Start Graz Chronik Wie Graz sich gegen die Hitze rüsten will

Wie Graz sich gegen die Hitze rüsten will

Temperaturen über 35 Grad, heiße Nächte und heftige Regenfälle belasten Graz zunehmend. Die Stadt will deshalb Straßen, Plätze und Grünräume an die neuen klimatischen Bedingungen anpassen. Mehr Bäume, weniger versiegelte Flächen und ein besserer Umgang mit Regenwasser sollen die Folgen extremer Wetterlagen abmildern.

Die aktuelle Hitzewelle zeigt, wie dringend diese Maßnahmen werden. Laut Prognosen steigen die Temperaturen in Graz zumindest bis Donnerstag weiterhin auf mehr als 35 Grad. Solche Hitzeperioden treten inzwischen deutlich häufiger auf als noch vor einigen Jahren.

Damit verändert sich auch die Aufgabe der Stadtplanung. Graz muss öffentliche Räume künftig so gestalten, dass sie trotz hoher Temperaturen nutzbar bleiben. Gleichzeitig soll die Stadt bei Starkregen mehr Wasser aufnehmen und gefährdete Bereiche besser schützen.

Die Hitze hat bereits jetzt massive Auswirkungen auf unseren Alltag. Deshalb müssen wir unsere Stadt so umgestalten, dass sie auch an sehr heißen Tagen ein guter Ort zum Leben bleibt. Jeder neue Baum, jede entsiegelte Fläche und jeder Platz mit mehr Schatten macht dabei einen Unterschied.

sagt Vizebürgermeisterin Judith Schwentner.

Tummelplatz soll grüner und kühler werden

Visualisierung Tummelplatz Kaiserfeldgasse
Visualisierung Kaiserfeldgasse links und Tummelplatz rechts

Wie diese Anpassung aussehen kann, zeigt die geplante Neugestaltung des Tummelplatzes. Dort sollen künftig mehr Bäume wachsen. Außerdem will die Stadt versiegelte Flächen reduzieren und Regenwasser länger vor Ort halten.

Das Wasser soll nicht sofort in die Kanalisation abfließen. Stattdessen versorgt es die Pflanzen und trägt an heißen Tagen zur Abkühlung bei.

Auch in der Kaiserfeldgasse plant Graz konkrete Schritte. Dort beginnt im September die Sanierung der Lindenallee. Alte Bäume spielen beim Hitzeschutz eine besonders wichtige Rolle, weil ihre großen Kronen breite Schattenflächen schaffen.

Zudem verdunsten Bäume Wasser. Dadurch senken sie die Temperatur in ihrer unmittelbaren Umgebung. Junge Bäume können diese Wirkung erst nach vielen Jahren vollständig erreichen. Deshalb will die Stadt bestehende, große Bäume möglichst lange erhalten.

Klimaanpassung soll bei jedem größeren Umbau mitentscheiden

Graz berücksichtigt Hitze, Starkregen, Begrünung und Bodenentsiegelung inzwischen bei größeren Straßen- und Platzprojekten. Grundlage dafür bildet ein politisch beschlossener Grundsatz zur klimaorientierten Stadtentwicklung.

Dadurch soll die Klimaanpassung nicht mehr nur bei einzelnen Vorzeigeprojekten eine Rolle spielen. Vielmehr will die Stadt sie dauerhaft in ihre Planungen integrieren.

Ein wichtiges Werkzeug bildet dabei das sogenannte Schwammstadt-Prinzip. Unter Straßen und Plätzen entsteht eine Mischung aus Schotter, Erde und speziellen Substraten. Diese Schicht nimmt Regenwasser auf und speichert es.

So steht den Bäumen auch während längerer Trockenperioden Wasser zur Verfügung. Gleichzeitig verdunstet ein Teil der gespeicherten Feuchtigkeit und kühlt die Umgebung. Bei Starkregen fließt außerdem weniger Wasser auf einmal in die Kanalisation.

Nach Angaben der Stadt interessieren sich auch Fachleute aus anderen Ländern für diese Bauweise. Delegationen besuchen Graz regelmäßig, um sich über bereits umgesetzte Projekte zu informieren.

Tropennächte belasten den Körper

Die Stadt betrachtet Klimaanpassung nicht nur als Frage der Stadtgestaltung. Hitze kann auch die Gesundheit gefährden.

Besonders belastend sind sogenannte Tropennächte. Dabei sinkt die Temperatur während der gesamten Nacht nicht unter 20 Grad. Am Lendplatz registrierten Messstellen laut Stadt Graz im Jahr 2024 mehr als 40 solcher Nächte.

Fehlt die nächtliche Abkühlung, kann sich der Körper schlechter erholen. Das betrifft vor allem ältere Menschen, kleine Kinder und Personen mit chronischen Erkrankungen. Auch Menschen in schlecht gedämmten Wohnungen leiden stärker unter langen Hitzeperioden.

Graz setzt deshalb zusätzlich auf kurzfristige Maßnahmen. Der Hitzeaktionsplan soll besonders gefährdete Gruppen schützen. Trinkbrunnen, Schattenplätze und Sprühnebelanlagen sollen an heißen Tagen rasch für Entlastung sorgen.

Daten sollen Hitzeinseln sichtbar machen

Damit Graz gezielt reagieren kann, sammelt und analysiert die Stadt umfangreiche Klimadaten. Das Klima-Informationssystem, kurz KIS, zeigt unter anderem Temperaturen, Windbewegungen und besonders stark aufgeheizte Bereiche.

Schwentner Hitze Graz
Judith Schwentner © perwein.eu

Die Daten sollen mehrere Fragen beantworten: Wo fehlen schattenspendende Bäume? Welche Straßenzüge heizen sich stark auf? Wo kann Frischluft ungehindert durch die Stadt strömen? Und welche Gebiete reagieren besonders empfindlich auf Starkregen?

Auf dieser Grundlage kann Graz neue Bauprojekte und Grünmaßnahmen genauer planen. Künftig soll das System auch mehr Informationen zu Hochwassergefahren liefern.

Hochwasserschutz gehört ebenfalls zur Klimaanpassung

Neben der Hitze rücken Starkregen und Hochwasser stärker in den Mittelpunkt. Deshalb arbeitet Graz gemeinsam mit dem Bund und dem Land Steiermark an weiteren Schutzmaßnahmen.

Zuletzt schlossen die Beteiligten den letzten Abschnitt der Regulierung des Schöckelbachs ab. Das Projekt soll das Hochwasserrisiko senken. Gleichzeitig entstanden neue Grünflächen, zusätzliche Aufforstungen sowie ein durchgängiger Geh- und Radweg.

Damit verbindet die Stadt technische Schutzmaßnahmen mit Verbesserungen für Natur und Freizeit. Solche Projekte sollen künftig häufiger mehrere Aufgaben gleichzeitig erfüllen.

„Die gute Nachricht ist: Was uns vor Hitze und Starkregen schützt, macht Graz gleichzeitig lebenswerter. Mehr Bäume, naturnahe Gewässer und entsiegelte Plätze bringen Schatten, Abkühlung und mehr Sicherheit. Der notwendige Umbau unserer Stadt ist deshalb auch eine große Chance für ein grüneres und gerechteres Graz“, so Schwentner.

Graz soll mehr Schatten bieten, Wasser besser speichern und extreme Wetterlagen leichter verkraften. Der Umbau wird jedoch Jahre dauern. Entscheidend bleibt deshalb, ob die angekündigten Maßnahmen bei neuen Projekten konsequent umgesetzt werden.

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