Klanglicht kehrt 2026 an einen besonderen Grazer Schauplatz zurück. Von 23. Oktober bis 7. November verwandelt das Kunstfestival der Bühnen Graz Schloss Eggenberg und Teile des Schlossparks in eine nächtliche Kunstlandschaft. Insgesamt 14 Installationen beschäftigen sich mit Zeit, Erinnerung, Kosmos und der Geschichte des UNESCO-Weltkulturerbes. Gleichzeitig wagt das Festival einen großen Schritt über Graz hinaus: Erstmals startet auch eine eigene Klanglicht-Ausgabe in Wien.
Für die Grazer Ausgabe könnte der Spielort kaum besser zum diesjährigen Schwerpunkt passen. Schloss Eggenberg folgt in seiner Architektur einem ausgeklügelten System aus Zeit und Kalender: 365 Fenster stehen für die Tage eines Jahres, 52 Türen greifen die Zahl der Wochen auf und 24 Prunksäle erinnern an die Stunden eines Tages. Genau diese Verbindung zwischen Architektur, Zeit und Kosmos bildet 2026 den Ausgangspunkt für viele künstlerische Arbeiten.
Warum Klanglicht 2026 nach Eggenberg zurückkehrt
Bereits 2021 fand Klanglicht im Schloss Eggenberg statt. Damals bestimmten noch Corona-Auflagen das Festival. Dennoch sammelten die Veranstalter Erfahrungen, auf denen sie nun aufbauen.

Allerdings steckt hinter dem Ortswechsel auch eine finanzielle Entscheidung. Bernhard Rinner, Geschäftsführer der Bühnen Graz und Veranstalter von Klanglicht, sprach bei der Programmpräsentation offen über den Sparkurs des Unternehmens. Für das Festival stehen deutlich weniger Mittel zur Verfügung. Laut Rinner wurde das Budget für Klanglicht halbiert. Einen Teil davon sollen nun Ticketeinnahmen ausgleichen.
Gleichzeitig sieht Rinner darin die Chance, das Festival weiterzuentwickeln:
Mit KLANGLICHT im Schloss Eggenberg schlagen wir 2026 bewusst ein neues Kapitel auf und knüpfen zugleich an das an, was dieses Festival seit zehn Jahren ausmacht: Staunen, Inspiration, neue Blickwinkel und das gemeinsame Erleben von Kunst. Für uns bedeutet diese Zeitenwende vor allem eines: nicht stehen zu bleiben, sondern weiterhin möglich zu machen.
Neben den wirtschaftlichen Überlegungen spielte deshalb vor allem die besondere Architektur des Schlosses eine Rolle. Bei der Pressekonferenz verwies Rinner zudem auf ein historisches Detail: Als Kaiser Leopold I. 1673 in Eggenberg Claudia Felicitas von Tirol heiratete, sollte die Grazer Bevölkerung nachts Kerzen in die Fenster stellen und damit die Stadt illuminieren. Mit einem Augenzwinkern bezeichnete Rinner dieses Ereignis als eine Art frühes Klanglicht.
14 Installationen zwischen Schloss und Park
Kuratorin Birgit Lill-Schnabl setzt 2026 auf insgesamt 14 Arbeiten, die sich über den Park und ausgewählte Bereiche des Schlosses verteilen. Dadurch entsteht kein klassischer Rundgang durch eine Ausstellung. Vielmehr wird Schloss Eggenberg selbst Teil der Inszenierungen.
Schon der Weg zum Schloss gehört zum Programm. Das deutsche Künstlerkollektiv Hartung & Trenz gestaltet die Hauptachse mit der Arbeit „Räume der Zeit“. Licht, Sprache und Klang verändern sich dabei, während sich die Besucher dem Schloss nähern.
An der Fassade wartet anschließend eine großformatige Projektion von Daniel Rossa. Dafür nahm der Medienkünstler Details aus den Innenräumen, barocke Motive und Strukturen des Schlosses auf. Tänzer werden ebenfalls Teil der Projektion und verändern das historische Bild Schritt für Schritt.
Im Innenhof ziehen die „Whispering Mountains“ die Aufmerksamkeit auf sich. Leuchtende Bergformen reagieren auf ihre Umgebung und flüstern den Besucherinnen und Besuchern kurze Botschaften zu. Die Installation soll bewusst einen ruhigeren Gegenpol zu den großen Projektionen schaffen.
Eine Uhr aus Licht und die Farben der Jahreszeiten
Auch mehrere Innenräume öffnen sich für Klanglicht.
In der Schlosskirche entwickelt Robin Beekman eine Lichtarbeit rund um die Wahrnehmung von Zeit. Unterschiedliche Lichtzustände bilden dabei eine eigene Art von Uhr.
In der Sakristei verbindet Helga Griffiths Licht, Erinnerung und Geruch. Ihre Arbeit beschäftigt sich mit Flucht und Heimat. Ein Duft soll dabei Erinnerungen an einen zurückgelassenen Ort auslösen.
Besonders eng verbindet sich die Kunst im Planetensaal mit der Architektur. Dort zeigt Inge Dick einen Teil ihres Zyklus „jahres licht weiss“. Die Künstlerin untersucht darin, welche Farben vermeintlich weißes Licht im Verlauf von Tagen und Jahreszeiten tatsächlich annimmt.
Auch der Blick ins Universum spielt eine Rolle. Miriam Hamann beschäftigt sich mit dem hypothetischen „Planet 9“. Astronomische Modelle gehen davon aus, dass weit außerhalb der bekannten Planeten ein bislang nicht direkt beobachteter Himmelskörper existieren könnte. Die Künstlerin übersetzt dessen berechnete Bahnen in eine Lichtskulptur.
Vom historischen Park bis zum Wald aus Licht
Im Lapidarium führt Heleen Blanken das Publikum gedanklich noch weiter zurück und beschäftigt sich mit einer Welt vor dem heutigen Leben.
Der spanische Künstler Javier Riera wiederum arbeitet im Schlosspark mit großformatigen Lichtprojektionen, Geometrie und Landschaft. Interessant ist dabei auch die Verbindung zu Schloss Eggenberg: Riera lebt nahe dem spanischen El Escorial, dessen Architektur zu den historischen Vorbildern für die Konzeption von Eggenberg zählt.
Im Pavillon gestaltet Joshua Hohenbrink die Kuppel neu. Seine Projektion verbindet Elemente der Natur zu einem Wald aus Licht und Klang.
Daneben entstehen Arbeiten, bei denen die Besucher selbst Teil der Installation werden. Studierende der FH JOANNEUM aus Bereichen wie Interaction Design, Sound Design und Media Design entwickeln beispielsweise eine begehbare Arbeit für die Picknickwiese. Bewegung verändert dort das Zusammenspiel von Licht und Klang.
Junge Künstler bekommen eine große Bühne
Die Förderung des Nachwuchses bleibt auch 2026 ein Schwerpunkt. Das Young Masters Programm geht in seine dritte Ausgabe. Junge Künstlerinnen und Künstler erhalten damit die Möglichkeit, ihre Arbeiten innerhalb des Festivals einem großen Publikum zu präsentieren.
Auch die Zusammenarbeit mit der FH JOANNEUM wird fortgesetzt. Stadtrat Kurt Hohensinner betonte bei der Präsentation, dass Klanglicht neben seiner kulturellen Funktion auch touristische und wirtschaftliche Bedeutung für Graz habe. Bei der vergangenen Ausgabe kamen laut den bei der Pressekonferenz präsentierten Zahlen mehr als 108.000 Besucher. Die Ausgaben ausländischer Gäste wurden für 2024 mit mehr als 1,2 Millionen Euro beziffert.
Klanglicht kommt erstmals auch nach Wien
2026 bleibt Klanglicht erstmals nicht auf Graz beschränkt. Parallel zur Eröffnung in Eggenberg startet am 23. Oktober „KLANGLICHT IM PARK – THE SOUND OF LIGHT“ im Schwarzenberggarten beim Schloss Belvedere in Wien.
Die Wiener Ausgabe läuft wesentlich länger, nämlich bis 10. Jänner 2027. Sie erhält ein eigenes Programm, gleichzeitig gibt es künstlerische Verbindungen zwischen beiden Städten. Unter anderem sind Hartung & Trenz, Miriam Hamann, Joshua Hohenbrink und Javier Riera auch in Wien vertreten.
Zu den weiteren Künstlerinnen und Künstlern der Wiener Ausgabe zählen unter anderem Luke Jerram, Katja Paternoster, Alfredo Barsuglia, Philipp Artus und Yasuhiro Chida. Damit wächst ein Festival, das 2015 in Graz begann, erstmals über die Stadtgrenzen hinaus.
Klanglicht 2026 in Graz: Termine, Tickets und Öffnungszeiten
Klanglicht im Schloss Eggenberg läuft von 23. Oktober bis 7. November 2026 täglich zwischen 18 und 22 Uhr. Für den Besuch benötigen Gäste nicht nur ein Ticket, sondern auch ein vorab gewähltes Zeitfenster. Der Einstieg ist jeweils um 18, 19, 20 oder 21 Uhr möglich.
Bei der Pressekonferenz nannten die Veranstalter folgende Preise für einen Klanglicht-Besuch:
| Ticket | Vorverkauf | Abendkasse |
|---|---|---|
| Erwachsene | 19 Euro | 24 Euro |
| Jugendliche | 10,50 Euro | 15 Euro |
| Kinder bis 7 Jahre | kostenlos | kostenlos |
Die Bühnen Graz wollen damit einen Teil der reduzierten öffentlichen Finanzierung über Eintrittseinnahmen auffangen.
Außerdem ist die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Ticket inkludiert. Am Veranstaltungstag gilt die Freifahrt zwei Stunden vor und zwei Stunden nach dem Klanglicht-Besuch innerhalb der vorgesehenen Grazer Öffi-Zone. Das Festival trägt zudem seit 2023 das Österreichische Umweltzeichen als Green Event.
Für Menschen, die sich den regulären Eintritt derzeit nicht leisten können, beteiligt sich Klanglicht erneut an der Aktion „Hunger auf Kunst und Kultur“. Mit Kulturpass können Betroffene einen Gutschein für ein Klanglicht-Ticket erhalten.



























































