Das Sanitätszentrum Süd des Bundesheeres hat einen neuen Kommandanten. Oberstarzt Christoph Bierbamer übernimmt die Führung von Oberstarzt Sigrid Etschmaier-Hanika. Bei der Kommandoübergabe in Graz standen neben dem Führungswechsel vor allem die Zukunft der Militärmedizin, ein neues Militärspital und die Zusammenarbeit mit zivilen Krankenhäusern im Mittelpunkt.
Am 29. Oktober 2026 übernahm Christoph Bierbamer offiziell das Kommando über das Sanitätszentrum Süd in der Grazer Belgier-Kaserne. Seine Vorgängerin, Sigrid Etschmaier-Hanika, verabschiedete sich nach rund sechseinhalb Jahren an der Spitze der Einrichtung und insgesamt 28 Jahren beim Bundesheer in den Ruhestand.
An der Feier nahmen unter anderem Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, Heeressanitätschefin Sylvia Sperandio sowie Vertreter aus Politik, Gesundheitswesen und Einsatzorganisationen teil.
Neues Militärspital für Graz geplant
Eine der wichtigsten Zukunftsfragen betrifft die medizinische Infrastruktur. Im Rahmen des Aufbauplans 2032+ strebt das Bundesheer ein modernes Militärspital in Graz an.
Der neue Kommandant Christoph Bierbamer betonte in seiner Antrittsrede, dass das Sanitätszentrum moderne Einrichtungen und zusätzliches Fachpersonal benötige. Als mögliche Lösung nannte er eine gemeinsame Einrichtung mit dem Unfallkrankenhaus Graz, eine Kooperation mit einem anderen Krankenhaus oder einen eigenständigen militärischen Neubau.
Welche Variante tatsächlich umgesetzt wird, ist noch offen.
Bierbamer unterstrich zugleich die Bedeutung der medizinischen Versorgung für die Einsatzfähigkeit des Bundesheeres:
Nur mit einer effizienten Sanitätsversorgung kann eine militärische Landesverteidigung funktionieren.
Auch Heeressanitätschefin Sylvia Sperandio sprach sich für eine stärkere Zusammenarbeit zwischen militärischen und zivilen Gesundheitseinrichtungen aus. Neben gemeinsamen Übungen und abgestimmten Behandlungskapazitäten brauche es klare rechtliche Rahmenbedingungen und eine gesicherte Finanzierung.
Etschmaier-Hanika fordert nachhaltige Frauenförderung
Für Sigrid Etschmaier-Hanika endete mit der Kommandoübergabe eine lange militärmedizinische Laufbahn. Sie gehört zu den ersten Frauen, die 1998 als Soldatinnen in das österreichische Bundesheer eintraten, und war zuletzt dessen dienstälteste Militärärztin.
In ihrer Abschiedsrede blickte sie auf die Entwicklung weiblicher Führungskräfte beim Bundesheer zurück. Dabei machte sie deutlich, dass die Ernennung von Frauen in Führungspositionen allein nicht ausreiche.
Frauenförderung darf nicht mit der Bestellung enden.
Entscheidend seien vielmehr die tatsächliche Einbindung, faire Beurteilungen und Rückhalt bei Führungsentscheidungen. Während ihrer Amtszeit musste Etschmaier-Hanika unter anderem die besonderen Herausforderungen der Corona-Pandemie bewältigen.
Tanner betont Bedeutung der Militärmedizin
Verteidigungsministerin Klaudia Tanner würdigte die Leistungen der scheidenden Kommandantin und verwies auf die wachsenden Anforderungen an die medizinische Versorgung des Bundesheeres.
Die medizinische Versorgung ist die Grundlage für die Sicherheit unserer Soldatinnen und Soldaten – dabei leistet das Sanitätszentrum Süd einen entscheidenden Beitrag.
Tanner erklärte zudem, dass das Bundesheer über viele Jahre nicht die notwendige gesellschaftliche und politische Aufmerksamkeit erhalten habe. Angesichts der veränderten europäischen Sicherheitslage investiere Österreich nun verstärkt in Ausrüstung, Personal und Infrastruktur.
Mehr zum Thema: Klaudia Tanner über die Zukunft des Bundesheeres
Am Rande der Kommandoübergabe sprach Verteidigungsministerin Klaudia Tanner mit uns über die Sicherheitslage Österreichs, den Ausbau der Militärspitäler und die mögliche Anschaffung bewaffneter Drohnen.
Zum Artikel: Bundesheer – Tanner über Drohnen und neue Militärspitäler
Sanitätszentrum Süd versorgt auch andere Ministerien
Das Sanitätszentrum Süd beschäftigt derzeit 128 Bedienstete an mehreren Standorten. Dazu gehören neben der Feldambulanz in Graz auch Truppenambulanzen, ein arbeitsmedizinisches Zentrum und eine Lehrkompanie in Klagenfurt.
Die Einrichtung übernimmt medizinische Untersuchungen, ambulante und stationäre Behandlungen sowie die Ausbildung von Sanitätspersonal. Darüber hinaus unterstützt sie militärische Übungen und Einsätze.
Wie Bierbamer hervorhob, erbringt das Sanitätszentrum inzwischen auch Leistungen für das Innen- und Justizministerium. Diese ressortübergreifende Zusammenarbeit möchte der neue Kommandant weiterentwickeln.
Mit dem geplanten Militärspital könnte Graz künftig eine noch wichtigere Rolle in der militärischen Gesundheitsversorgung Österreichs übernehmen. Dafür muss das Bundesheer allerdings nicht nur in Gebäude und Technik investieren, sondern auch ausreichend qualifiziertes Personal gewinnen und langfristig halten.


























































