Start Freizeit & Lifestyle Tigermücke in Graz: Neue Technik und sterile Mücken gegen die Plage

Tigermücke in Graz: Neue Technik und sterile Mücken gegen die Plage

Tigermücken Management
Die Stadt Graz hat einen umfassenden Maßnahmenplan 2026 zur Eindämmung der Tigermücke vorgestellt. Beim Pressegespräch informierten Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer, Dr.in Eva Winter und Erwin Wieser vom Gesundheitsamt, über aktuelle Entwicklungen und die nächsten Schritte. © Foto Fischer / Stadt Graz

Ein Abend auf der Terrasse. Ein Kaffee auf dem Balkon. Oder ein kurzer Aufenthalt im Garten. Für viele Grazerinnen und Grazer gehört dazu inzwischen ein ungebetener Gast: die asiatische Tigermücke.

Sie ist klein, nahezu lautlos und sticht oft mehrfach. Viele Menschen bemerken sie erst, wenn der Juckreiz bereits da ist.

Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer beschreibt die Situation deutlich:

Die Tigermücke ist bekanntlich ja nicht nur ein Plagegeist, der uns mitunter den Sommer verleidet und wo wir viele Berichte aus der Grazer Bevölkerung haben, gerade auch von Familien, die sagen: Es ist eigentlich nur schwer auszuhalten auf der Terrasse, am Balkon im grünen Bereich. Sondern sie ist auch potenziell gesundheitsgefährdend.

Die Stadt Graz reagiert deshalb mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket für das Jahr 2026. Ziel ist es, die Ausbreitung der Tigermücke einzudämmen und gleichzeitig auf chemische Bekämpfungsmittel zu verzichten.

Wie die Tigermücke nach Graz kam

Die Geschichte der Tigermücke in Graz begann vor wenigen Jahren.

Gesundheitsamtsleiterin Eva Winter erinnert sich an den Moment, als die Stadt erstmals über das Problem informiert wurde:

Die gemeinsame Geschichte von Tigermücke und der Stadt Graz hat begonnen 2021 mit dem lapidaren Anruf von der AGES in Wien, die uns freudestrahlend verkündet hat, dass wir sozusagen die ersten sind, die wirklich sehr etabliert die Mückenpopulation haben.

Damals war die Tragweite der Entwicklung noch unklar.

Zu dem Zeitpunkt habe ich keine Ahnung gehabt, was das bedeutet, was diese Viecher überhaupt sind. Was das für Konsequenzen nach sich zieht, war vollkommen unbekannt.

Inzwischen ist klar: Die Tigermücke hat sich in mehreren Grazer Stadtteilen etabliert. Die invasive Art stammt ursprünglich aus Südostasien und verbreitete sich weltweit über Transporte und Reisen. In Städten findet sie ideale Lebensbedingungen. Schon kleinste Wasseransammlungen reichen aus, damit sich neue Mücken entwickeln.

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Auf Spurensuche in Grazer Gärten

Besonders intensiv beschäftigt sich Erwin Wieser, Leiter des strategischen Infektionsschutzes der Stadt Graz, mit der Tigermücke. Gemeinsam mit seinem Team ist er regelmäßig in Grazer Gärten unterwegs.

Dabei zeigt sich immer wieder das gleiche Problem: Viele Brutstätten sind kaum sichtbar.

Die meisten Personen erkennen das nicht als solches, weil es wirklich Kleinstwasserstellen sind, die die Mücke da aufsucht für die Eiablage. Die muss man erkennen, die muss man beseitigen.

Oft reicht bereits ein kleiner Wasserrest. Ein Blumentopfuntersetzer, eine Gießkanne oder eine Regentonne können zur Brutstätte werden.

Ein wichtiger Teil der Arbeit sind deshalb Hausbesuche und Beratungen direkt vor Ort. Doch genau das gestaltet sich manchmal schwierig. ➡️ Sieh dir hier unser Video von seinem Vortrag an.

Die wesentlichste Botschaft ist die Bereitschaft zur offenen Gartentür. Das muss transportiert werden, weil das ist nicht immer so einfach. Man wird hin gerufen und dann steht man vor verschlossenen Türen.

Wenn das Team keinen Zugang bekommt, bleibt häufig nur eine Postwurfsendung mit Informationen zurück.

Technik gegen Brutstätten im Kanal

Neben Kontrollen in privaten Gärten setzt Graz zunehmend auf technische Lösungen im öffentlichen Raum. Ein Fokus liegt dabei auf Regeneinläufen und Kanaldeckeln.

In diesen Schächten sammelt sich häufig Wasser. Genau dort können Tigermücken ihre Eier ablegen.

Deshalb testet die Stadt 2026 ein neues System namens ZikaSeal. Dabei handelt es sich um einen mechanischen Verschluss für Regeneinläufe. Der Zugang zum Schacht bleibt normalerweise geschlossen, sodass Mücken nicht hineinfliegen können.

Sammelt sich bei Regen Wasser im Kanal, öffnet sich der Verschluss automatisch für kurze Zeit. Das Wasser kann abfließen, danach schließt sich das System wieder.

Die Konstruktion funktioniert ähnlich wie ein Ventil und soll verhindern, dass Kanalschächte langfristig als Brutstätten dienen.

Biologische Bekämpfung statt Chemie

Parallel dazu setzt die Stadt auf biologische Methoden. Besonders wichtig ist dabei der Wirkstoff BTI.

Dabei handelt es sich um ein natürlich vorkommendes Bodenbakterium, das gezielt Mückenlarven abtötet. Für Menschen, Haustiere und andere Tiere gilt der Wirkstoff als ungefährlich.

Der Wirkstoff wird regelmäßig in Regeneinläufen oder anderen Wasserstellen eingesetzt, in denen sich Larven entwickeln können.

Sterile Männchen gegen die Vermehrung

Ein weiterer zentraler Baustein der Strategie ist die sogenannte Sterile-Insekten-Technik. Dabei werden männliche Tigermücken sterilisiert und anschließend freigesetzt.

Die Weibchen paaren sich mit diesen Männchen. Aus den Eiern entstehen jedoch keine lebensfähigen Nachkommen. Dadurch sinkt die Population schrittweise.

Ein Pilotprojekt im Sommer 2025 brachte erste Ergebnisse. Rund 805.000 sterile Tigermückenmännchen wurden in einem Testgebiet freigesetzt. Die Zahl der weiblichen Mücken ging dort deutlich zurück und auch die Schlupfrate der Eier sank erheblich.

Für 2026 plant die Stadt eine deutliche Ausweitung dieser Methode. Je nach Situation könnten zwischen sechs und acht Millionen sterile Tigermückenmännchen freigesetzt werden.

Wichtig dabei: Die Männchen stechen nicht, denn nur weibliche Mücken benötigen Blut.

Ohne Mithilfe der Bevölkerung geht es nicht

Trotz Technik und biologischer Methoden bleibt ein Faktor entscheidend: die Grazerinnen und Grazer selbst.

Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer betont:

So dick kann das Maßnahmenbündel sein, so kreativ kann das Gesundheitsamt gar nicht sein und so viel Mittel können wir gar nicht einsetzen, dass wir nicht nach wie vor auf die Mithilfe und Unterstützung der Bevölkerung angewiesen sind.

Der wichtigste Schritt ist dabei oft der einfachste. Wasseransammlungen im eigenen Umfeld vermeiden.

Denn häufig beginnt das Problem nicht im Park oder auf der Straße, sondern direkt im eigenen Garten.

Viele kleine Maßnahmen gegen ein großes Problem

Ganz verschwinden wird die Tigermücke aus Graz vermutlich nicht mehr. Ziel der Maßnahmen ist es deshalb, ihre Ausbreitung so weit wie möglich einzudämmen.

Für Erwin Wieser ist entscheidend, früh zu handeln:

Wenn man da wirklich rechtzeitig unterwegs ist und das intensiv macht, dann gibt es wirklich eine Chance, dass man diese massive Ausbreitung unterdrücken kann.

Damit das gelingt, müssen Technik, Forschung und Bevölkerung zusammenarbeiten. Nur so lässt sich die Tigermücke langfristig in Schach halten.

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