehmen! Und unterhalb vom Café Rosenhain ist auch ein Spielplatz. Öffentlich mit Bus 58 bis Panoramagasse und dann steil den Berg hinauf und dann wird man belohnt mit viel Natur und schöner Aussicht.
  5. Der Hilmteich ist u.a. mit der Linie 1 erreichbar. Die Sandkiste mit Bagger ist und bleibt der Hit für kleine BaumeisterInnen. Der Spielplatz wurde erweitert im Sommer 2020. Es gibt jetzt auch eine Geschwisterschaukel und Nestschaukel.
  6. Rettenbachklamm Wanderung: mit Linie 1 bis Haltestelle Waldhof. Wegzeit ca. 1h, der Wanderweg endet in Mariatrost und man kann mit der Straßenbahn zurückfahren. Diese kurzweilige Wanderung geht am Besten mit einem Tragerucksack. (Ausflugsziel Rettenbachklamm auf stadt-graz.at)
  7. Park Schloss Eggenberg, ist gut erreichbar mit den Straßenbahnlinien 1 und 7. Um zum Spielplatz zu gelangen darf man aber durch den ganzen Park laufen, für Kleine kann das schon zur Geduldsprobe werden.
  8. Straßenbahn fahren ist immer ein Highlight. Kein Witz, egal wohin. Das geht gut bei jedem Wind und Wetter. (📷 Fahrt mit der Oldtimer-Tramway durch Graz auf Youtube)
  9. Ein Bauernmarkt Spaziergang ist immer toll, nirgendwo sonst macht Einkaufen mehr Spaß.
  10. August Matthey Park nahe der Herz-Jesu Kirche (Linie 3) bietet Stadtkindern eine tolle Kletterspinne und eine Sandkiste mit Wasserspiel. Im Sommer gehört Letzteres fast täglich zur Abkühlung dazu.
  11. Der neue Spielplatz auf dem Schlossberg wird viel zu selten von uns besucht, ist aber recht gut gelungen und nicht so überfüllt.

Wenn es zu Fuß / öffentlich / mit dem Rad nicht geht, was dann?

  • Ein Auto mieten über einen regulären Autoverleih.
  • Car Sharing mit TIM (www.tim-oesterreich.at/graz/ Mitgliedschaft bei der Jahreskarte inkl.) und postfossil (www.postfossil.at). Wir haben inzwischen beide Anbieter getestet. Funktioniert einwandfrei. Einfach (auch spontan) online buchen, Kindersitze gibt es bei einigen Autos auch schon dabei. Die Preise sind in Ordnung für sporadischen Gebrauch.
  • Ein Taxi nehmen geht immer, tun wir aber fast nie.

Fazit: Leben und Wohnen in der Stadt mit der Familie ohne Auto

pro

  • Wer es nicht anders kennt, dem fehlt das Auto auch nicht. Oft ist nämlich auch schon der Weg das Ziel.
  • Alles wird auf Erreichbarkeit geprüft bevor es besucht wird. Man lernt außerdem pünktlich zu sein, denn sonst verpasst man ja den Bus oder die Straßenbahn.
  • Die Jahreskarte für die Zone Graz immer noch günstiger als die monatlichen Autokosten.
  • Wir haben zwar Fahrräder und sogar einen Radanhänger, beides steht die meiste Zeit des Jahres ungenutzt im Keller. Wir sind oft schneller zu Fuß unterwegs.

contra

  • Wir mögen keine Ferien, denn Ferien bedeuten Ferienfahrplan und dieser ist nur ein Synonym für eingeschränkten öffentlichen Betrieb, ergo längere Intervalle bei Bus/Bim
  • Merke: Freundschaften zu pflegen kann schwierig sein, denn nicht alle Freunde wohnen an der „richtigen“ Haltestelle. Im Winter kann das bei entsprechendem Wetter richtig doof sein.

Zu guter Letzt:

Dieser Text entstand nicht in Kooperation mit der Holding Graz und ist auch kein Lobgesang auf diese. Wir sind keine Autogegner – wir haben ja auch den Führerschein. Zur Zeit passt es uns ganz gut autofrei zu leben. Und sobald ein Orts oder Jobwechsel ansteht wird neu evaluiert.

Wir nehmen unsere Stadt mit anderen Augen wahr. Wir wissen zwar nicht, wo es die besten Parkplätze gibt, dafür aber die besten Haltestellen zum Ein/Aussteigen mit Kind und Kegel :-)

Über die Autorin: Karoline (36), lebt mit Ihrem Mann und zwei kleinen Kindern in Graz.

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