Start Graz Chronik Internationale Einbrecherbande ausgeforscht – europaweit agierend

Internationale Einbrecherbande ausgeforscht – europaweit agierend

LKA Steiermark Resch BKA
vlnr.: Andreas Tiroch vom Bundeskriminalamt und Manfred Resch vom Landeskriminalamt Steiermark. Foto Inside Graz

Das Landeskriminalamt Steiermark hat nach monatelangen Ermittlungen eine europaweit agierende Tätergruppe ausgeforscht. Fünf Männer aus Chile stehen im Verdacht, zahlreiche Wohnhaus- und Villeneinbrüche in Österreich sowie in mehreren europäischen Staaten begangen zu haben. Der verursachte Schaden liegt im einstelligen Millionenbereich.

Die Ermittlungen starteten im Juni 2025 im Ermittlungsbereich Diebstahl. Damals untersuchten steirische Kriminalisten eine Serie von Einbrüchen, die zunächst keiner bekannten Gruppierung zugeordnet werden konnte. Im Zuge intensiver Analysen zeigte sich jedoch ein klares Muster, das auf professionell agierende, reisende Täter hindeutete.

Neue, auffällige Arbeitsweise

Laut Polizei gingen die Täter strukturiert und arbeitsteilig vor. Sie suchten gezielt Villengegenden aus und führten Einbrüche überwiegend tagsüber durch. Die Fahrzeuge stellten sie in größerer Entfernung zum Tatort ab. Anschließend näherten sie sich den Objekten als vermeintliche Jogger. Teilweise läuteten sie an Haustüren, um zu prüfen, ob sich Personen im Gebäude befanden.

Diebesgut der chilenischen Einbrecherbande
LPD Steiermark

Die Ermittler stellten fest, dass die Gruppierungen hochpreisige Mietfahrzeuge nutzten, häufig italienische Modelle. Zudem mieteten sie Wohnungen über Online-Plattformen wie AirBNB in unmittelbarer Nähe der späteren Tatorte. Die Vorbereitung erfolgte digital. Im sogenannten Home Office analysierten die Täter mit Google Maps und Streetview mögliche Zielobjekte. Für die Kommunikation verwendeten sie Messenger-Dienste.

Nach den Taten präsentierten sich Verdächtige auf sichergestellten Fotos stolz mit dem erbeuteten Diebesgut. Die Verwertung der Wertgegenstände erfolgte nach Erkenntnissen der Polizei in Mailand.

Diebesgut bei Festnahme
Foto LPD Steiermark

Einreise über Südeuropa

Die fünf Beschuldigten im Alter zwischen 19 und 39 Jahren reisten laut Ermittlungen aus Südamerika per Flugzeug nach Europa ein, meist über Italien oder Spanien. Sie nutzten ein 90-Tage-Visum und traten als Touristen auf. Innerhalb Europas bewegten sie sich flexibel und reisten mehrfach nach Österreich ein und wieder aus. Charakteristisch war ihr kurzer Aufenthalt von meist nur drei bis vier Tagen an einem Ort.

Neben mindestens zwölf Einbruchsdiebstählen in Österreich werden den Männern rund 30 weitere Wohnhauseinbrüche in Deutschland, Frankreich, Luxemburg und der Schweiz zugerechnet.

Observation nach Einreise

Ende Juli 2025 lokalisierten Ermittler die Tatverdächtigen nach ihrer Einreise nach Österreich im Raum Wiener Neustadt. In enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt führten Beamte bundesländerübergreifende Observationsmaßnahmen durch. Beteiligt waren unter anderem Einsatzkräfte aus Wien, Salzburg und der Steiermark.

Die Polizei observierte sowohl das verwendete Fahrzeug als auch eine angemietete Unterkunft in Wien-Favoriten.

Als Jogger getarnt

Am 30. Juli 2025 verließen drei der fünf Tatverdächtigen am Vormittag die Unterkunft in Wien. Zivile Fahnder folgten ihnen über die A2 bis nach Oberwaltersdorf im Bezirk Baden. Dort stiegen zwei Männer in Laufbekleidung aus dem Fahrzeug und bewegten sich joggend durch einen Waldabschnitt in Richtung eines Wohnparks mit hochwertigen Villen.

In diesem Bereich registrierten die Ermittler einen versuchten Einbruch in eine Villa. Wenig später drangen dieselben Täter in Sollenau im Bezirk Wiener Neustadt in ein Wohnhaus ein, während der Fahrzeuglenker im Auto wartete und Schmiere stand.

Festnahme bei Rückkehr

Nach dem Einbruch kehrten die Männer mit Wertgegenständen und Goldschmuck zur Unterkunft nach Wien zurück. Dort griffen Polizeikräfte aus Wien und der Steiermark zu. Drei chilenische Staatsangehörige im Alter zwischen 19 und 28 Jahren wurden festgenommen. Die Beamten stellten Einbruchswerkzeug und Diebesgut sicher.

Die weiteren Ermittlungen übernahm das LKA Steiermark. Ein Beschuldigter versuchte am 31. Juli während einer Vernehmung im Gebäude der Landespolizeidirektion zu fliehen. Beamte nahmen damals sofort die Verfolgung auf und verhinderten die Flucht.

Vier Tätergruppen in der Steiermark

Im Zuge der umfangreichen Ermittlungen forschte das LKA Steiermark insgesamt vier Tätergruppierungen in der Steiermark aus. Dabei identifizierten die Ermittler 15 Tatverdächtige, elf davon namentlich. Sechs Personen befinden sich derzeit in Haft.

Laut Bundeskriminalamt begingen entsprechende Tätergruppen im Jahr 2025 rund 100 Einbrüche. Insgesamt konnten 28 Tatverdächtige festgenommen werden. Ob die Strukturen zentral gesteuert oder lose organisiert sind, ist derzeit Gegenstand weiterer Ermittlungen. Die Polizei spricht jedoch klar von organisierter Kriminalität mit mafiösen Strukturen.

Haft und Fahndung

Vier der namentlich bekannten Tatverdächtigen befinden sich aktuell in der Justizanstalt Wiener Neustadt in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage eingebracht, die Hauptverhandlung steht bevor. Ein weiterer Tatverdächtiger ist flüchtig, die Fahndung läuft.

Die Beschuldigten zeigen sich nicht geständig.

Appell an die Bevölkerung

Das LKA Steiermark weist darauf hin, dass internationale Plattformen und datenschutzrechtliche Rahmenbedingungen die Ermittlungsarbeit zusätzlich erschweren. Gleichzeitig sehen die Ermittler ein hohes Fluchtpotenzial bei reisenden Tätergruppen.

Die Polizei ersucht die Bevölkerung daher ausdrücklich, verdächtige Beobachtungen umgehend über den Notruf 133 zu melden. Insbesondere auffällige Personen in Villengegenden, abgestellte Fahrzeuge mit ausländischen Kennzeichen oder Personen, die tagsüber Häuser auskundschaften, können entscheidende Hinweise liefern.

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