Start Österreich Milliarden-Geschäft mit Schlepperei: Polizei sprengt internationales Netzwerk

Milliarden-Geschäft mit Schlepperei: Polizei sprengt internationales Netzwerk

Grenzkontrolle PUMA
Foto LPD Steiermark

Ein international agierendes Schleppernetzwerk entlang der Südost-Balkanroute ist im Zuge der Operation „ANCORA“ zerschlagen worden. Mehr als 130 Tatverdächtige wurden festgenommen. Ermittler gehen davon aus, dass die Organisation über 100.000 Menschen illegal nach Mitteleuropa geschleust und dabei Gewinne in Milliardenhöhe erzielt hat.

Details zu dem internationalen Einsatz präsentierten Polizei und Justiz am 10. März 2026 bei einer Pressekonferenz in Graz gemeinsam mit Innenminister Gerhard Karner:

Ermittlungen begannen in der Südsteiermark

Den Ausgangspunkt der Ermittlungen bildeten Schwerpunktkontrollen der Fremdenpolizei im Grenzraum zu Slowenien rund um Spielfeld. Bei einer Kontrolle im Dezember 2023 im Bezirk Leibnitz versuchte ein mutmaßlicher Schlepperfahrer eine Polizeisperre zu durchbrechen und flüchtete mit hoher Geschwindigkeit.

Trotz abgegebener Warnschüsse setzte der Lenker seine Flucht zunächst fort. Kurz darauf verunglückte das Fahrzeug auf glatter Fahrbahn. Im Auto entdeckten Polizisten acht geschleppte Personen aus Syrien. Der Fahrer konnte damals flüchten, die Ermittlungen führten jedoch zu einem der umfangreichsten Verfahren der steirischen Fremdenpolizei.

International vernetztes Schleppersystem

Operation Ancora Schleppernetzwerk

Im Zuge der Operation gelang es Ermittlern der Polizeiinspektion Spielfeld-FGP, eine weit verzweigte Schlepperorganisation aufzudecken. Die Gruppe soll aus mehreren hundert Mitgliedern bestanden haben und entlang der Südost-Balkanroute aktiv gewesen sein.

Nach bisherigen Erkenntnissen arbeitete das Netzwerk streng hierarchisch und ging offenbar von einem syrischen Clan aus. Insgesamt fünf Teilorganisationen sollen entlang verschiedener Routenabschnitte tätig gewesen sein. Jede dieser Gruppen verfügte über zahlreiche Fahrer.

Zwischen Herbst 2023 und Mai 2025 soll das Netzwerk mehr als 100.000 Menschen von der Türkei über Südosteuropa und Österreich bis nach Deutschland geschleust haben. Ermittler schätzen die illegal erzielten Gewinne auf über eine Milliarde Euro.

Zentrale Drehscheibe in Wien

Als logistischer Mittelpunkt der Organisation gilt ein Handyshop im Wiener Bezirk Ottakring. Dort griffen Einsatzkräfte im Mai 2025 zu. Rund 60 Polizisten sowie Spezialkräfte von Einsatzkommando Cobra und WEGA nahmen sechs mutmaßliche Hauptverantwortliche fest.

Die Männer im Alter zwischen 25 und 50 Jahren befinden sich seither in Untersuchungshaft in der Justizanstalt Wien-Josefstadt. Bei Hausdurchsuchungen stellten Ermittler auch Waffen und Suchtmittel sicher. Die Beschuldigten stammen aus Afghanistan, Syrien sowie der Russischen Föderation und lebten in Wien beziehungsweise Budapest.

Umfangreiche Ermittlungen in mehreren Ländern

Polizei ermittelt gegen Schlepperkriminalität
vlnr. Hofrätin Ursula Auer (FGA Steiermark), Brigadier Gerald Tatzgern (BK), Innenminister Gerhard Karner, Staatsanwältin Nina Bussek (StA Wien) Foto Inside Graz

Der Ermittlungsakt zur Operation „ANCORA“ zählt zu den größten Verfahren gegen Schlepperkriminalität der vergangenen Jahre. Mehr als 150 Beschuldigte wurden einvernommen, hunderte Mobiltelefone ausgewertet und mehrere Terabyte digitaler Daten analysiert.

Ermittler identifizierten über 1.000 Fahrzeuge, die für Schleppungen eingesetzt worden sein sollen. Zudem gelang es, eine tödlich endende Flucht eines Schlepperfahrzeuges in Kroatien mit drei Todesopfern aufzuklären. Der gesamte Ermittlungsakt umfasst inzwischen rund 14.000 Seiten.

Die Ermittlungen erfolgten in enger Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt Österreich, mehreren Landeskriminalämtern, der Staatsanwaltschaft Wien sowie internationalen Partnerbehörden. Europol koordinierte die internationalen Ermittlungsstränge.

Innenminister Gerhard Karner bezeichnete die Operation als wichtigen Schlag gegen organisierte Schlepperkriminalität. Auch Justizministerin Anna Sporrer betonte die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit zwischen Justiz, Polizei und europäischen Partnerbehörden.

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