Verteidigungsministerin Klaudia Tanner spricht im Interview über die Sicherheitslage Österreichs, den Ausbau militärischer Gesundheitseinrichtungen und die zunehmende Bedrohung durch Drohnen. Auch die Anschaffung bewaffneter Drohnen schließt sie für die Zukunft nicht aus. Für die Steiermark stellt sie weitere Investitionen in die militärische Sanitätsversorgung in Aussicht.
Militärspitäler sollen wieder eine größere Rolle spielen
Bei der Kommandoübergabe des Sanitätszentrums Süd in der Grazer Belgier-Kaserne am Donnerstag, dem 29. Oktober 2026, stand die Zukunft der militärischen Gesundheitsversorgung im Mittelpunkt (mehr dazu demnächst auf Inside Graz). Im anschließenden Interview mit Inside Politics und Inside Graz machte Verteidigungsministerin Klaudia Tanner deutlich, dass das Bundesheer seine medizinischen Kapazitäten erweitern will.
Auf die Frage, ob Österreich künftig wieder über mehrere Militärspitäler verfügen werde, antwortete Tanner:
Ja, selbstverständlich. Das ist genau das Ziel.
Der Ausbau gehört zum Aufbauplan 2032+, mit dem das Verteidigungsministerium die Einsatzfähigkeit des Bundesheeres verbessern möchte. Tanner verwies dabei ausdrücklich auf Investitionen in der Steiermark und auf geplante militärische Spitalskapazitäten in Graz.
Der Standort verfügt bereits über eine militärische Feldambulanz, die aus dem früheren Militärspital 1 hervorging. Im Rahmen des Projekts „Militärspital Neu“ soll auch die Zusammenarbeit mit dem Unfallkrankenhaus Graz eine Rolle spielen.
Neben Gebäuden und medizinischer Ausrüstung sieht Tanner vor allem beim Personal Handlungsbedarf. Das Bundesheer müsse seine militärischen Gesundheitseinrichtungen stärken und zugleich enger mit dem zivilen Gesundheitswesen zusammenarbeiten.
Drohnenabwehr gewinnt an Bedeutung
Ein weiterer Schwerpunkt des Interviews war die Frage, wie sich das Bundesheer gegen neue Bedrohungen schützen will. Besonders die Entwicklung unbemannter Fluggeräte verändert aus Sicht der Ministerin die Anforderungen an militärische Standorte.
Tanner bestätigte, dass zusätzliche Schutzmaßnahmen nicht nur in Graz, sondern auch an anderen Kasernen und militärischen Einrichtungen notwendig seien. Dabei gehe es unter anderem darum, unerwünschte Aufklärung und Spionageversuche durch Drohnen zu verhindern.
Auch bei der Ausrüstung hat das Bundesheer bereits Schritte gesetzt. Laut Tanner stehen den Soldaten inzwischen mehrere Hundert Drohnen zur Verfügung, insbesondere für Aufklärungsaufgaben.
Kommen künftig bewaffnete Drohnen?
Claudio Schiesl von Inside Politics fragte die Verteidigungsministerin ausdrücklich, ob Österreich auch bewaffnete Drohnen beschaffen werde.
Eine konkrete Anschaffung kündigte Tanner aber nicht an. Derzeit konzentriere sich das Bundesheer auf Aufklärungsdrohnen und Systeme zur Drohnenabwehr. Allerdings betonte sie, dass der Aufbauplan laufend an neue Bedrohungen angepasst werde.
Damit bleibt die Beschaffung bewaffneter Drohnen eine mögliche Option. Eine Entscheidung oder einen konkreten Zeitplan nannte die Ministerin im Gespräch nicht.
Wie sicher ist Österreich?
Auf die Frage nach der aktuellen Sicherheitslage bezeichnete Tanner die Situation als herausfordernd. Dabei verwies sie nicht nur auf militärische Konflikte, sondern auch auf Gefahren im digitalen Bereich.
Cyberangriffe und Bedrohungen im Informationsraum erfordern aus ihrer Sicht zusätzliche Investitionen. Zugleich müsse Österreich seine Verteidigungsfähigkeit verbessern, um auch in einem zunehmend unsicheren internationalen Umfeld handlungsfähig zu bleiben.
Einen entscheidenden Wendepunkt sieht Tanner im russischen Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022. Allerdings habe das Verteidigungsministerium bereits 2020 begonnen, die Ausrüstung und Infrastruktur des Bundesheeres auszubauen.
Gegenüber 2019 habe sich das Verteidigungsbudget inzwischen verdoppelt, erklärte die Ministerin. Das zusätzliche Geld fließe unter anderem in militärische Einrichtungen, Ausrüstung und den Ausbau der Sanitätsversorgung.
Rechnungshof warnt vor Problemen beim Aufbauplan
Die angekündigten Investitionen stehen allerdings vor finanziellen und organisatorischen Herausforderungen. Erst am 23. Oktober 2026 veröffentlichte der österreichische Rechnungshof einen Bericht, der erhebliche Risiken bei der Umsetzung des Aufbauplans 2032+ aufzeigt.
Besonders deutlich fällt die Entwicklung der geplanten Investitionskosten aus: Während für den Zeitraum 2023 bis 2032 ursprünglich rund 16,6 Milliarden Euro vorgesehen waren, belief sich die Planung für 2025 bis 2036 bereits auf 49,2 Milliarden Euro. Die unterschiedlichen Planungszeiträume erschweren dabei einen unmittelbaren Vergleich.
Zudem kritisiert der Rechnungshof Personalengpässe, fehlende Infrastruktur und unzureichende Lagerkapazitäten. Dadurch könnten einzelne Vorhaben später als geplant umgesetzt werden.
Das vollständige Interview mit Verteidigungsministerin Klaudia Tanner
Im rund vierminütigen Gespräch beantwortet Klaudia Tanner Fragen zur österreichischen Sicherheitslage, zur Zukunft militärischer Gesundheitseinrichtungen und zum Einsatz moderner Drohnentechnologie. Außerdem erklärt sie, weshalb das Bundesheer seine Kasernen und Stützpunkte künftig stärker schützen muss:
👉 Abonniere jetzt den YouTube-Kanal von Inside Graz und verpasse keine neuen Videos!


























































