Graz verzeichnete im Jahr 2025 insgesamt 1.465.754 Nächtigungen. Das entspricht einem Plus von 5,2 Prozent oder rund 72.500 Übernachtungen im Vergleich zu 2024. Gleichzeitig stieg das Bettenangebot in der Stadt deutlich. Damit erreichte die Zahl der verfügbaren Betten einen neuen Höchststand.
Für die Beherbergungsbetriebe bedeutet diese Entwicklung jedoch nicht automatisch bessere Erträge. Trotz steigender Nächtigungen sank die durchschnittliche Auslastung, da das Angebot schneller wuchs als die Nachfrage. Laut einer von der Stadt beauftragten Hotelpreisstudie wirkt sich das unmittelbar auf die erzielbaren Zimmerpreise und die wirtschaftliche Lage der Betriebe aus. Besonders das erste Quartal bleibt für viele Hotels wirtschaftlich schwierig.
Kapazitätsausbau überholt Nachfrage
Zwischen Dezember 2023 und Dezember 2025 erhöhte sich die Zahl der Betten in Graz um rund 19,2 Prozent. Das entspricht etwa 1.750 zusätzlichen Betten. Im selben Zeitraum stiegen die Nächtigungen um 13 Prozent.
Der stärkste Ausbau erfolgte im Vier-Sterne-Segment mit plus 880 Betten, gefolgt von Ferienwohnungen mit knapp 600 zusätzlichen Betten. Auch im Drei-Sterne- sowie im Zwei- und Ein-Sterne-Bereich nahm die Kapazität zu. Diese Entwicklung erhöht den Wettbewerbsdruck, insbesondere in Zeiten schwächerer Nachfrage.
Herkunftsmärkte werden breiter
Der Inlandsmarkt entwickelte sich 2025 stabil mit einem Zuwachs von 1,8 Prozent. Deutschland blieb der wichtigste Auslandsmarkt und legte um 3,2 Prozent zu. Der gemeinsame Anteil von Österreich und Deutschland an allen Nächtigungen sank jedoch von knapp 63 auf rund 61 Prozent. Das weist auf eine zunehmende Internationalisierung hin.
Besonders starke Zuwächse gab es aus Ungarn, Kroatien, Slowenien und China. Polen blieb trotz geringerer Dynamik weiterhin der drittstärkste Auslandsmarkt, knapp vor Italien. Lediglich aus den Niederlanden gingen die Nächtigungen leicht zurück.
Saisonverlauf mit klaren Spitzen
Die Sommermonate Juli und August blieben die stärksten Reisezeiten. Auch der September gewinnt weiter an Bedeutung und etabliert sich zunehmend als vollwertiger Reisemonat. Der Oktober profitierte unter anderem von den Herbstferien.
Der Advent begann im November verhalten, legte im Dezember jedoch spürbar zu. Damit bestätigte sich erneut die hohe Bedeutung saisonaler Veranstaltungen für die Auslastung zum Jahresende.
Geschäftsreisen schwach, Kongresse stabilisiert
Der Geschäftsreisetourismus lag 2025 weiterhin deutlich unter dem Niveau vor der Corona-Pandemie. Laut Stadt hängt das unter anderem mit der angespannten Lage in der Industrie zusammen, insbesondere in der Auto-Zulieferbranche. Eine kurzfristige Erholung ist laut Einschätzung des Ressorts nicht absehbar.
Der Kongresstourismus zeigte eine stabilere Entwicklung. Beim Convention Bureau Graz wurden 212 Tagungen mit mehr als 100 Teilnehmenden gemeldet, nach 197 im Jahr davor. Gleichzeitig sank die Gesamtzahl der Teilnehmenden von rund 63.500 auf 53.400. Viele Veranstaltungen dauerten kürzer oder verzeichneten geringere Teilnehmerzahlen. Zunehmend fanden Tagungen auch außerhalb der klassischen Kongressmonate statt.
Freizeittourismus gleicht Rückgänge aus
Der klassische Städte- und Kulturtourismus entwickelte sich 2025 positiv und konnte Rückgänge im Geschäfts- und Kongressbereich teilweise ausgleichen. Laut Stadt trugen Kultur-, Sport- und Großveranstaltungen sowie Gruppenreisen wesentlich zur Nachfrage bei. Besonders zum Jahresende sorgten Advent- und Silvesterangebote für zusätzliche Übernachtungen.
Tourismus- und Wirtschaftsstadtrat Kurt Hohensinner betonte, dass steigende Nächtigungszahlen allein nicht ausreichen, wenn gleichzeitig die Auslastung sinkt. Laut ihm brauche es Maßnahmen, um schwächere Monate wirtschaftlich abzusichern. Dabei nannte er unter anderem bessere Rahmenbedingungen für Betriebe, eine stärkere Ganzjahresauslastung sowie Impulse für Kongresse und Messen. Diese Aussagen sind als politische Zielsetzungen der Stadtpolitik zu verstehen.
Vertreterinnen der Erlebnisregion Graz verwiesen auf eine verstärkte internationale Bewerbung und den weiteren Ausbau des Freizeittourismus. Auch das Stadtmarketing sieht laut eigener Darstellung Potenzial im Kongress- und Tagungsbereich, insbesondere durch zusätzliche Veranstaltungen außerhalb der Hochsaison.
Foto: Stadt Graz/Fischer v.l.: Dieter Hardt-Stremayr (GF Graz Tourismus), Michael Gerlach (Hotel Gollner), Kurt Hohensinner (Wirtschaftsstadtrat), Susanne Haubenhofer (Geschäftsführerin Erlebnisregion Graz)

























































