Start Graz Chronik Airport Graz: Vier neue Airlines für 2027 trotz sinkender Passagierzahlen

Airport Graz: Vier neue Airlines für 2027 trotz sinkender Passagierzahlen

Airport Graz Flugzeug
Foto Inside Graz

Der Flughafen Graz steht vor einem herausfordernden Jahr: Hohe Treibstoffpreise, steigende Kosten und das Ende der Flugverbindung nach Wien setzen den Airport unter Druck. Dennoch gibt es positive Nachrichten. Im Sommer 2027 sollen vier neue Fluggesellschaften Graz anfliegen und rund 30 Reiseziele direkt erreichbar sein. Außerdem steuert die Luftfracht auf einen Rekord zu.

Beim Pressegespräch am 20. Oktober 2026 informierten die beiden Flughafen-Geschäftsführer Wolfgang Grimus und Jürgen Löschnig gemeinsam mit Holding-Graz-Vorstandsdirektor Mark Perz über die wirtschaftliche Entwicklung, den Winterflugplan 2026/27 und die weiteren Pläne für den Flughafen Graz.

Dabei wurde deutlich, dass die internationale Luftfahrt weiterhin mit schwierigen Rahmenbedingungen kämpfen muss. Dennoch will der Graz Airport seine Rolle als wichtiger Verkehrsknotenpunkt für die Steiermark stärken.

Flughafen Graz erwartet 2026 rund 810.000 Passagiere

Nach einem erfolgreichen Jahresbeginn hat sich die Entwicklung der Passagierzahlen am Flughafen Graz abgeschwächt. Während das erste Quartal noch ein Wachstum von 8,5 Prozent brachte, gingen die Zahlen in den folgenden Monaten überwiegend zurück.

Bis zum Pressegespräch zählte der Flughafen rund 684.000 Passagiere. Damit lag das Ergebnis um 0,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Auffällig sind die Unterschiede zwischen Linien- und Charterverkehr. Während die Linienflüge ein Passagierplus von zwei Prozent erreichten, ging die Nachfrage im touristischen Charterverkehr um 6,5 Prozent zurück. Insgesamt sank die Zahl der Flugbewegungen um 4,9 Prozent.

Für das gesamte Jahr erwartet Geschäftsführer Wolfgang Grimus etwa 810.000 Fluggäste. Im Vorjahr waren es noch rund 831.000.

Kennzahl Entwicklung
Passagiere 2025 Rund 831.000
Prognose 2026 Rund 810.000
Erwarteter Rückgang Ca. 2,5 %
Linienverkehr 2026 bis Oktober +2 %
Charterverkehr 2026 bis Oktober -6,5 %
Flugbewegungen 2026 bis Oktober -4,9 %

Der Rückgang betrifft nicht nur Graz. Laut Grimus verzeichneten die österreichischen Verkehrsflughäfen von Jänner bis September insgesamt ein Passagierminus von 3,8 Prozent. Lediglich zwei der sechs Flughäfen konnten ihre Passagierzahlen steigern.

Kerosinpreise machen Flugverbindungen zunehmend teurer

Als einen wesentlichen Grund für die schwierige Entwicklung sieht die Flughafenführung die stark gestiegenen Treibstoffkosten.

Nach Angaben von Wolfgang Grimus kostete eine Tonne Kerosin zum Zeitpunkt des Pressegesprächs rund 1.700 US-Dollar. Ein Jahr zuvor lag der Preis noch bei etwa 650 bis 700 US-Dollar.

Welche Auswirkungen das auf die Fluggesellschaften hat, verdeutlichte Grimus anhand konkreter Beispiele: Für einen Hin- und Rückflug zwischen Graz und Hamburg können durch den gestiegenen Kerosinpreis zusätzliche Kosten von rund 7.500 US-Dollar entstehen. Bei längeren Verbindungen mit insgesamt acht Stunden Flugzeit bezifferte er die Mehrkosten sogar auf etwa 20.000 US-Dollar pro Flug.

Fluggesellschaften reagieren auf diese Entwicklung, indem sie Verbindungen reduzieren, Flugzeuge anders einsetzen oder einzelne Strecken vollständig einstellen.

Flugabgabe: Flughafen fordert Entlastung

Neben den Treibstoffkosten kritisiert die Flughafenführung die steigenden staatlichen Belastungen für den Luftverkehr.

Nach den beim Pressegespräch präsentierten Vergleichszahlen erhöhten sich die staatlich verursachten Steuern und Abgaben im Luftverkehr zwischen 2019 und 2026 um 85 Prozent. Die Flughafenentgelte stiegen im gleichen Zeitraum um 22 Prozent.

Besonders die österreichische Flugabgabe von zwölf Euro pro Ticket steht in der Kritik.

Wolfgang Grimus und Mark Perz forderten die Bundesregierung auf, diese Abgabe abzuschaffen oder zumindest deutlich zu reduzieren. Sie befürchten, dass Fluggesellschaften ihre Kapazitäten zunehmend auf günstigere Standorte im Ausland verlagern:

Als Beispiele nannten sie die Flughäfen Bratislava und Ljubljana, die vom Wettbewerb mit österreichischen Flughäfen profitieren könnten.

Das Verkehrsministerium hat zwar Entlastungen für die Luftfahrt in Höhe von jeweils 30 Millionen Euro für 2027 und 2028 angekündigt. Aus Sicht der Flughafenführung reichen diese Maßnahmen allerdings nicht aus.

Wie stark eine niedrigere Flugabgabe tatsächlich zu zusätzlichen Verbindungen führen würde, bleibt offen. Neben Steuern und Gebühren beeinflussen auch Nachfrage, Personalkosten und die wirtschaftliche Situation der Airlines deren Entscheidungen.

Graz-Wien-Flüge mit Ende Oktober eingestellt

Eine besonders spürbare Veränderung betrifft die Verbindung zwischen Graz und Wien. Austrian Airlines beendete die Strecke mit dem Winterflugplan 2026/27.

Damit fällt für Passagiere aus der Steiermark eine bisherige Möglichkeit weg, über Wien internationale Anschlussflüge zu erreichen.

Der Flughafen Graz setzt deshalb verstärkt auf seine Verbindungen zu anderen europäischen Drehkreuzen.

Vor allem Lufthansa soll auf den Strecken nach Frankfurt und München künftig häufiger größere Airbus-Flugzeuge einsetzen. Diese bieten mehr Sitzplätze als die bisher vielfach genutzten Maschinen von Air Dolomiti.

Dadurch könnten zumindest Teile der bisherigen Passagiernachfrage auf der Wien-Strecke aufgefangen werden.

Winterflugplan 2026/27: Diese Ziele bleiben ab Graz erreichbar

Der Winterflugplan beginnt am 25. Oktober 2026 und läuft bis Ende März 2027. Im Mittelpunkt stehen Verbindungen zu internationalen Drehkreuzen, wichtige europäische Städte sowie ausgewählte Urlaubsziele.

Reiseziel Flugangebot im Winter
Frankfurt Bis zu 3-mal täglich
München Bis zu 3-mal täglich
Zürich 7-mal wöchentlich
Berlin 3-mal wöchentlich plus Einzeltermine
Hamburg 2-mal wöchentlich plus Einzeltermine
London-Gatwick 3-mal wöchentlich
Antalya Mit SunExpress
Hurghada 1-mal wöchentlich mit Corendon

Besonders erfreulich ist aus Sicht der Flughafenführung die Aufstockung der Zürich-Verbindung. SWISS erhöht die Frequenz von bisher fünf auf sieben Flüge pro Woche.

Über die großen Umsteigeflughäfen sollen Reisende aus Graz mit nur einem Umstieg rund 200 internationale Destinationen erreichen können.

Sonderflüge nach Lissabon und Madrid

Neben den regelmäßigen Verbindungen stehen weitere touristische Angebote auf dem Programm.

Ende Oktober und Anfang November gibt es noch Flüge nach Istanbul, Palma de Mallorca und Malta.

Für den 4. Dezember 2026 plant Springer Reisen einen Flug nach Lissabon. Am 20. März 2027 bietet Gruber Reisen einen Osterflug nach Madrid an.

Allerdings könnten Fluggesellschaften insbesondere in nachfrageschwächeren Wochen einzelne Verbindungen reduzieren. Das betrifft vor allem den November und den Zeitraum nach den Weihnachtsferien.

Sommer 2027: Vier neue Fluggesellschaften für Graz

Airport Graz Eurowings

Für den Sommer 2027 kündigte der Flughafen Graz vier neue Fluggesellschaften an. Damit reagiert der Airport auch auf die Entscheidung von Eurowings, die Stationierung eines Flugzeugs in Graz aufzugeben.

In den vergangenen Monaten führte die Flughafenführung deshalb zahlreiche Gespräche mit Airlines und Reiseveranstaltern, um möglichst viele Urlaubsverbindungen weiterhin anbieten zu können.

Folgende neue Fluggesellschaften sind für den Sommer 2027 vorgesehen:

Fluggesellschaft Reiseziel Frequenz
Aegean Airlines Rhodos 2-mal wöchentlich
Freebird Airlines Heraklion, Kreta 1-mal wöchentlich zusätzlich zu Corendon
Air Cairo Hurghada, Ägypten Bis zu 2-mal wöchentlich
SkyAlps Olbia, Sardinien 2-mal wöchentlich

Besonders bei Sardinien verbessert sich das Angebot. Während Eurowings 2026 einmal pro Woche nach Olbia flog, soll SkyAlps diese Strecke künftig zweimal wöchentlich bedienen.

Auch Heraklion erhält durch Freebird eine zusätzliche Verbindung.

Rund 30 Direktziele in 13 Ländern

Insgesamt plant der Flughafen Graz für den Sommer 2027 ein Angebot von knapp 30 direkt erreichbaren Destinationen in 13 Ländern.

Neben den neuen Verbindungen bleiben beliebte Ferienziele wie Antalya, Brac, Calvi, Skiathos, Paros, Karpathos und Palma de Mallorca im Programm.

Eurowings soll weiterhin Berlin, Düsseldorf und Hamburg sowie die touristischen Ziele Palma de Mallorca und Karpathos bedienen.

Bei den internationalen Drehkreuzen erwartet der Flughafen folgende Frequenzen:

  • Frankfurt: bis zu viermal täglich
  • München: bis zu dreimal täglich
  • Zürich: einmal täglich
  • Düsseldorf: fünfmal wöchentlich

Zusätzlich planen Reiseveranstalter Kurzserien und Sonderflüge unter anderem nach Catania auf Sizilien, Kos, Malta, Monastir in Tunesien, Montpellier, Neapel und Montenegro.

Eine weitere mögliche Verbesserung betrifft Istanbul: Der Flughafen führt Gespräche mit Pegasus Airlines, um die derzeit ausgesetzten Flüge wieder aufzunehmen. Eine verbindliche Zusage gibt es noch nicht.

Trotz der umfangreichen Planungen betonte Wolfgang Grimus, dass sich der Sommerflugplan aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheiten noch verändern kann.

Luftfracht am Flughafen Graz steuert auf neuen Rekord zu

Während die Entwicklung im Passagierverkehr verhalten ausfällt, wächst das Frachtgeschäft deutlich.

Von Jänner bis September 2026 wickelte der Flughafen rund 15.700 Tonnen Luftfracht ab. Laut offizieller Airport-Bilanz entspricht das einem Plus von 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Luftfracht Ergebnis
Gesamtjahr 2025 Rund 19.500 Tonnen
Jänner bis September 2026 Rund 15.700 Tonnen
Wachstum gegenüber Vorjahreszeitraum +9,5 %
Erwartung für 2026 Über 20.000 Tonnen

Bereits 2025 erreichte der Flughafen mit rund 19.500 Tonnen einen Höchstwert. Nun könnte erstmals die Marke von 20.000 Tonnen überschritten werden.

Zusätzliche Möglichkeiten entstehen durch die größeren Flugzeuge von Lufthansa. Auf den Strecken nach Frankfurt und München sollen teilweise Airbus A319, A320 und A321 zum Einsatz kommen.

Dadurch kann Lufthansa Cargo an Werktagen bis zu zwei tägliche Transportmöglichkeiten anbieten.

Für exportorientierte Unternehmen in der Steiermark könnte das ein Vorteil sein, insbesondere wenn Waren rasch internationale Märkte erreichen müssen.

Neue Zugverbindungen aus Kärnten und Slowenien

Auch bei der öffentlichen Anbindung des Flughafens stehen Veränderungen bevor.

Mit der Fahrplanumstellung im Dezember 2026 erhält der Flughafen eine tägliche direkte Zugverbindung aus Kärnten. Der Frühzug soll um 5:15 Uhr am Flughafenbahnhof eintreffen. In die Gegenrichtung ist eine Abfahrt um 23:33 Uhr vorgesehen.

Flughafen-Geschäftsführer Jürgen Löschnig begrüßte diese Verbesserung, wies aber gleichzeitig auf ein Problem hin: Für Passagiere mit Abflügen bereits um 6:00 oder 6:10 Uhr bleibt nach der Zugankunft nur wenig Zeit.

Der Airport möchte deshalb erreichen, dass der Frühzug künftig etwas früher ankommt.

Mehr als 20 Züge täglich aus Richtung Maribor

Eine weitere Verbesserung betrifft die Verbindung nach Slowenien.

Ab Mitte Dezember sollen täglich mehr als 20 Züge aus Richtung Maribor am Flughafenbahnhof halten. Mehr als zehn davon ermöglichen eine direkte Fahrt ohne Umsteigen zwischen Graz und Maribor mit einer Fahrzeit von ungefähr 50 Minuten.

Damit wird der Flughafen auch für Reisende aus dem südlichen Nachbarland leichter erreichbar.

Allerdings befindet sich der Flughafenbahnhof weiterhin nicht unmittelbar im Terminal. Die Flughafenführung hält deshalb an ihrem langfristigen Ziel fest, die Bahnanbindung durch eine eigene, näher am Terminal gelegene Haltestelle zu verbessern.

Flughafen investiert in Elektrofahrzeuge und erneuerbare Energie

Neben dem Fluggeschäft setzt der Graz Airport seine Investitionen in Infrastruktur und Energieversorgung fort.

Geschäftsführer Jürgen Löschnig präsentierte mehrere Maßnahmen, mit denen der Flughafen den Betrieb modernisieren und seine eigenen Emissionen reduzieren möchte.

Bereits in den vergangenen Jahren stellte der Airport zahlreiche Fahrzeuge und Vorfeldgeräte auf den alternativen Kraftstoff HVO100 um. Bei geeigneten Neuanschaffungen setzt das Unternehmen zunehmend auf Elektroantriebe.

2026 kamen unter anderem zwei mobile elektrische Bodenstromgeräte hinzu. Diese versorgen Flugzeuge während ihrer Standzeit mit Strom. Eine neu errichtete Ladestation nutzt tagsüber Strom aus der Photovoltaikanlage auf dem Flughafenparkhaus.

In den kommenden zwei Jahren sollen vier weitere elektrische Bodenstromgeräte folgen.

Außerdem investierte der Flughafen in zwei elektrische Gepäckförderbänder mit verlängerten Rollbändern. Sie sollen das Personal beim Be- und Entladen der Flugzeuge körperlich entlasten.

Zwei neue Passagiertreppen verfügen über integrierte Solarmodule und können einen Teil ihres Strombedarfs selbst decken.

Zusätzlich ersetzte der Flughafen mehrere ältere Fahrzeuge, darunter Geräte für die Reinigung, die Vorfeldkoordination und die Wasserversorgung.

Nicht mehr benötigte Fahrzeuge und Geräte verkaufte der Airport im Rahmen einer Auktion zur weiteren Verwendung.

Für 2026 erhält der Flughafen außerdem seine 27. Ökoprofit-Auszeichnung der Stadt Graz.

Mehr Platz bei der Einreise und Verbesserungen im Terminal

Auch für Passagiere sind bauliche Veränderungen vorgesehen.

Hintergrund ist unter anderem das europäische Entry/Exit-System (EES), das die Grenzkontrollen für Reisende aus Nicht-Schengen-Staaten verändert.

Der Flughafen vergrößert deshalb die Flächen vor der Einreisekontrolle. Künftig sollen längere Warteschlangen besser abgewickelt werden können.

Zusätzlich plant der Airport ein flexibles Leitsystem für Passagiere und neue WC-Anlagen im Ankunftsbereich.

Für 2027 sind außerdem weitere Investitionen in den Ausreisebereich vorgesehen, um dort zusätzliche Kapazitäten zu schaffen.

Bereits Anfang 2026 verlegte der Flughafen das Notfallinformationszentrum und die Räumlichkeiten für den Krisenstab in das Feuerwehrgebäude. Bei einer Notfallübung im Sommer konnte die neue Infrastruktur erstmals praktisch getestet werden.

Veranstaltungen als zweites wirtschaftliches Standbein

Der Flughafen Graz entwickelt sich zunehmend auch als Veranstaltungsstandort weiter.

Nach Angaben von Jürgen Löschnig finden im Veranstaltungszentrum jährlich rund 300 Messen, Tagungen, Meetings und ähnliche Veranstaltungen statt.

Zu den größeren Veranstaltungen des Jahres 2026 zählten die Gruber ReiseZeit, eine Veranstaltung von Porsche mit rund 300 Gästen sowie die Bildungs- und Berufsmesse.

Auch der Airport Run war erfolgreich: Etwa 800 Teilnehmer sorgten für Spendeneinnahmen von 20.000 Euro zugunsten der Stiftung Kindertraum.

Die nächste Gruber ReiseZeit ist für den 9. Jänner 2027 geplant. Zudem möchte der Flughafen Veranstaltungen im Restaurant Globetrotter weiter ausbauen.

Neben Veranstaltungen tragen auch die Vermietung und Verpachtung von Flächen zu den Einnahmen außerhalb des eigentlichen Fluggeschäfts bei.

Flughafen rechnet trotz Passagierrückgang mit positivem Ergebnis

Obwohl die Passagierzahlen 2026 voraussichtlich unter dem Vorjahr liegen, erwartet Jürgen Löschnig einen deutlich positiven Jahresabschluss.

Konkrete Ergebniszahlen nannte er noch nicht. Allerdings verwies er beim Pressegespräch auf die gute Entwicklung der Geschäftsbereiche abseits des Flugverkehrs.

Das zeigt, dass die wirtschaftliche Situation eines Flughafens nicht allein von der Zahl der Fluggäste abhängt.

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